Zum Gutachten des Aktionsrates Bildung

"Das heute vom Aktionsrat Bildung vorgelegte Jahresgutachten bestätigt einmal mehr, dass sich die Bildungspolitik der Schulstrukturfrage und damit der Systemfrage nicht länger verschließen kann", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). "Es kann nicht weiter nach dem Motto laufen: wir können über alles reden, aber nicht über das Schulsystem. Innere und äußere Schulreform sind nämlich zwei Seiten einer Medaille."

08.03.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Dass namhafte Wissenschaftler für die bundesweite Abschaffung der Hauptschule plädieren, sollte die Bildungspolitik in NRW zumindest nachdenklich werden lassen. Es kann nicht Sinn guter Bildungspolitik sein, um jeden Preis ein Schulsystem erhalten zu wollen, das offensichtlich auch von wissenschaftlicher Seite in Zweifel gezogen wird.

"Das Sterben der Hauptschulen ist nicht allein ein Problem dieser Schulform, sondern ein Problem des gesamten Systems", so Beckmann weiter. "Sie kann nicht gesund werden, weil das System krank ist."

Der VBE begrüßt auch die Forderung der Wissenschaftler nach einer Kindergartenpflicht für Vierjährige.

"Der Kindergarten muss als Bildungseinrichtung verstanden und ausgebaut werden", so Beckmann weiter. "Wenn er aber tatsächlich eine solche ist, muss der Besuch auch zur Pflicht gemacht werden. Die Auffassung der Wissenschaftler, dass eine akademische Ausbildung für Erzieherinnen nötig ist, teilen wir."

Die Idee, privaten Trägern die Leitung öffentlicher Schulen zu übergeben, lehnt der VBE dagegen ab.

"Nach Privatisierung zu rufen, wenn Reformen notwenig sind, ist längst zur Modeerscheinung geworden", so Beckmann abschließend. "Es muss aber darum gehen, ein staatlich organisiertes und öffentlich finanziertes Schulwesen zu erhalten und zu verbessern, um nicht Bildungschancen den Gesetzen des Marktes auszuliefern."


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