Hochschulverband

DHV fordert mehr Respekt gegenüber der Universität Düsseldorf

Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), Professor Dr. Bernhard Kempen, hat im Plagiatsfall von Bundesministerin Annette Schavan alle Beteiligten gemahnt, ihre Worte sorgfältig zu wägen. Die Universität Düsseldorf, die die Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit Dissertation von Frau Schavan eingehend prüft, wird sich auf Drängen von Frau Schavans Anwälten nicht mehr zum weiteren Verfahrensstand äußern, nachdem zuvor ein für den Promotionsausschuss bestimmtes Gutachten an die Öffentlichkeit gelangt war, das der Ministerin Medienberichte zufolge in ihrer Doktorarbeit eine "leitende Täuschungsabsicht" und "plagiierende Vorgehensweise" bescheinigt hatte.

18.10.2012 Pressemeldung Deutscher Hochschulverband (DHV)

"Dieses Fachurteil wiegt schwer", betonte Kempen. Das Verfahren der Universität Düsseldorf sei aber noch nicht abgeschlossen und Frau Schavan zu den Vorwürfen noch nicht gehört worden. "Die Ministerin hat wie jeder Promovierte in einer vergleichbaren Lage einen Anspruch auf ein faires Verfahren. Solange der Fakultätsrat noch nicht entschieden hat, verbietet sich jede Einmischung von außen", betonte Kempen. "Vorverurteilungen sind daher fehl am Platze. Das gilt auch für vorzeitige "Freisprüche"." Es sei verwunderlich, wie hochrangige Vertreter der Wissenschaft in den letzten Tagen im Wege der Ferndiagnose politisch gewünschte Ergebnisse herbeizureden versuchten. Dabei müsse doch klar sein, dass die politischen Leistungen von Frau Schavan in ihrer Eigenschaft als Ministerin nicht mit der Plagiatsaffäre in Verbindung gebracht werden dürften.

Zugleich nahm der DHV-Präsident die Universität Düsseldorf vor Kritik in Schutz. "Dass ein für den Promotionsausschuss gefertigtes Gutachten vorab an die Öffentlichkeit gerät, ist bedauerlich. Das Fehlverhalten einer Einzelperson kann aber nicht der Universität Düsseldorf als Ganzes angelastet werden, die umgehend Strafanzeige erstattet und sich inzwischen bei Frau Schavan entschuldigt hat. Insbesondere diskreditiert diese Indiskretion in keiner Weise das Gutachten von Kollegen Rohrbacher."

Grundsätzlich liege die Entscheidung, wer ein Gutachten zu erstellen habe, bei der Universität Düsseldorf. "Sie ist Herrin des Verfahrens. Kritikwürdig ist nicht der Umgang der Universität mit dem Plagiatsfall Schavan, kritikwürdig sind vielmehr sachlich ungerechtfertigte Einwände und Verfahrensempfehlungen aus Politik und Teilen der Wissenschaft, die im laufenden Verfahren den Respekt gegenüber der Universität Düsseldorf vermissen lassen."


Der Deutsche Hochschulverband ist die bundesweite Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland mit über 27.000 Mitgliedern. -

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