Titelkauf

19. Jahrhundert: Doktortitelkauf war "normal"

Titelkauf und –handel gehörten im 19. Jahrhundert zum Promotionsalltag vieler deutscher Universitäten. Schätzungsweise 75 Prozent der Inhaber philosophischer Doktortitel sollen im 19. Jahrhundert ihren Grad unter skandalösen Umständen erworben haben, darunter Karl Marx und Karl May. "Promotionen im Stile von Guttenberg und Co. bildeten im 19. Jahrhundert nicht etwa die Ausnahme, sondern die Regel", schreibt Ulrich Rasche von der Göttinger Akademie der Wissenschaften in der März-Ausgabe der Zeitschrift "Forschung & Lehre".

28.02.2013 Pressemeldung Deutscher Hochschulverband (DHV)

Tausende von "Doktoren" des 19. Jahrhunderts hätten diejenige Universität, die sie promoviert habe, nie betreten. Eine per Post übermittelte handgeschriebene Abhandlung oder eine kurze mündliche Prüfung hätten zum Titelerwerb oftmals genügt. Insbesondere die sehr kleinen Universitäten in Rostock und Jena mit den deutschlandweit niedrigsten Professorengehältern hätten mit den Erträgen aus Absenspromotionen im Laufe des 19. Jahrhunderts eine Art zweite Säule des Professorengehalts aufgebaut, da die für eine Promotion zu entrichtenden Gelder von den Fakultäten an die Professoren abgeführt wurden. Erst nach einem öffentlichen Appell des Berliner Großordinarius Theodor Mommsen im Jahre 1876, so Rasche, sei sukzessiv die Abschaffung der Absenspromotionen und die Einführung des Publikationszwangs für Doktorarbeiten an deutschen Universitäten erfolgt.

"Ist es wirklich zu verantworten, Mittelzuweisungen an Institute und Lehrstühle von der Zahl der Promotionen abhängig zu machen?", fragt Rasche weiter. "Je mehr sich die Hinweise darauf verdichten, dass Guttenberg und Co. womöglich nur die sprichwörtliche Spitze eines Eisberges bilden, dessen Umfang niemand kennt, desto mehr sollten die Promotionspraktiken der Universitäten selbst auf den Prüfstand kommen. Das zumindest sollten wir vom 19. Jahrhundert lernen."

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Forschung & Lehre 3/2013 erscheint am 28. Februar 2013. Auszüge der jeweils neuesten Ausgabe können Sie unter www.forschung-und-lehre.de lesen.


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