Philologenverband warnt vor Zersplitterung und Niveauverlust in der Lehrerbildung

Vor einer inhaltlichen und strukturellen Zersplitterung der Lehrerbildung in den Bundesländern warnte der Bundesvorsitzende des DPhV, Heinz-Peter Meidinger, in Berlin.

25.06.2004 Pressemeldung Deutscher Philologenverband (DPhV)

"In vielen Bundesländern gibt es derzeit völlig unterschiedliche Ansätze bei der Reform der Lehrerbildung. Selbst die Bundesländer, die gestufte Lehramtsstudiengänge einführen wollen, folgen sehr verschiedenen inhaltlichen Modellen", betonte der DPhV-Vorsitzende. Der Philologenverband befürchte, dass als Folge dieser drohenden Zersplitterung und Auseinanderentwicklung im Bereich der Lehrerbildung mittelfristig die Mobilität der Lehramtsstudenten und der Lehrer massiv beeinträchtigt würde.

Meidinger plädierte dafür, in der Kultusministerkonferenz und in den Bundesländern das Tempo aus der Reformdiskussion um die Einführung gestufter Studiengänge bei Lehrämtern herauszunehmen. "Die Qualität der Lehrerbildung ist entscheidend für die Qualität der Lehrer. Hektisch konzipierte, überstürzte Reformen können in diesem Bereich großen Schaden anrichten!", so Meidinger wörtlich.

Der DPhV-Chef bekräftigte die Ansicht seines Verbandes, dass ähnlich wie bei Juristen, Medizinern und Apothekern die Lehramtsstudiengänge für eine gestufte Studienstruktur nicht geeignet seien. Er erläuterte: "Beim Lehramtsstudium kommt es auf eine Verknüpfung und Verzahnung von fachwissenschaftlichen, fachdidaktischen und erziehungswissenschaftlichen Studieninhalten zusammen mit Praxiselementen ab dem 1. Semester an. Eine künstliche Trennung in eine fachwissenschaftlich orientierte BA-Phase und eine praxisorientierte MA-Phase zerstört diese Grundvoraussetzung eines sinnvollen Lehramtsstudiums. Völlig ungeklärt ist außerdem, welche Berufsfelder und welche Berufschancen mit einem Bachelor im Lehramtsstudium verbunden sein können. Ohne eine befriedigende Antwort darauf ist aber die Diskussion um Bachelor/Master nicht sinnvoll zu führen!"

Eine Absage erteilte Meidinger allen Bestrebungen, mit der Umstellung auf gestufte Studiengänge den Stufenlehrer und ein gemeinsames Grundstudium für alle Lehrämter wieder einzuführen. "Einige, die Bachelor und Master für Lehrer fordern, wollen auf diesem Wege lediglich ihrem alten Ziel eines integrierten Gesamtschulsystems ein Stück näher kommen!", sagte der Verbandsvorsitzende abschließend.


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