Unterrichtsmaterialien zu Flucht und Vertreibung stehen Schulen zur Verfügung
Das Thema "Flucht und Vertreibung" soll auch an hessischen Schulen im Unterricht berücksichtigt werden. Das sehen die Lehrpläne für die Sekundarstufe I vor. Zur Unterstützung der Lehrkräfte verschickt das Kultusministerium jetzt je zwei Exemplare der CD-ROM "Gegen das Vergessen - die große Flucht" an die rund 40 Medienzentren/Bildstellen in Hessen. Dort steht sie den Schulen zur Ausleihe zur Verfügung. Finanziert wird die CD-ROM durch den Landesbeauftragten der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler. Die CD-ROM widmet sich der Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung infolge des Zweiten Weltkrieges sowie der Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen in das Nachkriegsdeutschland. Sie bietet dazu eine Fülle von Material und Recherchemöglichkeiten.
15.06.2004 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen"Bei der Auseinandersetzung mit dem Thema in der Schule geht es darum, ein Bewusstsein vom Leid aller Vertriebenen zu schaffen und ein Mitgefühl für alle Opfer von Vertreibungen zu erzeugen. Wir müssen uns allen Seiten der eigenen Geschichte stellen", sagte Kultusministerin Karin Wolff. Die Jugendlichen müssten erfahren, dass Vertreibungen Unrecht sind. "Es war ein Wunder und am Ende eine große Leistung, dass so viel Zerstörung, so viel Leiden, so viele Verluste in der Summe nicht dazu führten, dass das westliche Staatswesen gesprengt, sondern stabilisiert wurde", so Wolff. Immerhin jeder fünfte Bewohner der jungen Bundesrepublik kam aus dem Osten, "mit wenig mehr ausgerüstet als einer großen Angst, einer großen Energie und einem großen Staunen, dass er noch lebte."
"Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus ihren früheren Heimatgebieten ist ein dramatischer Vorgang der Nachkriegsgeschichte", so der Landesbeauftragte der Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Rudolf Friedrich. Kenntnisse darüber seien für das Verständnis der Nachkriegsentwicklung notwendig. Dazu gehörten auch die Vorgeschichte und der historische Kontext. Während der menschenverachtenden Vertreibung geschahen Verbrechen, viele Menschen verloren auf der Flucht ihr Leben. "Für Vertreibungen von Menschen aus ihrer angestammten Heimat gibt es keine Rechtfertigung. Vertreibung ist immer Unrecht", sagte Friedrich. Bei der Volkszählung 1950 wurden 8,9 Millionen Heimatvertriebene in der Bundesrepublik Deutschland registriert. Bis 1954 haben fast 1,3 Millionen Vertriebene in Hessen Aufnahme gefunden.
Das Interesse am Thema "Vertreibung" ist laut Friedrich in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Dazu haben neuere fachwissenschaftliche Veröffentlichungen, Fernseh-Dokumentationen und die literarische Behandlung des Stoffs (Grass) sicher ebenso beigetragen wie Berichte über so genannte "ethnische Säuberungen" in den Staaten des ehemaligen Jugoslawien, die die "barbarischen Schrecken dieser Gewaltpolitik" (Hans-Ulrich Wehler) demonstrierten. Deshalb ist es wichtig, sich auch im Unterricht mit dieser Thematik zu beschäftigen.
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