Hessen will aus Forstbeamten Lehrer machen

56 Forstbeamtinnen und -beamte, deren Arbeitsplätze im Rahmen der Operation 'Sichere Zukunft' von der Landesregierung wegrationalisiert wurden, hospitieren zur Zeit an hessischen Schulen. Sie haben zusammen mit rund 950 weiteren Kolleginnen und Kollegen im Zuge der zum 1. Januar 2005 von 85 auf 41 reduzierten Forstämter ihre Beschäftigung verloren und waren der Personalvermittlungsstelle (PVS) des Landes gemeldet worden. 56 von ihnen sollen nun zu Lehrkräften "umgeschult" werden.

22.02.2005 Hessen Pressemeldung GEW Hessen

"In Anbetracht der absehbaren öffentlichen Kontroversen, gilt es zunächst einmal alle betroffenen Försterinnen und Förster in Schutz zu nehmen. Ihre Arbeitsplätze, an denen sie bisher für uns alle sinnvolle Arbeit getätigt haben, wurden von der Landesregierung vernichtet. Jetzt werden sie gezwungen, sich andere Arbeitsplätze zu suchen, die in aller Regel mit ihrer bisherigen Ausbildung so gut wie gar nichts zu tun haben.", erklärt der Landesvorsitzende der GEW Hessen, Jochen Nagel.

Erneut wird daran deutlich, was Ministerpräsident Koch unter 'Sichere Zukunft' versteht: Arbeitsplatzvernichtung, Sparen auf Kosten der Beschäftigten und auf Kosten sozial Benachteiligter und Schwacher - hier der Kinder und Jugendlichen in den Schulen. Sparen, weil er z.B. die Vermögenden nicht zur angemessenen Finanzierung der öffentlichen Aufgaben heranziehen will.

"Die geplanten Maßnahmen bedeuten letztlich nichts anderes als eine weitere Abwertung des Lehrerberufs und damit von Bildungsarbeit in den Schulen insgesamt. Mit sicherer Zukunft oder gar mit Qualität hat dies nun wirklich gar nichts zu tun. Von sicherer Zukunft können auch viele umfassend ausgebildete junge Lehrkräfte dabei nur träumen. In Folge der Arbeitsplatzvernichtung im Forstbereich werden sie länger erwerbslos sein, weil Stellen durch das Arbeitsplatzkarussell der Landesregierung von anderen besetzt werden", so Jochen Nagel weiter.

In den Lehrerberuf aber - davon ist der Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft überzeugt - kann man nicht so einfach wechseln. Jeden Tag in 5 bis 6 Unterrichtsstunden mit jeweils rund 30 Schülerinnen und Schülern Bildungsprozesse zu organisieren - erfordert eine umfassende Qualifikation. Selbst mit einer solchen Qualifikation bleibt die Arbeit in den Schulen schwierig genug, was nicht zuletzt an den schlechten Arbeitsbedingungen und der chronischen Unterfinanzierung des Bildungswesens liegt.

Um die Finanzierung geht es auch, wenn Försterinnen und Förster mit einer erheblich gekürzten Ausbildungszeit Lehrkräfte werden sollen. "Das Land will, da es bei diesen Kolleginnen und Kollegen selbst die Kosten der neuen Ausbildung tragen muss, diese mit einer Schmalspurausbildung und verkürztem Studium in die Schulen schicken. Die beim erst kürzlich verabschiedeten Lehrerbildungsgesetz so heraus gestellte Qualitätsfrage scheint dann keine Rolle mehr zu spielen", so Nagel weiter.

Mag ja sein, dass es Naturtalente überall gibt. Vielleicht wird die eine oder der andere dieser Kolleginnen und Kollegen dies auch sein. Aber kein Mensch käme auf die Idee, es z.B. bei der Wartung von Bremssystemen öffentlicher Verkehrsmittel darauf ankommen zu lassen, ob man auch einmal zufällig auf ein Naturtalent trifft. Bei der Pädagogik und in Schulen ist dies offensichtlich anders, hier wird auf Kosten von Schülerinnen und Schüler ordentlich experimentiert, um weiter einzusparen. Inzwischen gibt es bereits vielfältige Hinweise darauf, dass selbst sogenannte Ein-Euro-Jobs im Schulbereich eingerichtet werden sollen, so der Gewerkschaftsvorsitzende besorgt.

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