Zwanzigeins statt einundzwanzig

(bikl) Schulversuche mit der unverdrehten Aussprache von Zahlen fordert Prof. Dr. Lothar Gerritzen (Fakultät für Mathematik der RUB), Vorsitzender des "Vereins Zwanzigeins". Ziel des Vereins ist, die verdrehte Zahlensprechweise als "Lernhindernis" abzuschaffen. Auf einer öffentlichen Veranstaltung am Montag, 7. März 2005, will der Verein über "Sprache und Zahlen im Mathematikunterricht an Grundschulen" diskutieren.

24.02.2005 Artikel

Gerritzen fordert, in empirischen Studien zu erforschen, inwieweit die deutsche Zahlensprechweise im Mathematikunterricht an Grundschulen für Schüler ein Lernhindernis sein kann. Begleitend dazu seien Schulversuche mit der unverdrehten Aussprache erforderlich, so Gerritzen.

International anpassen

In den Zielen des Vereins heißt es unter anderem: "Man sollte das verdrehte deutsche Zahlenaussprechsystem anpassen an international gebräuchliche Sprechstrukturen, wie sie u.a. im Englischen, Französischen, Spanischen, Italienischen, Tschechischen, Polnischen, Russischen, Finnischen, Schwedischen, Norwegischen und Türkischen verwendet werden."

Das Springen beim Zahlenlesen

Gerade das Französische aber, so sollte man meinen, ist kein gutes Beispiel - schließlich ist die Aussprache der Zahl 90 (quatre-vingt-dix) nicht gerade auf Anhieb für jeden verständlich. Das, so argumentiert Gerritzen, sei zwar richtig, aber hier handele es sich lediglich um eine Ausnahme, während die Zahlenfolge im Deutschen systematisch vertauscht werde. "Testen Sie nur mal, wie häufig Sie beim Lesen der Zahl 54783,64 hin und her springen." Darüber hinaus weiß der Mathematiker, dass es in Belgien und der Schweiz entsprechende Bestrebungen gebe, diese besonderen Zahlenbegriffe durch "normale" Zahlwörter zu ersetzen.

Die Zahlendreher in der deutschen Sprache sind mit der Einführung der arabischen Zahlen vor 500 Jahren entstanden. In England, wo auch zunächst die Zahlen ähnlich wie im Deutschen ausgesprochen wurden, haben sich im Laufe von Jahrhunderten die "unverdrehten" Zahlen durchgesetzt.

Der Verein Zwanzigeins, so betont Gerritzen, will allerdings gar nicht die heute gebräuchliche verdrehte Art des Zahlensprechens abschaffen, sondern beide Sprechweisen verwendet wissen - sozusagen bilingual.

Stolpersteine und Lernschwierigkeiten

Auf der Diskussionsveranstaltung will der Verein seine Forderungen an die Politik vorstellen, erwartet werden dann auch Stellungnahmen der bildungspolitischen Sprecher der Parteien. In Vorträgen geht es unter anderem um "Stolpersteine auf dem Weg zum Erwerb der Zahlwortreihe" (Prof. Dr. Christoph Selter, PH Heidelberg) und "Lernschwierigkeiten im Zusammenhang mit der verdrehten Zahlensprechweise" (Roy Sinha, Grundschullehrer, Wuppertal).

Eine 100 Jahre alte Diskussion

Die Diskussion um die deutsche Zahlensprechweise ist nicht neu: Bereits im Jahr 1900 hat der damalige Direktor der Sternwarte Berlin, Wilhelm Förster, eine entsprechende Reform vorgeschlagen und auf Missstände im Zählungs- und Rechnungsverkehr hingewiesen, die durch die Aussprache verursacht werden. 1953 veröffentlichte Prof. Martin Schellenberger das Buch "Zahlwort und Schriftbild" und forderte darin, die Zahlensprechweise an das Schriftbild der Zahl anzugleichen.

Weitere Informationen:

www.verein-zwanzigeins.de


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