GEW: Studiengänge im Bildungsbereich nicht dem Bologna-Prozess opfern!

Die GEW Rheinland-Pfalz wendet sich entschieden gegen die Pläne der Universität Koblenz-Landau, den Lehramtsstudiengang Sozialkunde am Standort Koblenz zu schließen.

28.01.2009 Rheinland-Pfalz Pressemeldung GEW Rheinland-Pfalz

"Sozialkunde gehört aus der Sicht der Bildungsgewerkschaft zu den wichtigen Schulfächern, in denen sich der allgemeine Bildungsauftrag der Schule verwirklicht. Demokratische Erziehung findet besonders in diesem Fach statt. Sie ist bedeutende Grundlage für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu mündigen Bürgern, so wie es auch das Schulgesetz verlangt," erörtert der GEW Landesvorsitzende Klaus-Peter Hammer. Mit der Schließung dieses Studienganges am Standort Koblenz der Universität Koblenz-Landau, werden die Kombinationsmöglichkeiten für Lehramtsfächer deutlich verringert. "Damit sinkt die Aufnahmezahl für Erstsemester in Koblenz, was keinesfalls im Interesse des Landes sein kann, da der Bedarf an Lehrkräften in den kommenden Jahren kontinuierlich zunehmen wird", kritisiert Hammer.

Die in Koblenz bisher gegebene Möglichkeit, dass auch angehende Grundschullehrkräfte eine Basiskompetenz im Fach Sozialkunde erwerben können und damit fachlich befähigt werden, "Politische Bildung von Anfang an" in der Grundschule zu vermitteln, sollte keinesfalls aufgegeben werden. "Die an unseren Schulen zunehmenden soziokulturellen Probleme können nicht durch Sprachförderung allein aufgefangen werden," erläutert der Landesvorsitzende, "hierfür braucht es politische Kompetenzen, die maßgeblich durch das Fach Sozialkunde vermittelt werden können". Durch die Streichung des Studiengangs Sozialkunde würde insbesondere aber auch die neue Kooperation zwischen der FH-Koblenz und der Universität Koblenz-Landau, Abteilung Koblenz in der Ausbildung von Berufschullehrerinnen und –lehrern von Beginn an erschwert, da das Fach Sozialkunde ein häufig gewähltes Zweitfach in der Berufsschullehrerausbildung ist. Aus Sicht der GEW bewirkt der Aufnahmestopp für Sozialkunde durch die zu erwartende Abwanderung von Studierenden und die Verarmung des Fächerspektrums vor allem eine Schwächung des Standortes der Universität Koblenz-Landau, Abteilung Koblenz. Es bleibt fraglich, ob damit eine Stärkung des hoch ausgelasteten Standortes Landau überhaupt erfolgen kann, so dass mit der Schließung in Koblenz die Gefahr entsteht, dass künftig insgesamt noch weniger Studierende im Fach Sozialkunde ausgebildet werden als bisher.

Auch darf der "Bologna-Prozess" mit der Reform der Studiengänge nicht dazu führen, dass zwei bildungspolitisch wichtige Studiengänge, der Lehramtsstudiengang Sozialkunde und der geplante Studiengang "Bachelor-Master Pädagogik" gegeneinander ausgespielt werden. "Lehrkapazität in den Bildungswissenschaften durch Einstellung des etablierten und im Fächerkanon notwendigen Lehramtsfaches Sozialkunde zu gewinnen, ist der falsche Weg" moniert Klaus-Peter Hammer.

Da eine Fortführung des Studienganges Sozialkunde ohne zusätzlichen Kostenaufwand möglich wäre, appelliert die GEW an die Verantwortlichen in Hochschule und Politik, die Entscheidung zum Aufnahmestopp ab dem WS 2009/10 zu revidieren und den Studiengang weiterhin anzubieten.

Ansprechpartner

GEW Rheinland-Pfalz

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