Cannabisprävention: So kommen Eltern und Schule ins Gespräch
Wie lassen sich Eltern für Cannabisprävention erreichen? Das ESIC-Projekt macht es Schulen leicht: mit einem erprobten, standardisierten Elternabend, mehrsprachigen Materialien und konkreten Gesprächsimpulsen für den Familienalltag.
20.08.2026 Bundesweit Pressemeldung Elternabende zur suchtpräventiven Information zum Thema Cannabis (ESIC)Elternarbeit als Schlüssel in der Cannabisprävention
Cannabis ist für viele Jugendliche und ihre Familien ein relevantes Thema – und stellt auch für Schulen eine Herausforderung dar. Wie können Eltern informiert und darin unterstützt werden, mit ihren Kindern über Cannabis zu sprechen? Ohne zu stigmatisieren, zu verunsichern, zu bagatellisieren oder zu dramatisieren? Und wie lässt sich Präventionsarbeit so gestalten, dass Eltern frühzeitig erreicht und aktiv einbezogen werden?
Viele Eltern wünschen sich Orientierung:
- Was ist Realität – und was nur Gerücht oder Fehlinformation?
- Wie kann ich mit meinem Kind ins Gespräch kommen, ohne dass das Gespräch eskaliert?
- Wo verläuft die Grenze zwischen „mal probiert“ und problematischem Konsum?
Genau an diesen Fragen setzt das ESIC-Projekt (Elternabende zur suchtpräventiven Information zum Thema Cannabis) an. Es wurde vom Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung entwickelt und im Rahmen eines vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit geförderten Projekts als standardisiertes Format für Cannabis-Elternabende an Schulen konzipiert und in der Praxis erprobt.
ESIC verfolgt ein klares Ziel: Eltern verständlich, wissenschaftlich fundiert und alltagsnah über Cannabis und dessen mögliche Auswirkungen auf Jugendliche zu informieren. Gleichzeitig sollen sie darin unterstützt werden, mit ihren Kindern über das Thema ins Gespräch zu kommen und bei Fragen oder Unsicherheiten angemessen zu reagieren.
Empfohlen wird der ESIC-Elternabend von Fachkräften ab Klassenstufe 8, damit die Inhalte altersnah an die Lebensrealität der Jugendlichen anschließen. Das Format kann im schulischen, aber auch außerschulischen Kontext von unterschiedlichen Personen durchgeführt werden – Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter*innen, (Präventions-)Fachkräfte und andere Interessierte, in ESIC-geschulte Personen.
Pilotierung: 33 Elternabende in drei Bundesländern
Die Wirksamkeit und Umsetzbarkeit des ESIC-Formats wurden im Rahmen einer Pilotierung in Bayern, Berlin und Hamburg besonders praxisnah geprüft:
- 33 Elternabende wurden durchgeführt,
- 598 Eltern nahmen an einer anschließenden Befragung teil,
- 8 qualitative Interviews mit Durchführenden der Elternabende fanden statt.
Die teilnehmenden Eltern bewerteten dabei sowohl die vermittelten Informationen als auch die Kommunikationsempfehlungen überwiegend als (sehr) gut. Und auch die Rückmeldungen der Durchführenden fielen durchweg positiv aus: Konzept, Gestaltung und Umsetzbarkeit wurden besonders positiv hervorgehoben.
ESIC zeigt, wie ein standardisiertes Elternabend-Format an Schulen wirkt – praxisnah, niedrigschwellig und für die Umsetzung vor Ort geeignet.
So funktioniert ESIC: Schulung, Manual und Materialien für die Umsetzung
Damit Schulen und Präventionsfachkräfte das Format selbstständig einsetzen können, steht am Anfang eine Online-Schulung. In der kostenfreien ESIC-Schulung werden die Inhalte und die praktische Durchführung des Elternabends vermittelt. Nach der Schulung erhalten die Teilnehmenden ein ausführliches Manual, welches Schritt für Schritt durch die Maßnahme führt, sowie Zugang zu einer umfangreichen Materialiensammlung.
