Spitzen- oder Breitenförderung?

"Dass das Recht auf individuelle Förderung im Schulgesetz verankert ist und damit einen besonderen Stellenwert erhält, hält der VBE nach wie vor für richtig", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW) anlässlich der heutigen Aktuellen Stunde im Landtag. "Den Sinn eines Gütesiegels, dessen Vergabe eine Beurteilung der Schulen nach Papierform vorausgehen soll, sehen wir allerdings nicht."

27.09.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Die Stärkung der Freiheit der einzelnen Schule darf nicht bedeuten, dass Schulen alleine zusehen sollen, wie sie klarkommen, während die Politik die mit einem Gütesiegel versieht, die mit dieser Situation am besten umgehen können. Ein für die einzelne Schule passendes Förderkonzept zu entwickeln, kann durchaus Sache der einzelnen Schule sein. Allerdings brauchen Schulen dabei Unterstützung, z.B. ein breites Spektrum an Fachleuten, auf die sie zugreifen können, um ihre spezifischen Defizite mit deren Hilfe zu beheben.

"Dass künftig insbesondere die Schulen unterstützt werden sollen, die das Gütesiegel haben, spricht dafür, dass die neoliberale Sicht im nordrhein-westfälischen Bildungsbereich weiter voranschreitet", so Beckmann weiter. "Das passt zu dem Gedanken, dass der Markt es schon richten wird. Die Schulen, die - aus welchen Gründen auch immer - das Gütesiegel nicht erhalten, werden vor dem Hintergrund sinkender Schülerzahlen dann eben mittelfristig geschlossen."

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Fortbildungen der Lehrerinnen und Lehrer, die künftig als schulische Ansprechpartner für individuelle Partner zur Verfügung stehen sollen, von der Stiftung "Bildung zur Förderung Hochbegabter" finanziert werden sollen, deren Vorstandsvorsitzende die FDP-Landtagsabgeordnete Ingrid Pieper-von Heiden ist.

"Auch die heutige Aktuelle Stunde konnte den Verdacht nicht ausräumen, dass der Blick dieser Stiftung weniger auf die individuelle Förderung aller Kinder, sondern eher auf die Förderung bestimmter Kinder gerichtet ist", so Beckmann abschließend. "Das entspricht aber nicht der Formulierung, die im Schulgesetz steht."


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