Lernstandserhebungen an allen Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien

Rund 210.000 Schülerinnen und Schüler in allen neunten Klassen Nordrhein-Westfalens werden von der kommenden Woche an erstmals an landesweiten Vergleichsuntersuchungen in Mathematik, Deutsch und Englisch teilnehmen und dabei ihre Kenntnisse und Fähigkeiten unter Beweis stellen.

04.11.2004 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen

"Nachdem unsere Grundschulen bereits im September mit den Lernstandserhebungen Neuland betreten haben, folgen nun die weiterführenden Schulen", erklärte Schul- und Jugendministerin Ute Schäfer. "Ich drücke allen Jugendlichen die Daumen und wünsche ihnen Erfolg bei den Aufgaben. Den Lehrerinnen und Lehrern wünsche ich, dass sie durch die Auswertung zusätzliche nützliche Hinweise für eine gezielte Förderung ihrer Schülerinnen und Schüler bekommen."

Im Rahmen der Lernstandserhebungen werden die Jugendlichen am 9. November zwei Schulstunden lang Mathematikaufgaben lösen. Eine gute Woche später, am 17. November, folgen dann die Lernstandserhebungen in Deutsch, wiederum acht Tage später, am 25. November, die in Englisch. Für diese beiden Tests stehen den Schülerinnen und Schülern dann je drei Schulstunden Zeit zur Verfügung.

Die Teilnahme an den Lernstandserhebungen ist für alle Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe aus Haupt-, Real-, Gesamtschulen und Gymnasien verpflichtend. Für das Fach Englisch gilt: Klassen, in denen Englisch ab der fünften Jahrgangsstufe unterrichtet wurde, müssen an den Lernstandserhebungen teilnehmen, Klassen, die später mit Englisch einsetzten, können mitmachen. Ob Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf sowie Schülerinnen und Schülern, die weniger als sechs Monate in Deutschland leben und die deutsche Sprache noch nicht ausreichend beherrschen, teilnehmen, liegt im Ermessen der Lehrerinnen und Lehrer.

"Die Lernstandserhebungen unterscheiden sich maßgeblich von Klassenarbeiten, weil sie nicht nur überprüfen sollen, ob der Stoff der vergangenen Unterrichtswochen sitzt; sie sollen vielmehr ermitteln, welchen Lernstand die Jugendlichen in den einzelnen Fächern bis zum Beginn des neunten Schuljahres erreicht haben", betonte Ute Schäfer.

Genügend Zeit, um Schwächen auszugleichen oder Stärken auszubauen

Die Ministerin appellierte an alle Beteiligten, die Lernstandserhebungen mit großer Ernsthaftigkeit, aber ohne unnötige Aufgeregtheit anzugehen. "Ein solches Verfahren ist neu für Deutschland und für NRW und mag deshalb Fragen aufwerfen. Wie sich aber bei den Grundschulen im September zeigte, sind die Schulen gut auf die Lernstandserhebungen vorbereitet und verläuft die Durchführung nahezu reibungslos. Wir werden hier Erfahrungen sammeln und die Lernstandserhebungen im Laufe der kommenden Jahre immer weiter entwickeln." Schäfer wies noch einmal darauf hin, dass die Lernstandserhebungen nicht benotet werden. "Sie sollen vielmehr die Basis für gezielte Förderung sein, so dass rund anderthalb Jahre vor dem Ende der Pflichtschulzeit mögliche Defizite bei Jugendlichen in den Kernfächern noch ausgeglichen oder Begabungen so ausgebaut werden können, dass höhere Bildungsabschlüsse möglich werden."

Die Ministerin weiter: "Zur Absicht, Kinder und Jugendliche besser fördern zu wollen, gehört auch die Bereitschaft, sich Rechenschaft darüber abzulegen, ob die angestrebten Ziele erreicht werden. Wir wollen deshalb klarer als bisher definieren, welche Fähigkeiten unsere Schülerinnen und Schüler zu welchem Zeitpunkt ihrer Schullaufbahn erworben haben sollen. Und wir wollen - auch mit Blick über die einzelne Schule hinaus - zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Schullaufbahn überprüfen, ob diese Ziele erreicht werden. Diese klare Zielsetzung verbunden mit mehr Transparenz ist die Grundlage dafür, unseren Schulen künftig mehr Selbstständigkeit zu ermöglichen."

Bei den Lernstandserhebungen werden den Jugendlichen eine Reihe von Aufgaben auf unterschiedlichen Schwierigkeitsebenen vorgelegt. Sie wurden - unter Beratung durch die schwedische Schulbehörde Skolverket - im Landesinstitut für Schule von drei Fach-Kommissionen entwickelt, an denen Lehrerinnen und Lehrer, Mitarbeiter des Landesinstituts, Fachdidaktiker und weitere Wissenschaftler verschiedener nordrhein-westfälischer Universitäten beteiligt waren. Die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade zielen darauf ab, die Fähigkeiten und Kenntnisse der Jugendlichen besser analysieren und sie so genannten Kompetenzstufen zuordnen zu können. Dieses Verfahren ist auch bei Schulstudien wie PISA und IGLU üblich.