Damit können sie im Anschluss eigenständig Elternabende an Schulen durchführen. Das Manual unterstützt bei der Vorbereitung und Umsetzung, während Präsentation, Handouts und weitere Materialien eine strukturierte Durchführung ermöglichen. Die Materialien geben einen gemeinsamen Qualitätsrahmen vor, lassen aber gleichzeitig Raum, auf die individuellen Fragen und Bedürfnisse der Eltern einzugehen.
Das Konzept lässt sich flexibel einsetzen: Die Elternabende können sowohl vor Ort in der Schule als auch online stattfinden. Zudem gibt es die Möglichkeit, den Elternabend an eine bereits bestehende Veranstaltung anzudocken und in einer 30-minütigen Kurzvariante durchzuführen, oder ihn als eigenständigen Elternabend in einer 90-minütigen Langversion anzubieten. Die entwickelten Materialien stehen außerdem in mehreren Sprachen zur Verfügung – neben Deutsch auch auf Arabisch, Englisch, Russisch und Türkisch. So können möglichst viele Eltern erreicht werden.
Nicht nur informieren, sondern ins Gespräch kommen
Der ESIC-Elternabend vermittelt zentrale Themen verständlich und zielgerichtet, u. a. zu
- Wirkungen und Risiken von Cannabis,
- rechtlichen Rahmenbedingungen und aktuellen Entwicklungen auf dem Cannabis-Markt
- optional: Informationen zu neueren Produkten wie THC‑haltigen Erzeugnissen und sogenannten Baller-Liquids.
Ein wichtiger Bestandteil des ESIC-Konzepts ist die Frage, wie Eltern mit ihren Kindern über Cannabis sprechen können. Denn reine Informationsvermittlung reicht häufig nicht aus. Eltern stehen vor der Herausforderung, ein sensibles Thema anzusprechen, ohne dass Gespräche unmittelbar in Konflikten oder gegenseitigen Vorwürfen münden.
Hierfür stellt ESIC kurze Beispielvideos auf verschiedenen Sprachen zur Verfügung. In ihnen werden Gespräche zwischen Familienangehörigen und Jugendlichen über Cannabis dargestellt und durch konkrete Kommunikationsempfehlungen ergänzt. Die Videos zeigen unterschiedliche Gesprächssituationen und geben Eltern praktische Anregungen, wie ein offener Austausch gelingen kann.
Prävention gemeinsam mit Eltern gestalten
Eltern sind eine wichtige Ressource für die Suchtprävention. Sie kennen ihre Kinder und können Veränderungen im Verhalten häufig frühzeitig wahrnehmen. Gleichzeitig fühlen sich viele Eltern beim Thema Cannabis unsicher: Wie spreche ich mein Kind darauf an? Was ist noch Ausprobieren und wann wird Konsum problematisch? Und wie kann ich reagieren, ohne dass Gespräche sofort in Konflikten münden?
Ein strukturierter Elternabend kann hier eine Brücke zwischen Schule, Elternhaus und Präventionsarbeit schaffen. Eltern erhalten Informationen, konkrete Gesprächsimpulse und die Möglichkeit, Fragen in einem geschützten Rahmen zu stellen.
Der Mehrwert des ESIC-Formats liegt deshalb nicht nur in der Vermittlung von Wissen über Cannabis. Es schafft einen konkreten Anlass, Eltern in die Präventionsarbeit einzubeziehen und ihnen Handlungsmöglichkeiten für den Familienalltag mitzugeben.
Das Angebot ist kostenlos zugänglich. Interessierte Fachkräfte und Schulen können sich über die ESIC-Website über das Projekt, die nächsten Schulungstermine und die verfügbaren Materialien informieren:
Wir laden außerdem herzlich zum dritten ESIC Fachtag am 20. November 2026 in Hamburg oder online per Zoom ein. Die Anmeldung ist kostenlos über die Website möglich:
https://www.cannabiselternabend.de/3-esic-fachtag/
Ansprechpartner
Elternabende zur suchtpräventiven Information zum Thema Cannabis (ESIC)Projektleitung: Dr. Philipp Hiller und Veronika Möller
E-Mail: esic@isd-hamburg.de
Web: http://www.cannabiselternabend.de
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