Zivilcourage oder Unternehmergeist?

Mit Befremden hat die GEW Bayern auf die Äußerungen von Karl Freller, Staatssekretär im Bayerischen Kultusministerium, reagiert, wonach es sich bei METRO-Gründer Otto Beisheim um ein leuchtendes Vorbild in Sachen Unternehmergeist und bürgerschaftliches Engagement handle.

29.11.2005 Bayern Pressemeldung GEW Bayern

"Wer sich wirtschaftlichen Erfolg durch Abbau von Arbeitsplätzen, Lohndumping und die Vernichtung vieler kleinerer und mittlerer Einzelhandels- und Fachgeschäfte erkauft, ist kein Vorzeigeunternehmer", erklärt Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern, zu Frellers Lobeshymne auf den Gründer der Beisheim-Stiftung.

"Geiz ist geil" ist keine Lebensphilosophie

Otto Beisheim wollte ursprünglich dem Gymnasium Tegernsee eine Spende in Höhe von zehn Millionen Euro zukommen lassen. Dafür hätte das Gymnasium künftig seinen Namen tragen sollen. Brückner: "Dass Herr Beisheim einen Teil der durch seinen Umzug in die Schweiz gesparten Steuer-Millionen für wohltätige und kulturelle Zwecke spendet, mag ihn zwar ehren – zum Vorbild für Kinder und Jugendliche macht ihn das aber noch lang nicht."

Kultusministerium muss Lehrerkollegium schützen

Schlimmer noch wiegt nach Ansicht der GEW die Stillhalte-Taktik des Bayerischen Kultusministeriums beim "Kesseltreiben" gegen die Lehrerschaft am Tegernseer Gymnasium. Engagierte Kolleginnen und Kollegen hatten sich kritisch zu dem Spender geäußert und das willfährige Tauschgeschäft "Spende gegen Namensgebung" in Frage gestellt. Das Kollegium habe seinen Beschluss nach gründlicher Diskussion und mit nachvollziehbaren Gründen gefasst.

"Wenn jetzt fünf Bürgermeister aus der Region eine regelrechte Hetzjagd auf die couragierten Lehrerinnen und Lehrer vom Zaun brechen, offen die Preisgabe ihrer Namen und deren Versetzung fordern, das Kultusministerium aber dabei tatenlos zusieht, ist das in meinen Augen ein Skandal und straft das Bildungsideal engagierter, selbst bestimmter Menschen Lügen. Eine Klarstellung des Ministers oder des Staatssekretärs zum Schutz des Kollegiums hätte längst Not getan", so Oskar Brückner.

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