Alle Aufgaben bei den Lernstandserhebungen in der Jahrgangsstufe Neun sind zentral vorgegeben, also landesweit identisch. Allerdings gibt es zwei verschiedene Testversionen. Sie haben neben einem großen gemeinsamen Kern, der Aufgaben auf allen Schwierigkeitsstufen abdeckt, unterschiedliche Ergänzungsteile. So wird die Version, die für Gymnasiasten, Realschüler und Gesamtschüler in Erweiterungskursen eingesetzt wird, vornehmlich durch Aufgaben auf einer höheren Anforderungsebene ergänzt. Jene Testversion, die für Hauptschüler und die übrigen Gesamtschüler gedacht ist, wird hingegen um Aufgaben aus dem Bereich der Basiskompetenzen erweitert.

Landesweite Stichprobe liefert Vergleichsdaten

Die Lehrerinnen und Lehrer werten die Lernstanderhebungen mit Hilfe von Anleitungen selbst aus und erhalten somit eine unmittelbare Rückmeldung darüber, wie ihre Klasse, aber auch einzelne Jugendliche mit den landesweit einheitlichen Anforderungen zurecht gekommen sind. Die Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern werden durch die Lehrerinnen und Lehrer über ihre Leistungen informiert. Die Ergebnisse der Klassen sollen zudem in der Lehrerkonferenz und in der Schulkonferenz erörtert werden. Unter den Schulen wird zudem eine Zufalls-Stichprobe gezogen, deren Ergebnisse zusätzlich unter der Leitung von Prof. Detlev Leutner (Universität Duisburg-Essen) ausgewertet werden.

Dadurch kann ein repräsentatives Durchschnittsergebnis für die einzelnen Schulformen in NRW ermittelt werden, an dem sich die einzelnen Schulen messen können. Da sich aber Schulen in sozialen Brennpunkten von Schulen in sozial gut situierten Stadtteilen unterscheiden, werden bei dieser Stichprobe auch unterschiedliche Rahmenbedingungen berücksichtigt. "Es macht wenig Sinn, beispielsweise eine Schule aus dem Ballungsraum des nördlichen Ruhrgebiets mit einer Schule am ländlichen Niederrhein zu vergleichen", erklärte Schäfer. Die repräsentativen Stichproben sollen so aufbereitet werden, dass Schulen sich im Verhältnis zu anderen vergleichbaren Schulen einordnen können.

Die Ministerin unterstrich, dass ein Ranking der Schulen weder beabsichtigt noch ohne weiteres möglich sei. "Es wird keine Durchschnittspunktzahl für Schulen ermittelt, mit deren Hilfe eine simple Rangfolge gebildet werden könnte. Die Auswertung soll vielmehr auf differenziertere Art und Weise zeigen, wie viele Jugendliche einer Klasse oder einer Schule in der Lage waren, Aufgaben auf den verschiedenen Schwierigkeitsebenen zu lösen. Das dürfte ein sehr viel hilfreicheres Bild ergeben. Es könnte beispielsweise zeigen, dass die eine Schule erfolgreicher bei der Vermittlung der Basiskompetenzen ist, eine andere bei der Förderung besonders begabter Kinder. Für die weitere Arbeit der Schulen sind das wertvolle Hinweise." Mit dem Ergebnis der Stichprobe ist Ende Februar 2005 zu rechnen.

Die Ministerin und vier Mitarbeiter ihres Ministeriums stellen sich am Vortag der ersten Lernstandserhebung, also am Montag, den 8. November, im Rahmen einer Telefonaktion des Bürger- und Servicecenters Call NRW von 15 bis 16 Uhr den Fragen von Eltern, Schülern und Lehrern zu diesem Thema (0180 3 100 111).

Am Montag, den 8. November, d.h. am Vortag der ersten Lernstandserhebung, stellen sich die Ministerin und Experten den Fragen von Eltern, Schülern und Lehrern zu diesem Thema. Unter der Telefonnummer 0180 3 100 111 (9 Cent pro Minute) werden von 15 bis 16 Uhr im Rahmen einer Telefonaktion des Bürger- und ServiceCenters Call NRW Fragen zur Lernstandserhebung in Klasse Neun beantwortet.

Weitere Informationen zu den Lernstandserhebungen in Klasse Neun finden Sie auf der Homepage des Schul- und Jugendministeriums unter www.bildungsportal.nrw.de sowie auf der Homepage des Landesinstituts für Schule unter www.learn-line.nrw.de im Bereich "Standards sichern".


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