Forschungsprojekt

Erste Ergebnisse zum „Umgang mit religiöser Diversität an deutschen Hochschulen“

Das Projekt „Umgang mit religiöser Diversität an deutschen Hochschulen“ des Forschungsschwerpunkts „Interkultur“ am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), gefördert von der Stiftung Mercator, widmet sich der Religion als einer von vielen Dimensionen von Gleichbehandlung und Diversität.

05.07.2016 Bundesweit Pressemeldung Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI)
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Diversitätspolitiken dienen der Gewährleitung von guten Studienbedingungen für alle Studierenden und der institutionellen Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen Bedürfnisse. Im Rahmen des Projektes erfolgt eine explorative qualitative Befragung unter Mitgliedern Muslimischer Hochschulgruppen (MHGs), sowie eine bundesweit repräsentative Bestandsaufnahme von Maßnahmen und Vorkehrungen für muslimische Studierende an Hochschulen.

Erste Ergebnisse der Studie im Überblick:

„Unter Studierenden in Deutschland gibt es praktizierende Muslime, die sich wünschen, das regelmäßige Gebet in den Hochschulalltag integrieren zu können. Unsere Studie zeigt, dass die Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland unterschiedlich mit diesem Anliegen umgehen. An 35% der Hochschulen in Deutschland (400 sind es insgesamt) füllte die Leitungsebene oder das Diversitybüro einen Fragebogen zum Verhältnis der Hochschule zur Religiosität aus. Da Hochschulen (also private und staatliche Universitäten, Fachhochschulen, Kunstakademien) zu unterschiedlich sind, lassen sich die Ergebnisse nicht einfach verallgemeinern, sie geben jedoch einen aufschlussreichen Überblick.

An 37 Hochschulen, also fast an jeder dritten Hochschule (31,8%) des Samples gibt es eine für spirituelle Bedürfnisse wie Gebet, Andacht oder Meditation reservierte Räumlichkeit. Meistens ist dies ein multireligiöser Raum der Stille, in einigen Fällen sind es christliche Kapellen, muslimische Gebetsräume und eine Synagoge. Die Hälfte (51,3%) der befragten Hochschulleitungen stimmt der Aussage voll oder teilweise zu, „Religion sollte Privatsache sein und keine Bedeutung im Hochschulalltag haben“. 16% sind in dieser Frage unentschieden, 15,1% lehnen diese Aussage ab. Religiosität wird andererseits jedoch auch nicht völlig abgelehnt, immerhin stimmen über ein Drittel (35,3%) der Hochschulen der Aussage zu, „Religion sollte eine Quelle der Bereicherung für den Hochschulalltag sein“.

Eine offene Onlineumfrage unter 183 muslimischen Studierenden im Umfeld des Rat Muslimischer Studierender (RAMSA) ergab, dass für praktizierende Muslime ein Ort für das regelmäßige Gebet der größte Wunsch ist, dicht gefolgt von dem Bedürfnis nach Verständnis, Anerkennung, und danach, nicht auf das Muslimsein reduziert zu werden. Auch christliche Studierende sind als solche weiterhin an den Hochschulen präsent und bringen ihre Religiosität auf die Tagesordnung der Hochschulen – jedoch an weniger Hochschulen als muslimische Studierende. An vielen Hochschulen thematisieren katholische (an 44,5% der Hochschulen), evangelische (an 43,7% der HS) und muslimische Studierende (an 51,3% der HS) ihren Glauben, 16,8% der Hochschulleitungen gaben an, dass jüdischen Studierende in den vergangenen fünf Jahren ihren Glauben zum Thema machten, und Buddhisten, Hindus und Mitglieder christlicher Freikirchen machen sich ebenfalls an einigen Hochschulen bemerkbar.“

Die Ergebnisse werden in eine für den Herbst geplante Publikation eingehen.

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