Ergebnissen der ersten Schulsportuntersuchung (SPRINT)

Der Deutsche Sportbund (DSB) und die Deutsche Sportjugend (dsj) haben im Januar 2003 in Abstimmung mit der Kultusministerkonferenz (KMK) den Auftrag zu der in dieser Form einmaligen Studie über die aktuelle Situation des Schulsports in Deutschland (SPRINT) erteilt. An der Finanzierung beteiligten sich die vormaligen nationalen Bewerberstädte für die Olympischen Spiele 2012. Nach erfolgter Zustimmung aller Länder konnte die Untersuchung Anfang des Jahres 2004 von einem Forschungsverbund aus 6 Wissenschaftlern begonnen werden. Begleitet wurde diese Untersuchung von einem Projektbeirat aus Vertreterinnen und Vertretern des DSB/ die dsj und der KMK.

13.12.2004 Pressemeldung Sekretariat der Kultusministerkonferenz

Erste wichtige Ergebnisse wurden heute in Berlin von dem Koordinator der Forschungsgruppe, Herrn Prof. Dr. Wolf-Dietrich Brettschneider, vorgestellt. Der Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, sowie die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Staatsministerin Doris Ahnen, dankten den Wissenschaftlern für ihre Arbeit. In nur gut vier Monaten realisierten sie eine Stichprobe, die knapp 9.000 Schülerinnen und Schüler, ca. 4.400 Eltern, gut 1.100 Sportlehrkräfte und fast 200 Schulleiterinnen und Schulleiter umfasste. So konnten bereits ein Jahr nach dem Start der Studie wesentliche Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Die Studie befasst sich eingehend mit

  • den Rahmenbedingungen des Sportunterrichts,
  • der Bedeutung und der Qualität des Sportunterrichts, außerunterrichtlichem Sport,
  • der Leistung von Sportlehrerinnen und Sportlehrern aus Sicht der Schülerinnen und
  • Schüler, der Schulleitung und der Eltern.

In seinem abschließenden Fazit betonte Prof. Brettschneider, dass die vorgestellten deskriptiven Daten ein Signal für die politisch Verantwortlichen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Sport an der Schule setzen und Hinweise für zukünftige Konzeptionen für den Schulsport ermöglichten. Er stellte klar, dass das wachsende Übergewicht unserer Kinder und Jugendlichen, ihr wenig erfreulicher Bewegungsstatus und ihre zunehmend mangelnde motorische Leistungsfähigkeit nicht linear mit der aktuellen Schulsportsituation in Verbindung gebracht werden können. Andererseits stellte er fest: "Es kann aber auch nicht übersehen werden, welche positiven Impulse auf die motorische Entwicklung der jungen Generation von einem qualitativ überzeugenden Schulsport ausgehen können."

"Es ist festzuhalten, dass sportlich aktive Heranwachsende nicht nur fitter, sondern auch emotional ausgeglichener, fröhlicher und sozial besser integriert sind und zudem auch die besseren Schulleistungen aufweisen. Auch wenn der Ursache-Wirkungs-Zusammenhang nicht geklärt ist und auf der Basis unserer Querschnittsdaten auch nicht geklärt werden kann, ist unstrittig, dass der Sport in der Schule ein Feld ist, auf dem Erfahrungen gemacht werden, die die Entwicklung unserer Kinder in all ihren Facetten nachhaltig unterstützen kann."

Manfred von Richthofen dankt allen Initiatoren und Förderern dieser Schulsportuntersuchung und wies in seinem Statement auf folgende Aspekte hin: "Vor dem Hintergrund des erheblichen Bewegungs­mangels, des wachsenden Übergewichts und der geringen motorischen Leistungsfähigkeit vieler unserer Kinder und Jugendlichen erscheint es mir wichtiger denn je, ausreichenden Schulsport einzufordern. An den drei Stunden Pflichtunterricht im Fach Sport in allgemeinbildenden Schulen führt kein Weg vorbei. Und wenn Professor Brettschneider stellvertretend für die anderen beteiligten Wissenschaftler in seinen Ausführungen zum zeitlichen Umfang des Sportunterrichts zu dem Schluss kommt, dass im Sekundarbereich jede 3. bzw. jede 4. vorgesehene Stunde Sportunterricht laut Stundenplan nicht erteilt wird, dann ist das mehr als alarmierend."

"Ein düsteres Bild zeigt sich im Hinblick auf die Qualifikation der Sportlehrkräfte. Jede 5. Lehrkraft im Sportunterricht wird fachfremd unterricht! Noch gravierender ist die Situation in den Grundschulen einiger Bundesländer, in denen durchschnittlich etwa zwei Drittel der Lehrkräfte fachfremd unterrichten. Dies bedeutet im Einzelfall, dass ein Grundschulkind möglicherweise vier Jahre lang fachfremd unterrichtet wird. Ich unterstreiche die langjährige Forderung des Sports: Gerade in den Grund- und Hauptschulen ist ein qualifizierter Sportunterricht unverzichtbar. Deshalb brauchen wir hier die am besten ausgebildeten Lehrkräfte."

KMK-Präsidentin Ahnen dankte dem Deutschen Sportbund für die Auftragsvergabe der Studie, die wichtige Erkenntnisse und Ansatzpunkte zur Verbesserung des Sportunterrichts enthalte Vor dem Hintergrund des Ergebnisses, dass zwei Drittel aller Schülerinnen und Schüler und 80 % der Eltern - die sich über alle Erwartungen hinaus in dieser großen Zahl an der Studie beteiligt haben - den Sportunterricht für wichtig halten, versicherte sie:

"Diese hier dokumentierte positive Grundstimmung zum Fach Sport ist Anlass und Unterstützung zugleich, nicht zuzulassen, dass das Fach Sport im Vergleich zu den kognitiven Fächern ins Hintertreffen gerät. Denn Bewegung, Spiel und Sport haben auch einen positiven Einfluss auf das Lernen in allen anderen Fächern."

Zu der breiten Verankerung des außerunterrichtlichen Schulsports erklärte sie: "Die hohe Quote (78 %) der Kooperationen von Schulen mit Sportvereinen, die meines Wissens überwiegend auf Initiative der Schulen zurückzuführen sind, halte ich für ein großartiges Ergebnis. Es zeigt, dass die gute Zusammenarbeit auf der Ebene Kultusministerkonferenz - Deutscher Sportbund/Deutsche Sportjugend auch an der Basis ihre Entsprechung hat."

Abschließend stellten der Deutscher Sportbund und die Kultusministerkonferenz - bei durchaus unterschiedlicher Bewertung in Einzelfragen - gemeinsam fest, dass die Ergebnisse der Schulsportuntersuchung für die weitere Entwicklung des Schulsports in Deutschland von großer Bedeutung sind. Sie appellierten an die für den Schulsport Verantwortung tragenden Personen in Schule, Verwaltung und Politik - aber auch an die mit Schulen kooperierenden Sportverbände und Vereine - ihre bisherigen Bemühungen um eine weitere Verbesserung des Schulsports fortzusetzen und zu verstärken, um damit ihren gesellschaftlichen Beitrag für die sportliche und damit auch gesunde Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen zu leisten.

Die vollständige DSB-SPRINT-STUDIE wird Mitte nächsten Jahres vorliegen und voraussichtlich im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt.


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