Neue Kostenlawine für Schulträger?

"Wer nicht glauben will, dass in deutschen Lehrerzimmern vieles möglich ist, aber keine Unterrichtsvorbereitung, ist herzlich eingeladen, sich selbst ein Bild davon zu machen", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). "Wir lassen Politikerinnen und Politiker gerne selbst testen, wie konzentriert man in einem Lehrerzimmer arbeiten kann."

07.09.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Mit dem neuen Steueränderungsgesetz soll es für Lehrerinnen und Lehrer nicht mehr möglich sein, die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer steuerlich geltend zu machen, weil das Arbeitszimmer für sie "nicht den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit" bildet. Letzteres ist richtig. Allerdings ist jeder Arbeitgeber verpflichtet, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dort adäquate Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, wo diese ihre Arbeit verrichten. Das gilt sowohl für private Unternehmen als auch für den öffentlichen Dienst. Der VBE hat die Schulministerin als oberste Dienstherrin bereits darauf hingewiesen.

"Wenn die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer künftig nicht mehr steuerlich geltend gemacht werden können, wird der VBE einfordern, dass Lehrerinnen und Lehrern in der Schule entsprechende Arbeitsplätze zu Verfügung gestellt werden", so Beckmann weiter. " Zur Not werden wir den Rechtsweg beschreiten. Es ist nicht einzusehen, dass Lehrerinnen und Lehrer weiterhin privaten Wohnraum für ihre berufliche Tätigkeit zur Verfügung stellen und diesen selbst finanzieren. Auf die Kommunen als Schulträger würden dann erhebliche Mehrkosten zukommen, für die sie sich beim Bund bedanken dürfen."

Bis dahin laden wir Politikerinnen und Politiker herzlich ein, einen Tag lang den Teil ihrer Arbeit in einem Lehrerzimmer zu machen, der "nicht der Mittelpunkt ihrer gesamten beruflichen Tätigkeit" darstellt. Wir laden sie dazu ein, sich mit fünf oder mehr Personen einen Computer zu teilen, zwischendurch Schülerfragen zu beantworten und sich in einem Geräuschpegel wieder zu finden, der ungefähr dem einer Bahnhofshalle entspricht.

"Auch der Finanzminister kann gerne diesen Selbsttest machen und für einen gewissen Zeitraum sein Büro gegen ein Lehrerzimmer eintauschen", so Beckmann abschließend. "Er ist herzlich willkommen."


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