Statistik

Baden-Württemberg: Daten zur Reform des WissZeitVG

Derzeit wird die Reform des Wissenschaftszeitvertrags­gesetzes (WissZeitVG) kontrovers diskutiert. Debattiert werden u. a. Anpassungen von Vertragslaufzeiten bei Promotionen an die zu erwartende Promotionsdauer, die Ausweitung familien- und sozialpolitischer Regelungen sowie die Erhöhung der Anzahl unbefristeter Beschäftigungen.

24.03.2023 Baden-Württemberg Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
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Im Jahr 2021 waren mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der insgesamt 40.810 Personen des hauptberuflich beschäftigten wissenschaftlichen und künstlerischen Personals befristet an den baden-württembergischen Hochschulen angestellt. Vor allem das wissenschaftliche und künstlerische Personal unterhalb der Professur, also Dozentinnen und Dozenten, wissenschaftliche und künstlerische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Lehrkräfte für besondere Aufgaben, war davon betroffen. Hier waren knapp 82 Prozent der 33.215 Beschäftigten befristet angestellt.

Von den 7.595 Professorinnen und Professoren waren gut 11 Prozent befristet beschäftigt. Bei 279 Professuren handelte es sich um Juniorprofessuren, die maximal auf sechs Jahre befristet sind und mit der Besoldungsgruppe W 1 vergütet werden. 151 Professorinnen und Professoren hatten eine Tenure-Track Professur inne. Ähnlich den Juniorprofessuren sind diese zunächst befristet, werden aber im Anschluss an eine erfolgreich evaluierte Bewährungsphase auf Dauer gestellt. Ansonsten handelte es sich bei den Professuren mehrheitlich um verbeamtete Hochschullehrerinnen und -lehrer.

71 Prozent befristete Anstellungen bei Post-Docs

Auch auf den Karrierestufen unterhalb der Professur ist der Befristungsanteil beträchtlich. Während gut 91 Prozent des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals mit einem Master als höchstem Abschluss befristet angestellt war, betrug der Befristungsanteil bei denjenigen mit Promotion als höchstem Abschluss, den sogenannten Post-Docs, gut 71 Prozent. Unter den wissenschaftlichen und künstlerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bereits eine Habilitation abgeschlossen, aber noch keine Professur innehatten, waren knapp 32 Prozent befristet beschäftigt. Bei denjenigen, die sich in einem laufenden Habilitationsverfahren befanden, lag der Befristungsanteil bei knapp 87 Prozent, bei denjenigen in einem Promotionsverfahren bei knapp 98 Prozent.

97 Prozenzt Befristungen bei den durch Drittmittel Beschäftigten

Dabei hängt die Befristung stark mit der Finanzierungsart einer Stelle zusammen. Während gut 52 Prozent des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals, das aus dem Stellenplan oder durch andere Haushaltsmittel finanziert wurde, befristet beschäftigt war, betrug der Anteil an dem durch Drittmittel finanzierten Personal gut 97 Prozent. Insgesamt wurden 14.234 Stellen durch Drittmittel und 25.287 durch Haushaltsmittel bzw. aus dem Stellenplan finanziert.

48 Prozent arbeiten in Teilzeit

Neben der zeitlichen Befristung von Verträgen spielt in der Diskussion um die Arbeitsbedingungen des wissenschaftlichen Nachwuchses auch der Arbeitszeitanteil eine wichtige Rolle. Im Jahr 2021 war etwas mehr als die Hälfte (52 Prozent) des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals unterhalb der Professur in Vollzeit an einer baden-württembergischen Hochschule angestellt. 16.040 Personen oder 48 Prozent arbeiteten in Teilzeit, darunter 8 Prozent mit einem Arbeitszeitanteil von weniger als 50 Prozent, 16 Prozent mit 50 bis unter 60 Prozent, 11 Prozent mit 60 bis unter 70 Prozent und 12 Prozent mit 70 bis unter 100 Prozent an der gesetzlichen bzw. tariflich vereinbarten Wochenarbeitszeit.

4,2 Jahre dauert eine Promotion im Schnitt

Die durchschnittliche Dauer einer Promotion betrug 4,2 Jahre (Median). Die schnellsten 25 % schlossen ihre Promotion im Jahr 2021 nach 3,3 Jahren ab. Nach 5,3 Jahren hatten 75 Prozent ihre Promotion beendet. Die durchschnittliche Promotionsdauer variierte dabei stark zwischen den Fächern, und zwar von 4 Jahren in den Fächergruppen Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften und Mathematik, Naturwissenschaften bis hin zu 5 Jahren in den Geisteswissenschaften. Kürzere Promotionsdauern hatten Promovierende vorzuweisen, die an einem strukturierten Promotionsprogramm teilnahmen (4,1) und die an der Hochschule der Promotion beschäftigt waren (4,0).
Erstberufung auf Lebenszeit mit durchschnittlich 42 Jahren

Die Promotionsanfängerinnen und -anfänger des Jahres 2021 begannen ihre Promotion mit durchschnittlich 27 Jahren (Median). Das Durchschnittsalter der Promotionsabsolventinnen und -absolventen lag bei 31 Jahren. Habilitationen wurden mit durchschnittlich 40 Jahren abgeschlossen. Die erstmalige Berufung auf eine Professur auf Zeit erfolgte im Alter von 38 Jahren. Bei Erstberufungen auf Lebenszeit waren die Personen durchschnittlich 42 Jahre alt.
Von der Promotion bis zur Berufung dauert es 9,5 Jahre

Erstberufene Professorinnen und Professoren des Jahres 2021, die zuvor eine Habilitation abgeschlossen hatten, erhielten nach durchschnittlich 5 Jahren (Median) nach Abschluss der Habilitation erstmalig einen Ruf auf eine Lebenszeitprofessur. Bei denjenigen, die als höchsten Hochschulabschluss eine Promotion vorweisen konnten, betrug die Dauer vom Promotionsabschluss bis zur Erstberufung auf Lebenszeit durchschnittlich 9,5 Jahre. Personen, die im Jahr 2021 erstmalig einen Ruf auf eine befristete Professur erhielten, hatten durchschnittlich 5 Jahre zuvor ihre Promotion abgeschlossen.


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