Bundestagswahl 2013

Volkshochschul-Verband hilft funktionalen Analphabeten bei der Bundestagswahl

14 Prozent der Erwerbsfähigen in Deutschland sind funktionale Analphabeten. Die Betroffenen können nicht ausreichend lesen und schreiben, um kürzere zusammenhängende Texte zu verstehen, wie etwa einen Zeitungsartikel oder den Beipackzettel für ihr Medikament. Ebenso schwierig ist es für sie, ihre Wahlbenachrichtigung zu verstehen, Briefwahlunterlagen zu beantragen oder auch die Hemmschwelle zu überwinden, in ein Wahllokal zu gehen und dort den Stimmzettel auszufüllen.

22.08.2013 Pressemeldung Deutscher Volkshochschul-Verband e.V. (DVV)

Hilfe bekommen sie jetzt vom DVV auf ich-will-wählen-gehen.de. Sobald die Webseite heute um 12 Uhr online geht, finden sie dort vertonte Übungen, mit denen sie vollkommen anonym das Wählen lernen können. Den Betroffenen wird erklärt, wie sie Briefwahlunterlagen beantragen und den Stimmzettel ausfüllen können. Sie erfahren aber auch, wie der Bundestag arbeitet und welche Einflussmöglichkeiten Bürgerinnen und Bürger haben, wenn sie sich an der Wahl beteiligen.

Im Vorfeld der letzten Bundestagswahl 2009 gab es schon einmal eine solche Wahlaktion. Tausende funktionale Analphabeten machten von dem Angebot Gebrauch. Der Bundeswahlleiter unterstützt das Projekt des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) auch dieses Mal ausdrücklich und hat die Übungen autorisiert.

Neben der sprechenden Internetseite gibt es auch Hilfen vor Ort: Volkshochschulen sind die Hauptanbieter von Alphabetisierungs- und Grundbildungskursen in Deutschland. Und viele von ihnen bieten jetzt unbürokratische Unterstützung an, damit wählen kann, wer wählen will. Menschen, die in ihrem persönlichen Umfeld niemanden haben, der ihnen hilft, Briefwahlunterlagen zu beantragen, können sich vertrauensvoll an ihre VHS wenden. "Volkshochschulen stehen für gelebte Demokratie und für zweite oder auch dritte Bildungschancen für alle. Das untermauern sie mit dieser Aktion eindrucksvoll", erklärt Prof. Dr. Rita Süssmuth, Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbandes.

Hilfe beim Ausfüllen der Wahlzettel können Volkshochschulen allerdings nicht geben. Die Bundeswahlordnung sieht vor, dass eine Vertrauensperson den Stimmzettel als Hilfsperson ausfüllen darf, wenn sie eidesstattlich versichert, dass sie ihr Kreuzchen auch wirklich im Sinne der oder des Wahlberechtigten gesetzt hat.

Nebenbei bemerkt könnte die Hürde für funktionale Analphabeten mit relativ einfachen Mitteln bereits immens gesenkt werden: "Für viele wäre es eine echte Hilfe, wenn auf die Stimmzettel die Fotos der Spitzenkandidaten oder zumindest die Logos der Parteien gedruckt würden", schlägt der DVV-Vorsitzende Dr. Ernst Dieter Rossmann vor.

Zur Info: Eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität Hamburg, die "leo. – Level-One Studie", ist 2011 zu dem Ergebnis gekommen, dass in Deutschland 7,5 Millionen erwerbsfähige Erwachsene leben, die trotz Schulbildung nicht ausreichend lesen und schreiben können. Die meisten von ihnen bleiben unerkannt. Denn sie haben gelernt, ihr Handicap zu verbergen, sich mit "Tricks" durch den Alltag zu "schmuggeln". Die Folge: Kaum jemand kann sich vorstellen, dass statistisch gesehen eine von acht Personen ein Analphabet ist.

Der Deutsche Volkshochschul-Verband ist die bildungs- und verbandspolitische Vertretung der Volkshochschulen und der VHS-Landesverbände auf Bundes- und europäischer Ebene. Hinter ihm stehen die 928 Volkshochschulen in Deutschland. Seit den frühen 1960er Jahren führen Volkshochschulen Alphabetisierungskurse durch. Der Deutsche Volkshochschul-Verband fordert eine Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung, um das Problem in einer gesamtgesellschaftlichen Kraftanstrengung anzugehen und die Zahl der Betroffenen deutlich zu reduzieren.


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