275.000 zusätzliche Studienplätze = 20.000 zusätzliche Wohnheimplätze

Preisgünstiger, campusnaher Wohnraum könnte Mangelware werden, wenn in den Jahren bis 2020 wie erwartet deutlich mehr junge Menschen studieren werden, warnt das Deutsche Studentenwerk (DSW). Die im Hochschulpakt II von Bund und Ländern geplanten 275.000 zusätzlichen Studienplätze müssten dringend von 20.000 zusätzlichen Wohnheimplätzen flankiert werden, forderte DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde heute in Chemnitz beim Jahrestreffen der Wohnheim-Verantwortlichen aus den 58 Studentenwerken.

06.05.2009 Pressemeldung Deutsches Studierendenwerk

"Studienplätze allein garantieren noch keinen Studienerfolg; dem Hochschulpakt II droht ein strukturelles Defizit, wenn nicht auch die soziale Infrastruktur des Studiums ausgebaut wird", sagte Meyer auf der Heyde. Zusätzliche Wohnheimplätze würden ganz dringend benötigt, aber auch mehr studienbegleitende Beratung, vor allem zur Studienfinanzierung und zum Umgang mit dem Zeit- und Leistungsdruck in den neuen Bachelor- und Master-Studiengängen.

Nach offiziellen Prognosen der Kultusministerkonferenz soll die Zahl der Studierenden in den Jahren bis 2015 aufgrund geburtenstarker und doppelter Abitur-Jahrgänge von heute zwei Millionen auf bis zu 2,5 oder gar 2,7 Millionen ansteigen. "Mit Studienplätzen allein ist das deutsche Hochschulsystem auf diese zusätzlichen Studierenden nicht ausreichend vorbereitet", mahnte Meyer auf der Heyde in Chemnitz.

Er führte aus: "Die künftigen Studierenden werden im Schnitt jünger sein, und sie werden in den zeitlich dichten Bachelor-Studiengängen sehr viel Zeit auf dem Campus verbringen müssen. Die Studentenwerke erwarten deshalb eine deutlich stärkere Nachfrage nach campusnahem, preisgünstigen Wohnraum."

Der gesamte Investitionsbedarf für die dringend benötigten 20.000 zusätzlichen Wohnheimplätze beläuft sich nach DSW-Angaben auf 700 bis 800 Millionen Euro. Allerdings hätten die Länder über das vom Bund mit zusätzlichen Mitteln versehene Wohnraumförderungsgesetz "erhebliche Gestaltungsoptionen", betonte Meyer auf der Heyde.

Die 58 Studentenwerke stellen den Studierenden insgesamt rund 180.000 Wohnheimplätze in mehr als 1.000 Wohnanlagen zur Verfügung, allerdings vielerorts schon heute mit langen Wartelisten. Das Wohnheim ist für Studierende die preisgünstigste Wohnform; die Warmmiete in einem Studentenwerks-Wohnheim beträgt im Bundesdurchschnitt nur 190 Euro, einschließlich aller Nebenkosten und Internetanschluss. Derzeit leben 11% der Studierenden im Wohnheim.


Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden