Ifo-Institut: Dreigliedriges Schulsystem mitverantwortlich für Arbeitslosigkeit

(bikl/Wirtschaftswoche) Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner Ifo-Institutes, macht das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland mitverantwortlich für die hohe Arbeitslosigkeit. "Das dreigliedrige Schulsystem, mit dem wir weltweit nahezu allein stehen, passt nicht mehr in die heutige Zeit", schreibt Sinn in der heutigen "WirtschaftsWoche".

13.03.2006 Artikel

Die Dreigliedrigkeit sei im 19. Jahrhundert eine direkte Reflexion der Drei-Klassen-Gesellschaft gewesen, bei der man ehrlicherweise von der Volksschule, der Mittelschule und der Oberschule gesprochen und damit implizit zugegeben habe, dass man für das Volk, die Mittelschicht und die Oberschicht drei verschiedene Schulen vorgesehen hatte. Heute führe dieses System zu einer hohen Ungleichheit und schöpfe das Potenzial nicht aus. Noch immer habe ein Akademikerkind eine fast siebenmal so große Chance, auf eine höhere Schule zu kommen, wie ein Facharbeiterkind.

Alte Ideologien vergessen

Das Abitur sei zwar im Vergleich zu anderen Ländern ein hoch qualifizierter Abschluss, reiche aber nicht aus, um "den offenkundigen Nachteil zu kompensieren, dass Begabungsreserven bei den Arbeiterkindern nicht ausgeschöpft werden". Daher müsse neu über die Gesamtschule nachgedacht werden. Es sei an der Zeit, "die alten Ideologien links und rechts zu vergessen und das deutsche Schulsystem an internationale Standards anzupassen".

Exzessiver Sozialstaat gefordert

Der Weg sei falsch, auf dem Deutschland bislang versucht habe, Gleichheit und Gerechtigkeit im Inneren zu erzielen. "Weil wir durch unser Schulsystem die Chancengleichheit mit den Füßen treten, brauchen wir einen exzessiven Sozialstaat, um das wünschenswerte Maß an Gleichheit wenigstens im Nachhinein herzustellen. Die Unterprivilegierten holen sich auf dem Wege der demokratischen Umverteilung, was ihnen bei der Ausbildung verwehrt wurde", schreibt Sinn weiter. "Das ist teuer und leistungsfeindlich. Die hohe deutsche Arbeitslosigkeit und das miserable Wachstum haben genau hier ihre zentrale Ursache."


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