Neuregelung der deutschen Rechtschreibung

In der "Welt" vom 27.05.2004 wird der Vorwurf erhoben, die Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung habe einseitig Gespräche mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt beendet. Dieser Vorwurf ist nicht zutreffend.

27.05.2004 Pressemeldung Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder

Im März hat ein erstes Gespräch zwischen der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie Ministerin Dr. Schavan (Baden-Württemberg) und Minister Reiche (Brandenburg) stattgefunden. Im Anschluss wurde vereinbart, dass sich Vertreter der Zwischenstaatlichen Kommission und Vertreter der Akademie für Sprache und Dichtung in zwei weiteren Gesprächen mit fachlichen Fragen der Neuregelung, insbesondere der Getrennt- und Zusammenschreibung, befassen. Auf Wunsch der Beteiligten übernahm der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, Prof. Dr. Erich Thies, die Moderation der Gespräche. Diese Gespräche haben gezeigt, dass sich die Vetreter der beiden Institutionen in Teilen der Diagnose der Sprach- und Orthographieentwicklung einig sind. Sie haben aber auch gezeigt, dass hinsichtlich des Verständnisses von Genese und Struktur orthographischer Normen derzeit nicht überwindbare Gegensätze bestehen. Gleichwohl haben die Gespräche nochmals zu Umformulierungen im Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung des Regelwerks geführt, die die Kritik von Mitgliedern der Akademie berücksichtigen.

Bei dem Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung handelt es sich um den schwierigsten Komplex der Rechtschreibung. Er wurde in den vergangenen Jahrzehnten durch viele Einzelfallentscheidungen des Duden festgelegt, aber nicht systematisch geregelt. Erst die Neuregelung der Rechtschreibung hat sich bemüht, hier eine größere Systematik zu erzeugen. Gleichwohl ist der Kultusministerkonferenz und den weiteren beteiligten staatlichen Stellen bewusst gewesen, dass dieser Bereich einer besonderen Beobachtung bedarf.

Die Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung hatte Anfang des Jahres ihren vierten Bericht vorgelegt. Im Bericht hat sie eine Reihe von Modifikationen der Neuregelung vorgeschlagen und damit bereits auf die von verschiedener Seite geäußerte Kritik an der Neuregelung reagiert. Die Modifikationen führen in der Regel zu weiteren Variantenschreibungen. Bis auf unwesentliche Ausnahmen werden keine bisher unterrichteten Schreibweisen falsch.

Die Beschlussfassung zum 4. Bericht der Zwischenstaatlichen Kommission ist für das 306. Plenum der Kultusministerkonferenz am 3./4. Juni in Mainz vorgesehen. Für die Kultusministerkonferenz ist besonders wichtig, dass für die Zukunft ein von möglichst allen Beteiligten - auch unter Einbeziehung der Akademie für Sprache und Dichtung - akzeptiertes Verfahren zur Beobachtung der Entwicklung des Schriftgebrauchs etabliert wird.


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