Hochschulmedizin in München

Die Errichtung eines modernen Mutter-Kind-Zentrums sowie von Departments für Innere Medizin und für Chirurgie am Campus Großhadern, die grundsätzliche Verlagerung der Innenstadtkliniken nach Großhadern, die Überführung des Standorts Biederstein des Klinikums rechts der Isar in das Stammgelände sowie bauliche Investitionen in Höhe von rund 750 Mio. Euro von 2007 bis 2016 sind wesentliche Eckpunkte der Empfehlungen, die der Lenkungsausschuss "Hochschulmedizin München" am Montag in München den Aufsichtsräten des Klinikums der Universität München und des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München übergeben hat.

06.02.2006 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Wissenschaftsminister Thomas Goppel dankte als Vorsitzender der Aufsichtsräte der beiden Münchner Universitätsklinika dem Expertengremium für die von großem Sachverstand getragenen Empfehlungen des Berichts, der zusammen mit den Stellungnahmen des Wissenschaftsrats zu den beiden Münchner Universitätsklinika vom Januar 2006 und vom November 2005 sowie den Empfehlungen der sog. Mittelstraß-Kommission eine "wertvolle Grundlage für die Erarbeitung eines ´Zukunftskonzepts Hochschulmedizin München´ sein werden".

Goppel kündigte an, noch im ersten Halbjahr 2006 dem Ministerrat dieses zeitlich abgestufte Konzept für die Entwicklungs- und Strukturplanung der Münchner Hochschulmedizin vorzulegen und es eng mit dem Bayerischen Landtag abzustimmen. Im Hinblick auf von den Vertretern des Finanzministeriums in den Aufsichtsräten geäußerte Bedenken stellte Goppel klar, dass Fragen der Finanzierung der baulichen Investitionen noch zu klären sind. Der Minister betonte, dass die Umstrukturierung längerfristig über einen Zeitraum von etwa 10 Jahren erfolgen wird. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben, so der Minister. Die verschiedenen Möglichkeiten einer künftigen Nutzung frei werdender Gebäude würden unter der Verantwortung der staatlichen Immobilienagentur sorgfältig ausgelotet werden.

Zielsetzung des laufenden Strukturprozesses, so Goppel, sei eine abgestimmte Entwicklung der beiden medizinischen Fakultäten und der beiden Münchner Universitätsklinika. Zudem mache es der immer schärfer werdende Wettbewerb im Gesundheitswesen (Einführung der sog. Fallpauschalen) notwendig, die Wirtschaftlichkeit der Klinika weiter zu verbessern. Außerdem müssten aufgrund einer immer kürzeren Verweildauer im stationären Bereich die Bettenzahlen in der Hochschulmedizin verringert werden. Der Lenkungsausschuss betont deshalb in seinem Bericht "die Notwendigkeit für eine strategische Neuorientierung und Bündelung der Ressourcen" am Hochschulmedizinstandort München und verweist dabei insbesondere auf die "Konkurrenzsituation am Markt für Gesundheitsleistungen in München" sowie auf die Notwendigkeit einer für die drei hochschulmedizinischen Standorte "einheitlichen Betrachtungsweise".

Der Abschlussbericht beinhaltet ein Bündel von Strukturmaßnahmen für die drei Münchner Medizinstandorte Großhadern, Innenstadt und rechts der Isar. Zu den wichtigsten Empfehlungen des Berichts im Einzelnen:

  • Nahezu alle Einrichtungen des Klinikums der Universität München sollen vom Standort Innenstadt an den Standort Großhadern verlagert werden. Ausnahmen sind die Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, die Polikliniken für Zahnheilkunde, die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, die Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie ggf. die Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie; diese Einrichtungen sind in grundlegend sanierten Gebäuden untergebracht und ihre fachliche Ausrichtung erfordert nicht unbedingt einen Transfer zum jetzigen Zeitpunkt.

 

  • Die gesamte Innere Medizin und Chirurgie des Klinikums der Universität München soll am Standort Großhadern gebündelt und in Departments organisiert werden. Auch die Kliniken für Innere Medizin bzw. Chirurgie am Klinikum rechts der Isar sollen unter Bettenreduzierung in je ein Department für Innere Medizin bzw. Chirurgie überführt werden.

 

  • Am Standort Großhadern soll anstelle der Einrichtungen der Frauenheilkunde in der Maistraße sowie der Pädiatrischen Einrichtungen im Dr. von Haunerschen Kinderspital ein modernes Mutter-Kind-Zentrum entstehen.

