Zustände an Schulen wurden zu lange nicht thematisiert

"Wachsendes Desinteresse verbunden mit zunehmender Gewalt und schwindendem Respekt vor Personen und Sachwerten an unseren Schulen, die durch das couragierte Aufbegehren der Lehrkräfte an der Rütli-Hauptschule in Berlin jetzt einmal offengelegt wurde, sind nicht zuerst die Probleme von Migrantenkindern", kommentierte GEW-Landeschef Thomas Lippmann die Medienberichte der letzten Tage, in denen immer wieder der hohe Migrantenanteil in der Berliner Schule als wesentliche Ursache herausgestellt wurde.

03.04.2006 Sachsen-Anhalt Pressemeldung GEW Sachsen-Anhalt

Ein jetzt bekannt gewordener Brief aus einer sachsen-anhaltischen Sekundarschule, der einen ähnlichen Hilferuf wie der aus der Berliner Rütli-Schule enthält, zeige jedoch, dass die Probleme vielmehr in hohem Maße aus der politisch gewollten Konzentration bestimmter Problemgruppen in gesonderten Schulformen bzw. Klassen und Bildungsgängen resultieren.

Noch bevor das Anliegen der Berliner Lehrerinnen und Lehrer an die Öffentlichkeit kam, schrieb am 18. März der Personalrat der Gardelegener Sekundarschule "Karl-Marx", "von sich seit einigen Wochen abzeichnenden groben Verletzungen der Haus- und Schulordnung" sowie von "verbalen Beleidigungen und Bedrohungen der Lehrkräfte". Sie fordern daher drei ausgebildete Sozialarbeiter. Der Brief wurde dem Landesverwaltungsamt übergeben.

Aus Sicht der GEW ist der Vorgang in Gardelegen nur die "Spitze des Eisberges". "Es ist höchste Zeit, auf solche und ähnlich gelagerte Vorgänge zu reagieren. Viel zu lange wurden sie nicht thematisiert und die Schulen mit den wachsenden Problemen allein gelassen", sagte Lippmann.

Die GEW fordert die Spitzen von CDU und SPD auf, in den laufenden Koalitionsverhandlungen den veränderten Bedingungen an den Schulen mit konzeptionellen Überlegungen und auch entsprechenden personellen Planungen, etwa beim flächendeckenden Einsatz von pädagogischen MitarbeiterInnen und Schulsozialarbeitern, Rechnung zu tragen.

Ansprechpartner

GEW Sachsen-Anhalt

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