Deutsche Professoren unterbezahlt?
(bikl) Die Besoldung der Professoren in Deutschland nach dem W-Modell sei international nicht wettbewerbsfähig. Dies zeigten Vergleichszahlen der Vergütungen in Deutschland (W-Modell), der Schweiz und den USA, so die in Bonn erscheinende hochschulpolitische Zeitschrift "Forschung & Lehre" in ihrer aktuellen Ausgabe.
01.11.2005 ArtikelWährend in Deutschland ein Professor der Besoldungsgruppe W 2 ein Jahresgrundgehalt von 46.680 Euro und ein Professor der Besoldungsgruppe W 3 56.683 Euro verdiene, betrage die geringste Jahresbruttobesoldung eines Ordinarius an der Universität Zürich umgerechnet immerhin 102.729 Euro. An der ETH Zürich liege die Untergrenze sogar bei 121.461 Euro. Ähnlich falle ein Vergleich der deutschen Besoldung mit der Professorenvergütung in den Vereinigten Staaten aus.
Ganz so negativ wird das neue Besoldungsgesetz, das im Februar 2002 in Kraft getreten ist, nicht von allen Beteiligten gesehen. Den Bundesländern blieb damals eine längere Überhangsfrist zur Umsetzung des Gesetzes. Die Nase vorn hatte schließlich das Land Niedersachsen. Schon seit Januar 2003 gilt dort die W-Besoldung an den Fachhochschulen.
"Mehr Geld für jüngere Kollegen"
Professor Erhard Mielenhausen, Rektor der Fachhochschule Osnabrück und stellvertretender Vorsitzender der Hochschulrektorenkonferenz, berichtete im vergangenen Jahr gegenüber bildungsklick.de von seinen Erfahrungen: "Das setzt uns in die Lage, jüngeren Kollegen auch früher schon mehr Geld zukommen zu lassen als das nach dem alten Verfahren der Fall ist. Das heißt, man bekommt dann mehr Geld, wenn man familiär auch mehr braucht."
Leistung statt Dienstjahre
Tatsächlich kam es nach dem bisherigen Besoldungssystem (C1 – C4) dazu, dass ein Professor in der höchsten Alterstufe monatlich 1.500 Euro mehr auf seinem Konto hatte als sein junger Kollege in der niedrigsten Altersgruppe. Genau diese automatischen Zulagen sollen nach dem neuen W-Besoldungssystem wegfallen. Statt Lebensalter zählen jetzt nämlich in erster Linie die Leistungen in Lehre und Forschung.
Attraktiv für den Nachwuchs
Monatlich 2.000 Euro mehr, so berichtete Mielenhausen, konnte einer seiner jungen FH-Professoren nach dem neuen Besoldungssystem auf seinem Konto verbuchen, weil er die entsprechenden Leistungen habe nachweisen können. Und das mache die Hochschulen für junge Talente deutlich attraktiver.
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