 

  • Der Standort Biederstein soll schrittweise aufgegeben und in das Stammgelände des Klinikums rechts der Isar integriert werden.

 

  • Für die Klinische Chemie und die Rechenzentren der beiden Münchner Universitätsklinika sollen gemeinsame Einrichtungen gebildet werden.

 

  • Als Zielgröße für das Jahr 2015 nennt der Lenkungsausschuss am Klinikum der Universität München 1.800 Betten (zum Vergleich: Krankenhausplan 2004: 2.508 Betten) und am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München 900 Betten (zum Vergleich: Krankenhausplan 2004: 1.161 Betten). Die aktuellen Schätzungen des Wissenschaftsrats gehen aufgrund der Gesundheitsreform von einer bis zu 30-prozentigen Verminderung des Bettenbedarfs in Folge von kürzeren stationären Verweilzeiten aus. Eine Anpassung der stationären Versorgungskapazitäten ist deshalb zwingend. Auch der Wissenschaftsrat hält für das Klinikum der Universität München einen Bettenabbau "deutlich unter 2.000 für sinnvoll", für das Klinikum rechts der Isar "unter 1.000 Planbetten".

 

  • Für Bauinvestitionen in die Münchner Universitätsklinika soll innerhalb der nächsten zehn Jahre, beginnend ab 2007, ein Gesamtbetrag von 750 Mio. Euro angestrebt werden. Damit reduziert sich der Baubedarf gegenüber der derzeitigen Situation erheblich: Der Investitionsbedarf für die nächsten 15 bis 20 Jahre wäre bei Fortschreibung der jetzigen Situation nach der Abschätzung der beiden Klinika auf über 1,5 Milliarden Euro zu beziffern.

 

  • Zur zeitlichen Reihenfolge der Baumaßnahmen schlägt der Lenkungsausschuss die Sanierung des OP-Trakts in Großhadern in den Jahren 2006 bis 2012, den frühestmöglichen Bau eines Mutter-Kind-Zentrums, parallel hierzu die Sanierung des Bettenhauses in Großhadern in zwei Abschnitten inklusive eines hierfür erforderlichen Erweiterungsbaus und die Durchführung weiterer Maßnahmen wie die Errichtung eines Forschungsgebäudes vor. Nach heutigen Planungen soll das Areal Biederstein - so die Vorstellung des Lenkungsausschusses - nach Fertigstellung des Forschungsgebäudes ab dem Jahr 2017 aufgegeben werden.

Die beiden Aufsichtsräte der Münchner Universitätsklinika hatten Ende Oktober 2004 in einer gemeinsamen Sitzung einen Lenkungsausschuss Hochschulmedizin München eingesetzt. Auftrag des Ausschusses war, vor dem Hintergrund des Berichts einer Arbeitsgruppe Vorschläge darüber zu machen, wie und in welchem Zeitplan die Neustrukturierung der Münchner Hochschulmedizin umgesetzt werden kann. In insgesamt 11 Sitzungen hat sich der Ausschuss mit diesen Fragen befasst. Vorsitzender des Lenkungsausschusses war Prof. Dr. Michael Albrecht (Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Dresden), stellvertretender Vorsitzender Dipl.-Kfm. Dipl.-Pol. Rüdiger Strehl (Kaufmännischer Vorstand des Universitätsklinikums Tübingen und Vorstandsvorsitzender des Verbands der Universitätsklinika in Deutschland). Ferner gehörten dem Lenkungsausschuss die Ärztlichen Direktoren und die Verwaltungsdirektoren beider Klinika sowie die Dekane der beiden Medizinischen Fakultäten an.

Der gesamte Abschlussbericht des Lenkungsausschusses "Hochschulmedizin München" ist ab 15 Uhr im Internet unter www.stmwfk.bayern.de/hs_uniklinika_muenchen.html abrufbar, der Bericht der Mittelstraßkommission unter www.stmwfk.bayern.de/hs_mittelstrass_bericht.html, die Empfehlungen des Wissenschaftsrats zu den beiden Münchner Universitätsklinika unter www.wissenschaftsrat.de.

In München gibt es zwei den medizinischen Fakultäten zugeordnete eigenständige Universitätsklinika: das Klinikum der Universität München und das Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Sie verteilen sich derzeit auf drei Standorte: Großhadern, Innenstadt und rechts der Isar.


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