Schlägereien auf dem Schulhof oft Alltag

Ein Drittel von 600 befragten Schülern ist schon einmal "richtig gewalttätig" geworden, fast die Hälfte hat manchmal "richtig Lust, einfach zuzuschlagen". Dies stellen Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin in einer Pilotstudie fest, die im Oktober 2005 veröffentlicht wurde. Zwar nimmt die Anzahl der Gewalttaten an Schulen über die Jahre gesehen nicht zu, jedoch die Brutalität wächst, so hält eine andere Studie aus Bochum fest.

17.11.2005 Pressemeldung Ernst Klett Verlag GmbH

Diese Zahlen zeigen: Die Schulen müssen aktiver und präventiver bei der Konfliktlösung vorgehen. "Konfliktlotsen können Schlägereien verhindern. Die Jugendlichen selbst erarbeiten mit ihren Schulkameraden gemeinsame Lösungen, um Aggressionen zu vermeiden und Handgreiflichkeiten vorzubeugen", erklärt Ortrud Hagedorn, Lehrerin und Mediatorin in Berlin. Unter Mitarbeit von Walter Taglieber hat sie ein Mediationsmodell entwickelt, das vor allem an Schulen eingesetzt werden kann: Das Buch "Mediation – durch Konflikte lotsen" erscheint im November 2005 im Ernst Klett Verlag.

Bestrafungen durch die Lehrer nützen wenig, da sie erst reaktiv stattfinden und dem Täter meist keine Einsicht oder ein Verständnis für seine Fehler abverlangen. Die Schulmediatoren, meist eine Person aus dem Kollegium, wählen durch unterschiedliche Methoden mehrere Lotsen aus der Schülerschaft aus, die aufgrund ihrer sozialen Kompetenz als Streitschlichter geeignet scheinen. Die Schüler selbst werden aktiv und suchen mit den Konfliktgegnern nach Lösungswegen – auf einer Augenhöhe.

Allein in Berlin hat sich dieses Prinzip erfolgreich an weiterführenden Schulen mit über 500 Konfliktlotsen und über 1000 Lotsen an Grundschulen etabliert. Von der Auswahl der Konfliktlotsen über ihre Ausbildung bis hin zur Begleitung durch Schulmediatoren leitet das Buch die Lehrer mit ihren Schülern zur präventiven Lösung von Streitfällen. Die als Konfliktlotsen ausgewählten Schüler erarbeiten gemeinsam die möglichen Gründe für das Entstehen eines Streits wie zum Beispiel die Verletzung des Ehrgefühls. Durch Übungen wird der gewaltlose Umgang mit Konfliktsituationen trainiert: Wie formuliere ich Vorwürfe als Wünsche? Wie bleibe ich gegenüber Provokationen standhaft? Das Buch stellt verschiedene Möglichkeiten für den friedlichen Ausgang eines Streits vor, der zum Beispiel in einer schriftlichen Vereinbarung münden kann.

In extremen Fällen wie Gruppengewalt gegen einen einzelnen Mitschüler spielt jedoch auch die Erwachsenenautorität eine große Rolle. Im Teil "Mobbing" beschreiben die Autoren abschließend methodische Vorgehensweisen gegen diesen inszenierten Dauerkonflikt, der sich in der Lust am Quälen und am Missbrauch von Macht äußert. Eine CD-ROM zum Buch liefert passende Schaubilder, Arbeitsblätter und -materialien, die an den Schulen eingesetzt werden können.

Ortrud Hagedorn, Mediatorin und Ausbilderin beim Bundesverband Mediation e.V., war 25 Jahre lang im Lehrberuf in Berlin beschäftigt. Als Seminarleiterin und Moderatorin setzt sie sich für die Lehreraus- und fortbildung ein. Sie entwickelte das Konfliktlotsenmodell und baute es auf. In dieser Tätigkeit wurde ihr auch das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Ihr Mitarbeiter Walter Taglieber ist seit 1971 Lehrer in Berlin an Grundschule, Gesamtund Sonderschule. Seine Schwerpunkte sind Gestaltpädagogik und Psychodramaleitung. Seit 2001 tritt er als Leiter der AG "paX an" im LISUM (Lanedesinstitut für Schule und Medien bei der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport) für Schulmediation ein.

Kurzdarstellung:

Ortrud Hagedorn, Walter Taglieber: Mediation – durch Konflikte lotsen, Ernst Klett Schulbuchverlag Leipzig/Stuttgart, 2005, ISBN: 3-12-924440-9

In diesem Band wird ein Lehrgang zur Verfügung gestellt, mit dem sich Konfliktlotsen Mediation aneignen und sich Pädagogen schwierigen Anforderungen stellen können.

Mit der beiliegenden CD bieten Schaubilder und Arbeitsmaterialien ein abwechslungsreiches Lehr- und Lernmaterial, das sich auch für soziales Lernen in Klassen und Gruppen eignet. In einem zweiten Teil wird aufgezeigt, was darüber hinaus zur Implementierung und Begleitung eines Mediationsprogramms in der Schule gehört.

Bezogen auf die Teilung verschiedener Funktionen im Schulleben wird im dritten Teil die Erwachsenenautorität in demokratischen Gemeinschaften verdeutlicht. Beispiele zeigen, wie der Erziehungsauftrag pädagogisch professionell wahrgenommen wird.

Orientiert an der Mediation in Strafsachen wird der konfrontative Level je nach Schwere des Vorfalls erhöht, bis hin zum konfrontativen Gespräch der Schulleitung. Schließlich bietet der letzte Teil den schulischen Verantwortungsträgern bewährte Methoden und vielfach erprobte Gesprächshilfen zur Mobbing-Behandlung, die sich umgehend umsetzen lassen.

Auf Anfrage werden gerne Interviews mit der Autorin Ortrud Hagedorn vermittelt.

Ansprechpartner

Ernst Klett Verlag GmbH
Anja Vrachliotis
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Rotebühlstraße 77
70178 Stuttgart
Telefon: +49 711 6672-1166
Fax: +49 711 6672-2010
E-Mail: pr@klett.de
Web: www.klett.de/


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden