Nachhaltige Bildung im Mangroven-Sumpf von Bremen

Wenn Besucher des [Überseemuseums](http://www.uebersee-museum.de/) in Bremen mehr über Asiens "Mangroven" erfahren wollten, mussten sie sich bis vor einigen Monaten mit drei Baumwurzeln in einer Wandvitrine und eine Schemazeichnung über die Entwicklung der Sumpfpflanze begnügen. Dieses Bild gehört nun der Vergangenheit an: Mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Höhe von 125.000 Euro haben die Bremer dem rasanten Wandel Asiens Rechnung getragen und die Ausstellung neuen Gegebenheiten angepasst.

09.06.2006 Pressemeldung Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
  • © DBU.de

"Wir zeigen den Besuchern Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Kultur und Umwelt", erläutert Museums-Direktorin Dr. Wiebke Ahrndt im Abschlussbericht. Über Ländergrenzen hinweg würden Komplexe wie Riesenstädte, Religion, Handel oder Landwirtschaft zusammen dargestellt und mit der übergeordneten Frage nach dem Umgang mit natürlichen Ressourcen in Verbindung gebracht. "Eine gelungene Neugestaltung", lobt DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde.

Durch Reisanbau werden jährlich 60 Millionen Tonnen klimaschädliches Methangas freigesetzt

Optisch fällt der Reis in Bremen den Mangroven durch geschickte Spiegelungseffekte in den Rücken - jedenfalls, was die räumliche Themen-Aufteilung im Museum betrifft. In Asien gäbe es aber Synergieeffekte: "Die Sümpfe gelten immer noch als nutzloses und damit wertloses Brachland, die durch den flächenintensiven Reisanbau aufgewertet werden könnten", weiß Ahrndt. In einem Computerterminal erfahren Besucher, dass durch den Nassreisanbau jährlich 60 Millionen Tonnen des klimaschädlichen Methangases in die Atmosphäre freigesetzt werden. "Eine zur Zeit diskutierte Lösung wäre, das Reisstroh nach der Ernte nicht auf den Feldern verrotten zu lassen", verrät die Direktorin. Mit finanzieller Unterstützung der DBU stellt das Überseemuseum nicht nur die botanischen Ansprüche der typisch asiatischen Tee-, Tabak- und Gewürzpflanzen vor. Es geht auch auf die handelsgeschichtliche Bedeutung ein. "Kardamom, Zimt- und Pigmentbaum wachsen als Lebendpflanzen im Lichthof", betont Ahrndt.

Museumsbesucher erleben asiatischen Sumpf in Bremen und Schützenfische beim Beutefang

Echte Mangrovenbaum-Arten holte ein Übersee-Mitarbeiter extra aus Vietnam nach Bremen: Um einiges anschaulicher als in einer Wandvitrine steht eine Pflanze jetzt in einem verglasten Drei-Meter-Würfel in der neuen Ausstellung. Zu ihren Füßen tummeln sich die für südostasiatische Mangroven typischen Tiere bei Ebbe und Flut. In den Kubus eingebaut ist ein Aquarium mit lebenden Schützenfischen, die täglich um 12 Uhr vor Besuchern gefüttert werden. Die Tiere "schießen" mit Wasserspritzern ihre Beute aus der Luft zu sich ins kühle Nass. Schützenfische würden die Besonderheit des gefährdeten Lebensraums 'Mangrove' unterstreichen, so Ahrndt. Welch hoher Wert intakten Mangroven im Küstenschutz zukomme, sei beim Tsunami in Asien deutlich geworden. "Zwei Fotofolien in der neuen Ausstellung zeigen deutlich, dass dort, wo der natürliche Brandungsschutz den Interessen der Menschen weichen musste, die Naturgewalten besonders große Schäden angerichtet haben", erläutert die Museumsdirektorin.

Überseemuseum zeigt europaweit einzigartige Themenkombination

Das Überseemuseum Bremen präsentiere die "Welt unter einem Dach" mit rund 1,1 Millionen Objekten zur Natur-, Völker- und Handelskunde. "Im größten Hallenmuseum Europas werden sie nun in einem aktualisierten Kontext und in einer europaweit einzigartigen Themenkombination gezeigt", lobt DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde. Mit den geförderten Teilprojekten werde deutlich, warum das Museum die Abschnitte "Der fragile Reichtum der Natur" nenne: "Besucher erfahren in hoher Qualität und Dichte den Reichtum an Lebensräumen, Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig erkennen sie aber auch die Zerbrechlichkeit dieses schützenswerten Reichtums", meint Brickwedde.

Ansprechpartner für Fragen zum Projekt (AZ 23175):

Überseemuseum Bremen, Patricia Salabert, Telefon: 0421/ 16038-104, p.salabert( at )uebersee-museum.de, www.uebersee-museum.de


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