Bewegungs- und Gesundheitsangebote noch stärker in den Bildungsalltag integrieren

Mit einer Vielzahl von Angeboten an Schulen und Kindertageseinrichtungen sollen die Kinder in Schleswig-Holstein noch mehr in Bewegung gebracht werden. "Bewegung macht schlau. Körperbewusstsein und Beweglichkeit muss die Bildung eines Kindes von Anfang an begleiten. Kindertagesstätten und Schulen können hier eine Brückenfunktion in der Gesellschaft einnehmen", sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute (23. Februar) bei der Fachkonferenz "Bewegtes Lernen - Lernen in Bewegung" im Haus des Sports in Kiel. "Wissenschaftliche Erkenntnisse und Angebote von Vereinen und Verbänden gibt es reichlich. Dennoch nimmt der Anteil von Kindern und Jugendlichen, die an den Folgen von Bewegungsarmut, falscher Ernährung und Übergewicht erkranken, seit Jahren stark zu. Dies beeinflusst Lernverhalten, Lernfähigkeit und Leistungswillen negativ."

24.02.2009 Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Die Vernetzung von Kindertagesstätten und Schulen mit ihrem gesellschaftlichen Umfeld biete jetzt die große Chance, bewegungsfördernde Angebote noch stärker in die Bildung zu integrieren, so Erdsiek-Rave weiter. "Die ersten Schritte auf diesem Weg haben wir bereits hinter uns, etwa bei der Einrichtung von Offenen Ganztagsschulen." Wie die Integration der Angebote funktionieren kann, darüber konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fachtagung unter anderem in mehreren Workshops informieren und fortbilden. Zu der Fachkonferenz hatte das Bildungsministerium in Kooperation mit der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung und dem Landessportverband (LSV) eingeladen.

Auch Dietmar Katzer, Vorstandsvorsitzender der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung wies auf den engen Zusammenhang zwischen Gesundheit und Leistungsfähigkeit hin. "Deshalb müssen wir in Kindergärten und Schulen dahin kommen, Gesundheitsförderung nicht als zusätzliche Aufgabe oder gar als Belastung zu empfinden, sondern als Gewinn und selbstverständlichen Bestandteil eines Kindergarten- oder Schultages." Bewegung sei dabei nicht nur Sache des Sportunterrichts, sondern sollte als zentrales Element in das Kita- und Schulleben und auch in Unterricht und Pausen eingegliedert werden, so Katzer weiter. "Hier setzen auch die Projekte der Landesvereinigung wie "Lebenslust-Leibeslust", "Rück(g)rat", Audit "Gesunde Schule" und Audit "Gesunder Kindergarten" an."

LSV-Vorstandsmitglied Sönke-Peter Hansen betonte die Bedeutung des Sportunterrichts in den Schulen. "Es ist erwiesen, dass Konzentration und Lernen leichter fallen, wenn Kinder sich viel bewegen. Die Zeugnisse werden besser. Persönlichkeitsentwicklung und Wachstum junger Menschen werden durch Sport positiv beeinflusst. Deswegen unterstützt der LSV auch Sportangebote, die in Kooperation mit den Vereinen wesentlich zur Gestaltung des Ganztagsschulbetriebes beitragen." In Kooperation zwischen LSV und Ministerium werden seit vergangenem Jahr so genannte Bewegungskindergärten mit besonderen Sportangeboten für Kinder ausgezeichnet. Zudem werden seit 1999 im Zuge der Aktionsleiter-Ausbildung 14- bis 16-jährige Schülerinnen und Schüler für Sportarbeitsgemeinschaften sowie Nachmittags- und Pausenangebote an Schulen qualifiziert. Ebenso sorgt der Verband im Rahmen des Projekts "Schule und Verein" für landesweit mehr als 200 zusätzliche Sportangebote an Schulen durch qualifizierte Vereinstrainer.

Nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts (2007) sitzen in Schleswig-Holstein 95 Prozent der 11- bis 17-Jährigen mindestens ein bis zwei Stunden täglich vor dem Fernseher oder dem Computer. 19 Prozent der Mädchen und 15 Prozent der Jungen sind übergewichtig, mehr als 9 Prozent der Mädchen und über 7 Prozent der Jungen sind adipös, also fettleibig. Besonders stark sind davon Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien betroffen. Erdsiek-Rave: "Es gibt eine Wechselwirkung zwischen Bildungsstatus und diesen gesundheitlichen Problemen. Die betroffenen Kinder und Jugendlichen befinden sich in einem regelrechten Teufelskreis. Wir brauchen eine neue Wertschätzung für die körperliche Seite des Lernens und deren Auswirkung auf den Lernerfolg, aber auch auf das Sozialverhalten und das Selbstbewusstsein eines Kindes."

In diesen Kontext gehöre auch die Frage, wie sich in den G8-Jahrgängen iim Gymnasium die Freiräume für körperliche Aktivität erhalten lassen. "Auch deshalb fördern wir ab kommendem Schuljahr die Einrichtung von pädagogisch betreuten Mittagspausen, um an langen Schultagen mehr Raum zu schaffen für Essen, Entspannung und Bewegung."

Auch die neue Internet-Plattform "Gesundheit, Bewegung, Prävention" informiert über Gesundheits- und Bewegungsangebote für Kitas und Schulen. Sie wird im Laufe dieser Woche frei geschaltet und ist über das Bildungsportal im Internet unter www.bildung.schleswig-holstein.de erreichbar. Weitere Informationen zum Thema bietet auch die neu gestaltete Schulsporthomepage www.schulsport.lernnetz.de.


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