Jacobi: "Hessen hat den Weg zum Abitur nach 12 Jahren sorgfältig vorbereitet"

Der Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium, Joachim Jacobi, hat die Kritik an der Schulzeitverkürzung im gymnasialen Bildungsgang als unbegründet zurückgewiesen. "Die Argumente ziehen nicht. Hessen hat den Weg zum Abitur nach 12 Jahren unter Einbindung aller Interessengruppen seit 1999 sehr sorgfältig vorbereitet. Umfragen belegen, dass zwei Drittel der Eltern hinter dem Modell stehen", erklärte Jacobi. Die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit werde ohne Qualitätsverlust umgesetzt. "Das wird spätestens mit dem Landesabitur nachweisbar sein", zeigte er sich zuversichtlich. Der Wegfall des 13. Schuljahres werde ohnehin kaum Auswirkungen auf den Unterrichtsumfang haben: "In einem Schülerleben von der ersten Klasse bis zum Abitur sind nur zwei Prozent der Unterrichtsstunden betroffen", so der Staatssekretär.

09.09.2004 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen

Jacobi sagte, die Zeit für Schule, Ausbildung und Studium in Deutschland sei zu lang. "Deshalb werden wir gerade mit Blick auf die anderen europäischen Länder, in denen die Kinder und Jugendlichen wesentlich schneller die Schule durchlaufen und dadurch bessere Berufschancen haben, die Schulzeit bis zum Abitur verkürzen", so der Staatssekretär. Nahezu alle Bundesländer haben eine solche Schulzeitverkürzung inzwischen eingeleitet oder beschlossen.

In Hessen werden Schülerinnen und Schüler, die ein Gymnasium oder den entsprechenden Zweig einer kooperativen Gesamtschule besuchen, künftig schon nach acht Jahren Abitur machen. Die Mittelstufe am Gymnasium endet dann nicht mehr nach der zehnten, sondern nach der neunten Klasse. Die Schulzeitverkürzung beginnt mit der fünften Klasse ab dem Schuljahr 2005/06 in zwei Etappen: Ein Teil der Schulen beginnt 2005 mit der Umstellung, ein anderer Teil 2006. Damit wird der Belastung der Hochschulen sowie des Arbeits- und Ausbildungsmarktes acht Jahre später, wenn die ersten "8-Jährigen" und die letzten "9-Jährigen" jeweils gleichzeitig ihre schulische Ausbildung abschließen, entgegengewirkt. Rund 15 Prozent der Schulen haben auf freiwilliger Basis bereits in diesem Schuljahr mit der Umstellung begonnen.

Entgegen der Kritik sei auch die Anschlussfähigkeit der Bildungsgänge gewährleistet. "Der Weg zum Abitur nach neun Jahren steht weiterhin offen: Wer mit guten Leistungen von der Realschule oder der integrierten Gesamtschule abgeht, der kann auch in Zukunft in die dreijährige gymnasiale Oberstufe wechseln", so Jacobi. Gerade für Schülerinnen und Schüler, bei denen nicht von vornherein klar ist, dass das Gymnasium für sie die richtige Schulform ist oder die ihre Fähigkeiten erst später entwickeln, sei dies eine echte Chance. "Es gibt im hessischen Schulsystem keine Sackgassen. Die Möglichkeit des Wechsels in einen Bildungsgang mit höherwertigem Abschluss ist gerade nach den Ergebnissen von PISA eine wichtige Aufgabe, der wir mit der Schulzeitverkürzung voll gerecht werden", betonte der Staatssekretär.

An den integrierten Gesamtschulen werde es keine gymnasiale Schulzeitverkürzung geben. "Dies würde sich mit dem Selbstverständnis dieser Schulform, den Weg zum angestrebten Schulabschluss für jeden möglichst lange offen zu halten, nicht vertragen", so Jacobi. Unwahr sei im Übrigen die Unterstellung, mit dem Abitur nach zwölf Jahren werde die Förderstufe abgeschafft. "Die Förderstufe kann beibehalten werden, wenn die Schule das wünscht", sagte er. Die Schule müsse nur konzeptionell sicherstellen, dass die Förderstufe auf den Jahrgang 7 des gymnasialen Bildungsgangs vorbereitet und z.B. ab der 6. Klasse in die zweite Fremdsprache einführt.


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