Schule: Tanz ist nicht die Rettung

(bikl) Es sei ein großes Missverständnis zu glauben, Tanz in der Schule sei die Rettung für ein verfehltes Bildungssystem, erklärt heute der Choreograf Royston Maldoom in einem Interview mit der Tageszeitung DIE WELT.

15.08.2006 Artikel

Mit "Rhythm is it!" war Royston Maldoom vor zwei Jahren nahezu über Nacht in Deutschland bekannt geworden. 250 Berliner Kinder und Jugendliche aus 25 Nationen hatten damals Strawinskys Le Sacre du Printemps aufgeführt, choreografiert von Royston Maldoom und begleitet von den Berliner Philharmonikern mit seinem Chefdirigenten Sir Simon Rattle. Der gleichnamige Film, der die Proben beeindruckend dokumentiert, wurde zum Erfolg.

Die großen Erwartungen, die seither an die Wirkung des Tanzens gerichtet sind, dämpft der britische Starchoreograf in dem Interview. Es sei ein Irrtum zu glauben, soziale Probleme ließen sich dadurch lösen, dass man den Tanz nur in die Schulen hineintrage. „Denn die meisten Probleme entstehen doch außerhalb der Schule; Schule ist nur ein Mikrokosmos, ein kleines Vergrößerungsglas für das, was jeder von außen mitbringt. Damit meine ich nicht nur Probleme mit den Eltern oder mit der Armut, sondern das Problem, im 21. Jahrhundert jung zu sein. Die Betonung sollte auf grenzüberschreitenden Projekten außerhalb der Schule liegen“, so Maldoom wörtlich.

Auf die Frage, ob Tanz als Schulfach eingeführt werden solle, findet der Choreograf in dem Interview eine eindeutige Antwort: „Ich kenne viele Leute in meinem Alter, vor allem Männer, die sagen: Gedichte kann ich nicht leiden. Hatten wir in der Schule. Ich mag Shakespeare nicht, hatten wir in der Schule. Musik? Bloß nicht! Soll jetzt Tanz das nächste sein, was den Leuten durch die Schule verleidet wird?“ Nach allem, was er höre, seien die Kurse zu theoretisch. Man müsse die Erfahrung der Kunst mit Künstlern machen, man brauche die unmittelbare Verbindung zur gelebten Kunst. Jetzt würden plötzlich Hunderte von Tanzpädagogen ausgebildet, von denen manche bestimmt ganz fantastisch seien. „Aber“, so Maldoom wörtlich, „ich sehe da auch eine Gefahr.“

Links

Das Interview in der WELT
Homepage von Royston Maldoom
Rhythm is it

Zum Thema in

bildungsklick.de


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