Kultusminister Schneider besucht Grundschule an der Würm in Stockdorf: "Jahrgangsgemischte Eingangsstufe fördert soziales Lernen"

Seit dem Schuljahr 2000/01 werden in der Grundschule an der Würm je zwei Klassen der Eingangsstufe jahrgangskombiniert geführt. "Die Zahl der Eltern, die ihr Kind in eine kombinierte Eingangsklasse geben möchten, ist größer als die Zahl der vorhandenen Plätze", berichtete Schulleiterin Karin Beer heute anlässlich eines Besuchs von Staatsminister Siegfried Schneider in Stockdorf. Schneider selbst hatte vor einigen Jahren den Modellversuch "Jahrgangsgemischte Eingangsklasse" mit initiiert. "Die Erfahrungen zeigen, dass vor allem das soziale Lernen hier eine besondere Rolle spielt: Die Eingliederung in die Schulgemeinschaft wird erleichtert, soziale Lernprozesse werden begünstigt. Die kognitiven Leistungen der Schüler jahrgangsgemischter Eingangsklassen entsprechen jedoch in vollem Umfang denen der Schüler von Jahrgangsklassen", so Schneider.

08.07.2005 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

An dem über vier Schuljahre hinweg durchgeführten Schulversuch nahmen bayernweit insgesamt 26 Grundschulen teil. "Durch die Verfügbarkeit der Lerninhalte von zwei Jahren werden begabte Kinder in besonderer Weise gefördert. Diese Kinder können die jahrgangsgemischte Eingangsklasse in einem Schuljahr durchlaufen und damit faktisch eine Jahrgangsstufe überspringen", sagte der Minister. Durch die Jahrgangsmischung verändere sich auch die Lernkultur: "Altersgemischte Lerngruppen, individuelle Lernangebote und eine methodische Öffnung des Unterrichts erlauben es, ganz gezielt auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen", so Schneider.

Die beiden Lehrerinnen der jahrgangsgemischten Eingangsklassen in Stockdorf bekräftigten diese Einschätzung aus ihrer Erfahrung. So sei insbesondere eine ausgesprochen hohe Motivation der beiden Jahrgangsgruppen feststellbar. "Die 2. Klasse ist der Motor für die 1. Klasse. Die 2. Klasse vertieft ihre Kenntnisse durch wiederholendes Lernen als Helfer der 1. Klasse", erläuterte die Schulleiterin. Die Ergebnisse sprächen für sich: "Bei den Orientierungsarbeiten schneiden die Schülerinnen und Schüler aus den jahrgangsgemischten Eingangsklassen besser ab als die Kinder, die jahrgangsreine Klassen besuchen." Zudem gebe es in den gemischten Klassen mehr Überspringer.

Da pro jahrgangskombinierter Klasse in Stockdorf fünf zusätzliche Lehrerstunden zur Differenzierung und individuellen Förderung zugewiesen werden, sei es möglich, optimale Ergebnisse zu erzielen - schließlich könne täglich eine Förderstunde in Kleingruppen stattfinden. Darüber hinaus habe man bislang zusätzlich eine Förderlehrerin in den jahrgangsgemischten Eingangsklassen einsetzen können. "Die Ergebnisse der gemischten Jahrgangsstufe 1/2 aus bisher fünf Schuljahren sind durchweg positiv. Die Kinder sind hoch motiviert, lernen schneller und besser und können außerdem gezielter und individueller gefördert werden. Das Lernen am Modell, das unauffällige, wiederholende Zuhören, das gleichzeitige Lernen mit einem Lehrer als ,Coach?, Berater und Zeitmanager bietet viele Vorteile", bilanzierte Beer.

Derzeit gibt es in Bayern rund 70 solcher jahrgangsgemischter Eingangsklassen. "Ich bin von der pädagogischen Grundidee der jahrgangsgemischten Eingangsklassen überzeugt", betonte der Minister. "Die Situation der altersheterogenen Lerngruppe entspricht der natürlichen Alltagssituation der Kinder. Die Schülerinnen und Schüler machen in diesem Rahmen vielfältige Erfahrungen, werden noch intensiver gefördert und lernen nachhaltiger. Wir haben hier ein zukunftsfähiges Konzept, das nicht zuletzt auch dazu beiträgt, dass wir kleinere Schulen erhalten können".


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