Chemie-Neubau an Universität Gießen für 70 Millionen Euro

Die Entscheidung über den Neubau der Chemie der Justus-Liebig-Universität Gießen ist gefallen: Die Jury des vom Land ausgelobten städtebaulichen Realisierungswettbewerbs hat sich in Wiesbaden für den Entwurf von Gerber Architekten Dortmund entschieden. Die Baukosten sollen bei rund 70 Millionen Euro liegen; der Baubeginn ist für Anfang 2010 geplant. Das neue Gebäude mit rund 13.000 Quadratmetern Nutzfläche soll durch im Vergleich zum heutigen Gebäude besser zugeschnittene Labor- und Praktikumsräume eine optimale Flächenausnutzung ermöglichen.

22.08.2008 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

„Wir sind auf dem Weg der Modernisierung der Universität Gießen damit einen weiteren wichtigen Schritt vorangekommen“, sagte Staatsministerin Silke Lautenschläger. Sie erinnerte daran, dass auch der Chemie-Neubau aus dem Hochschulbauprogramm HEUREKA der Landesregierung finanziert wird: „Insgesamt wird der Universität Gießen aus diesem Programm mehr als eine halbe Milliarde Euro zur Verfügung gestellt.“ Die Chemie ist nach dem Neubau des Biomedizinischen Forschungszentrums, des Excellence Clusters Cardio-Pulmonary System (ECCPS), dem Neubau des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und der Kleintier- und Vogelklinik in der Veterinärmedizin ein weiteres großes Bauvorhaben des Landes an der Universität.

Der Entwurf von Gerber Architekten zeichnet sich durch einen freigestellten Hörsaalkomplex als eigenständigen Baukörper mit direktem Zugang vom Vorplatz aus. Das eigentliche Institutsgebäude mit einer innen liegenden gläsernen Längsachse entlang eines Gartenhofs ermöglicht eine gute Orientierung, interne Kommunikation und Ausblicke ins Grüne. Die funktionale Zuordnung der einzelnen Nutzungsbereiche und die Erweiterung der Laborzonen sind stimmig und erlauben einen wirtschaftlichen Betrieb. Der Neubau ermöglicht die Integrierung moderner Energieeffizienztechnik und berücksichtigt die Vorgaben des Landes zur Nachhaltigkeit.

„Ich freue mich über die klare Entscheidung des Gremiums, die einen Gewinn für die Chemie, die Universität und die Stadt verspricht“, betonte Prof. Dr. Stefan Hormuth, Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Dem Verfahren war ein Architektenwettbewerb vorgelagert, bei dem im Mai den beiden Architekturbüros Gerber Architekten aus Dortmund und Auer + Weber + Assoziierte GmbH aus München für ihre jeweiligen Entwürfe der erste Preis und ein Preisgeld von jeweils 70.000 Euro zugesprochen wurde. Im Entwurf von Auer + Weber achteten die Architekten auf eine harmonische Einbindung des Neubaus in den bestehenden Campus Naturwissenschaften. Das Gebäude sollte sich über einen übersichtlich ausgebildeten zentralen Eingang erschließen, der die öffentlichen Bereiche anschließen sollte, wie die Verwaltung, die Dekanate, das Prüfungsamt und die Hörsaalbereiche, die Raum für Lerngruppen und Aufenthaltsmöglichkeiten für Studierende bieten sollten. Das Architektenbüro agn Niederberghaus & Partner GmbH aus Ibbenbüren hatte seinerzeit den dritten Preis mit einem Preisgeld in Höhe von 35.000 Euro bekommen. Mit dem vierten Preis war die Hascher + Jehle Planungsgesellschaft mbH aus Berlin ausgezeichnet worden, die ein Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro erhielt. Durch ein abgestuftes Punktesystem hatten jetzt bei der Abschlussentscheidung alle Preisträger die Chance, zum Siegerentwurf gekürt zu werden.

Die Gießener Chemie ist eine Kerndisziplin und hat eine zentrale Brückenfunktion zwischen Medizin, Biologie, Physik und den angrenzenden Fächern Agrar- und Ernährungswissenschaften. Die Integration der Lebensmittelchemie, die durch die jetzt erfolgte Berufung voll funktionsfähig ist, ergänzt nicht nur die Forschungskompetenz am Chemiestandort Hessen, sondern schärft das Profil der neu entwickelten chemischen Studiengänge an der Justus-Liebig-Universität. In Zusammenarbeit mit anderen Fächern an der Hochschule sollen die aktuellen Forschungskonzepte das Gesamtprofil der Universität unter dem Begriff „Human life and its resources“ prägen. Damit trägt das Fachgebiet aktiv zum Verständnis und Schutz des menschlichen Lebens und zur optimalen Nutzung der natürlichen Ressourcen einerseits und zur regionalen und überregionalen Sicherung des hohen technologischen Standards des Landes Hessen andererseits bei.

Der messbare Schwung, den die Gießener Chemie in den vergangenen sechs Jahren während des personellen Neuaufbaus genommen hat, wird durch einen Neubau mit optimiertem Raumkonzept weiter verstärkt werden – im Sinne einer Vorreiterfunktion für die Entwicklung effizienter und flexibler universitärer Strukturen in Lehre und Forschung. Aus der notwendigen baulichen Erneuerung der Chemie an der Universität erwächst die seltene Gelegenheit, das Fach, die Universität und das hessische Bildungs- und Forschungsprofil erkennbar zu stärken.

Fotos der Entwürfe des Neubaus der Chemie der Universität Gießen stehen auf der Internetseite des Ministeriums unter www.hmwk.hessen.de zur Verfügung.


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