Ein Jahr nach der Privatisierung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg: Patientenzahlen steigen, Investitionsstau wird beseitigt, Forschungsgelder fließen

Die Zahl der Patienten im Universitätsklinikum Gießen und Marburg ist 2006 gestiegen, und zwar um 1400 oder 3,6 Prozent am Standort Gießen und um 800 oder zwei Prozent am Standort Marburg. "Diese Zahlen belegen, dass das privatisierte Universitätsklinikum, das sich seit einem Jahr im Mehrheitsbesitz der Rhön Klinikum AG befindet, von den Bürgern angenommen wird." Das hat der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, heute in Wiesbaden hervorgehoben. Nach der Zustimmung des Hessischen Landtags hatte die Rhön-Klinikum AG am 1. Februar 2006 die volle unternehmerische Verantwortung für das Universitätsklinikum Gießen und Marburg übernommen. Hessen hatte damit als erstes Bundesland ein Universitätsklinikum privatisiert.

20.02.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Gerald Meder, und Minister Corts hoben hervor, dass beide Partner in den vergangenen zwölf Monaten konstruktiv und mit viel Professionalität gezeigt haben, dass der eingeschlagene Weg den Patienten, den Studierenden und der Forschung viele Vorteile biete. Die aktuelle Diskussion in anderen Bundesländern belege, dass Hessen mit dieser Vorreiterrolle den richtigen Weg eingeschlagen habe. "Wir sind daher sicher, dass das Modell Gießen und Marburg anderen Universitätskliniken als Beispiel dienen kann", sagten Corts und Meder.

Der Minister wies auch auf die laufenden Bauvorhaben an den beiden Standorten hin, zu denen sich die Rhön-Klinikum AG verpflichtet hat, um bis Ende 2010 den Investitionsstau zu beseitigen. In Gießen beginnt im Februar der Abbruch von zwei Gebäuden, um das Baufeld für den ersten Bauabschnitt des Klinikums, die Kinderklinik, freizumachen. In Marburg werden zur Zeit die Vorbereitungen für den Bau der Partikeltherapieanlage getroffen, in der kombiniert Protonen- und Schwerionenbestrahlung möglich sein wird. Das Universitätsklinikum wird damit weltweit eine der ersten Anlagen dieser Art zur Verfügung haben. Das Genehmigungsverfahren läuft; Baubeginn ist voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2007.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung hob hervor, dass es nicht nur bauliche Veränderungen gebe. So habe man auch dringende Ersatzbeschaffungen bei Medizingeräten und Investitionen in sicherheitsrelevante Bereiche beider Häuser bereits vorgenommen. Auch die Betriebsabläufe seien analysiert worden: Die Schaffung neuer Ablauf-Strukturen mit dem Ziel einer qualifizierten humanen Patientenversorgung, der Sicherung der Produktivität des Klinikums und damit seiner Zukunftsfähigkeit, sei in Angriff genommen. Die notwendige personelle Umstrukturierung sei eingeleitet; mit dem Instrument des Sozialfonds würden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für neue Arbeitsplätze umgeschult und weitergebildet.

Die Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH hat heute für die Standorte Gießen und Marburg insgesamt vier Millionen Euro an Forschungsmitteln für medizinische Projekte ausgelobt. Eine vom Klinikum eingesetzte Kommission entscheidet demnächst darüber, welche Vorhaben mit diesen Mitteln für 2006 und 2007 gefördert werden.

Wissenschaftsminister Corts wies außerdem darauf hin, dass der Verkaufserlös aus der Privatisierung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg vom Land Hessen in die "Emil von Behring und Wilhelm Conrad Röntgen-Stiftung" eingebracht worden ist: "So bleiben das Stiftungskapital in Höhe von 100 Millionen Euro und die daraus zu erwirtschaftenden Erträge für die Herausbildung wissenschaftlicher Exzellenz an beiden Standorten nutzbar."


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