Rütli-Schule Berlin - nur Spitze des Eisbergs

"Berlin wird kein Einzelfall bleiben. Auch im Ruhrgebiet ist seit Jahrzehnten eine Gettoisierung von Bürgern mit Migrationshintergrund oder sozialen Problemen zu beobachten. Statt Integration ist in vielen Bereichen eine Ausgrenzung erfolgt. Dies spiegelt sich auch in der Schullandschaft wieder. Die Hauptschule ist in vielen Bereichen zur Schule der Migranten und Gescheiterten geworden. Junge Menschen mit Migrationshintergrund oder aus sozial schwachen Familien erleben in ihrem Umfeld Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW).

31.03.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Es läuft immer nach dem gleichen Muster ab, Hinweise von Lehrern auf nicht mehr lösbare Probleme werden als Gejammer oder mit Hinweis auf die Finanzsituation der Kommunen oder des Landes vom Tisch gewischt. Eine echte Bereitschaft, sich mit der gewachsenen Problematik auseinanderzusetzen und flächendeckende Präventionsmaßnahmen zu installieren, fehlt auch in NRW. Zeigt das Land die Bereitschaft, den Schulen Sozialarbeiter zur Verfügung zu stellen, nutzen einzelne Kommunen dies als Chance, Einsparungen vorzunehmen und ziehen von ihnen finanzierte Sozialarbeiter aus den Schulen ab.

"Auch die Mechanismen der Schulpolitik in NRW, die auf immer feinere Auslesemechanismen setzt, trägt zur Verschärfung der Situation bei. Dies führt insbesondere in den Ballungsräumen dazu, dass sich viele Hauptschulen - aber auch zum Teil Gesamtschulen - vor unlösbare Probleme gestellt sehen. Allein Übergangsquoten von deutlich unter 10 % von der Grund- zur Hauptschule müssten die Politiker alarmieren", so Beckmann weiter.

Die Politik verschließt die Augen vor der seit Jahren bekannten Problematik, dass Kinder und Jugendliche mit speziellen Problemen sich insbesondere an Hauptschulen in sozialen Brennpunkten sammeln. Jugendliche nehmen sehr wohl wahr, dass ihnen keine Berufsperspektive geboten wird und reagieren darauf mit Aggressivität, Gewalt und häufig auch mit dem Abdriften in die Kriminalität.

"Gerade diejenigen Schulformen, die so sehr für den Erhalt eines strikt gegliederten Schulsystems kämpfen, nutzen extensiv die Möglichkeit des Abschulens, um sich schwieriger und unliebsamer Schüler/innen zu entledigen, in dem sie diese an die Hauptschulen durchreichen. Wenn dann Schülerinnen und Schüler mit speziellen Problemen unter sich bleiben, kann von Integration keine Rede mehr sein. "

Können dann Lehrrinnen und Lehrer trotz höchsten Engagements die an sie weitergereichten Probleme nicht lösen, weil sie von Schule allein nicht lösbar sind, wird mit Fingern auf die Hauptschule gezeigt und diese als "Restschule" abqualifiziert.

"Es wird höchste Zeit, dass die Hauptschule aus ihrer Stigmatisierung befreit wird. Dazu bedarf es der Auflösung der strikten Zergliederung des Schulsystems und die Einbindung der Schulen in ein umfassendes pädagogisches Netzwerk, in dem Einrichtungen der Jungendhilfe, der medizinischen und psychologischen Versorgung, Polizei und Kirchen den Eltern, Lehrern und Schülern Unterstützung und Beratung anbieten", so Beckmann abschließend. "Es kann wahrhaftig keine Lösung sein, dass Schulen wie jetzt die Berliner Rütli-Schule unter Polizeischutz gestellt werden müssen."


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