CDU-Kritik an der Reform der Lehrerbildung ist sachlich falsch

Als sachlich unzutreffend weist der Sprecher des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur die Kritik der rheinland-pfälzischen CDU an der Reform der Lehrerbildung zurück.

03.12.2004 Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Rheinland-Pfalz (bis 11/06)

Die Reform sei ein sorgfältig vorbereitetes Vorhaben, das mit allen beteiligten Institutionen, Organisationen, Verbänden eingehend beraten worden sei. Die Konzeption, die derzeit umgesetzt werde, sei das Ergebnis dieses intensiven Dialogs.

Das Reformkonzept enthalte nicht, wie behauptet, einen bildungswissenschaftlichen Bachelor-Studiengang, der für alle Schularten gleich ist, sondern einen Bachelor, der das Studium von zwei Fachwissenschaften (jeweils 48 Semesterwochenstunden (SWS)) und Bildungswissenschaften (24 SWS) umfasst. Bis zu einem Drittel der Studieninhalte können - nach Maßgabe der jeweiligen curricularen Vorgaben - schulartspezifisch definiert sein. Der Bachelor-Abschluss enthalte einen entsprechenden Hinweis, für welche Schulart dieser Abschluss jeweils profiliert sei. Darauf folgten schulartspezifische Master-Studiengänge.

Alle vier Landesuniversitäten seien in dieses Vorhaben einbezogen: Es könne überhaupt keine Rede davon sein, dass sich zwei Universitäten nicht beteiligen. Die Kerncurricula/Studieninhalte würden in gemischten Arbeitsgemeinschaften erarbeitet, an denen pro Fach je ein Professor jeder Universität (neben Vertretern der Studienseminare, der Schulpraxis und der beiden Ministerien) mitwirken. Derzeit lägen aus sechs Fächern bereits die Ergebnisse vor; mit dem Abschluss der Arbeiten an den anderen Fächern ist im Zeitraum bis April/Mai 2005 zu rechnen. Die Universitätsleitungen beteiligten sich intensiv an der Umsetzung der Reform.

Völlig absurd sei der Vorwurf, Lehramtsstudierende würden im Vergleich zum bisherigen Studium eine geringere fachwissenschaftliche Qualifikation erwerben. Die Stundenansätze für die Fachwissenschaften seien keinesfalls geringer, in einzelnen Bereichen sogar höher als bisher. Dabei ergäben sich in den meisten Fächern große Schnittmengen/Übereinstimmungen mit den reinen fachwissenschaftlichen Diplom- oder Magister-Studiengängen.

Mit dem Reformkonzept werde die berufspraktische Ausbildung nicht verkürzt, sondern zeitlich anders verteilt. Während des gesamten Studienverlaufs würden Schulpraktika absolviert, für deren Gestaltung die Studienseminare verantwortlich seien. Die frühe Erfahrung der Schulpraxis und die unter einem guten Betreuungskonzept stehende Auseinandersetzung mit den vielfältigen Anforderungen des Lehrerberufs bereits in den ersten Semestern des Studiums diene einer Ziel führenden Studienorientierung und helfe, den bisherigen so genannten Praxisschock zu Beginn des Vorbereitungsdienstes zu vermeiden. Da damit die Aufwendungen des Vorbereitungsdienstes teilweise in das Studium hinein verlagert würden, entstünden auch keine unkalkulierbaren Ressourcen-Anforderungen. Die Erarbeitung der Praktika-Konzeption liege wesentlich in der Verantwortung von Vertretern der Studienseminare und der Schulpraxis; die vorliegenden Ansätze berücksichtigen das Potenzial, das die Schulen im Rahmen ihrer Möglichkeiten einbringen können.

Dem Reformkonzept liege ausdrücklich nicht das Ziel eines Einheitslehrers zugrunde. Es betone neben den unzweifelhaft gegebenen durchgängigen Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer die besonderen Aufgaben der einzelnen Schularten, wie sich aus den unterschiedlichen Ausgestaltungen der Master-Studiengänge für diese Schularten unschwer ablesen lasse.

Das Reformkonzept Rheinland-Pfalz habe bundesweit überwiegend eine positive Aufnahme gefunden. Es wird wiederholt von wissenschaftlicher wie von bildungspolitischer Seite als ein Referenzmodell "des pragmatischen Herangehens" bewertet. Von verschiedenen Bundesländern wird dieses Konzept in seinen Grundlinien oder in Teilen übernommen.


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