Identitätsstiftende bauliche Gesamtkonzeption wird sichtbar

„Mit der Fertigstellung des Rohbaus für die Neubauten der Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaften, des Hörsaalzentrums und des Anbaus Casino wird die bundsweit einzigartige übergeordnete städtebauliche und identitätsstiftende Gesamtkonzeption der Universität Frankfurt an ihrem neuen Entwicklungsstandort deutlich sichtbar.“ Das hat der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, heute beim Richtfest für die drei Neubauten auf dem Campus Westend hervorgehoben. Er verwies dabei auf das in Deutschland beispiellose Hochschulbauprogramm HEUREKA, das bis 2020 Investitionen von drei Milliarden Euro vorsieht. Jährlich sind damit 250 Millionen Euro für den Ausbau der hessischen Hochschulen vorgesehen: „Auch die Universität Frankfurt profitiert von diesem Programm.“

30.10.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Die Gebäude, die den neuen zentralen Campusplatz flankieren, sind wesentliche Eckpfeiler der ersten Ausbaustufe des Campus Westend, die ein Investitionsvolumen von etwa 160 Millionen Euro hat, und bis zum Herbst 2008 abgeschlossen sein wird. Neben den genannten Gebäuden zählen dazu der Neubau „House of Finance“, für den bereits im August Richtfest gefeiert wurde, und die Gestaltung der Außenanlagen für die 10 Hektar große Erweiterungsfläche. Überdies errichten die evangelische und die katholische Kirche derzeit gemeinsam ein Studierendenwohnheim in zentraler Campuslage.

Oberbürgermeisterin Petra Roth würdigte den Campus Westend als Schmuckstück für die Stadt: „Die Universität ist in der Stadt verwurzelt, und die Stadt ist stolz auf ihre Universität.“ Im Hinblick auf das im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder am 19. Oktober gewonnene geisteswissenschaftliche Spitzenforschungszentrum „Normative Ordnungen“, das auf dem Campus Westend seinen Platz finden wird, sagte Roth: „Die Universität setzt damit auch in der Forschung ihre große Tradition fort.“ Präsident Prof. Dr. Rudolf Steinberg kündigte an, dass das Exellenzcluster in neuen Räumlichkeiten untergebracht werde, die im Rahmen der zweiten Ausbaustufe errichtet würden.

Prof. Steinberg zeigte sich außerordentlich zufrieden, dass die Vorstellungen, die man mit der Gestaltung des Campus angestrebt habe, erkennbar Realität werden: „Die neuen Gebäude fügen sich zu einem harmonischen Ensemble in einer Parklandschaft, ohne dass die einzelnen Gebäude individuelle Eigenständigkeit vermissen lassen. Sie korrespondieren mit dem denkmalgeschützten Ensemble des IG Hochhauses und erzeugen einen repräsentativen Gesamteindruck, der dieser Universität ein unverwechselbares Gepräge gibt.“

Horst Nothnagel, Niederlassungsleiter der Regionalniederlassung Rhein–Main des Hessischen Baumanagements bekräftigte diesen Gedanken: „Jeder, dessen Herz für die Entwicklung der Universität und der Stadt Frankfurt schlägt, empfindet eine besondere Faszination und Freude angesichts dieser Baustelle, nicht nur wegen ihrer Größe, sondern vor allem auch wegen der hohen architektonischen Qualität, die mit zunehmendem Baufortschritt sichtbar wird.“

Drei Gebäude – Teil eines Ensembles

Das Hörsaalgebäude, das ebenso wie der Erweiterungsbau Casino von Ferdinand Heide Architekten, Frankfurt, gezeichnet wurde, bildet das Zentrum der neuen Universität auf dem Gelände des Campus Westend und öffnet sich dabei nach allen Seiten. Die zentrale Achse der städtebaulichen Campusplanung wird durch zwei gleiche Eingangsfassaden nach Norden und Süden hervorgehoben. Das Hörsaalzentrum verfügt über zwölf Hörsäle mit jeweils 135 bis 600 Plätzen, wobei die beiden größten Säle zu einem Hörsaal mit beeindruckenden 1.200 Sitzplätzen verbunden werden können. Darüber hinaus gibt es drei Seminarräume mit jeweils rund 100 Plätzen, eine Cafeteria mit Nebenräumen und Außengastronomie sowie kleinere Läden und Räume für die Studienberatung. Die großen und mittleren Hörsäle liegen sich paarweise gegenüber und lassen Raum für einen offenen Foyerbereich in Fortsetzung des zentralen Campusplatzes. Alle Hörsäle und Seminarräume haben Tageslicht. Die Fassade nimmt mit ihrer Travertin-Natursteinverkleidung die Anmutung des IG Hochhauses auf.

Größtes Einzelbauprojekt ist der Institutskomplex für die beiden größten Fachbereiche der Universität, der Neubau für Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaften, der von Thomas Müller Ivan Reimann, Berlin entworfen wurde. Auf insgesamt 30.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche entstehen in unmittelbarer Nachbarschaft zum „House of Finance“ 2.500 Arbeitsplätze für 8.000 Studierende und annähernd 500 Wissenschaftler einschließlich der Verwaltung in flexiblen Bürostrukturen. Die gemeinsame Bereichsbibliothek ist das Studienzentrum; die Seminar- und Gruppenräumen sind mit neuester Medientechnik ausgerüstet. Der Institutskomplex bildet eine Einheit, die durch Bauteile klar strukturiert wird: Das Studienzentrum bildet einen zweigeschossigen Sockel, aus dem zwei gegeneinander versetzte Türme für die beiden Fachbereiche gleichsam herauswachsen.

Der Erweiterungsbau für das Casino schließlich ist Übergang und Bindeglied zwischen Neu und Alt, aber auch ein wesentliches Element der gedachten Nord-Süd-Achse des Campus. Es ist durch eine Brücke im ersten Obergeschoss mit dem bestehenden Casino verbunden. Die Fassadenverkleidung aus Travertin schafft eine optische Einheit mit dem Casino und dem IG Hochhaus.

Alle drei Gebäude flankieren den neuen zentralen Campusplatz, der sich als befestigte Fläche zwischen Casinoerweiterung und Hörsaalzentrum erstreckt. Die gestalterische Idee, Platz und Erdgeschossflächen der Gebäude eng miteinander zu verzahnen, wird durch niveaugleiche Übergänge, großzügige Erdgeschossverglasungen und Weiterführung der Bodenbeläge von Innen nach Außen erreicht.

Der markante Baumbestand im östlichen Bereich des Platzes wird durch einen Hain blühender, kleinkroniger Bäume im Westen ergänzt. Dieser ist so angeordnet, dass die Blickbeziehungen zwischen den Gebäuden und der diagonal verlaufenden Wegeanbindung in den Grüneburgpark nicht beeinträchtigt werden. Am westlichen Rand des Platzes erstreckt sich ein Wasserbecken mit vier Kaskaden sowie einer brückenartigen Fußgängerquerung. Die zurzeit auf dem Campus Bockenheim stehenden Skulpturen werden auf dem neuen Campusplatz installiert.

Kontakt: Peter Rost, Bevollmächtigter des Präsidiums für die Standortneuordnung Tel: 069 / 798 23836; E-Mail: rost( at )pvw.uni-frankfurt.de

Anhang: Daten & Fakten

Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaften

Planung:

Thomas Müller Ivan Reimann, Berlin IC Ingenieurconsult, Frankfurt am Main GSE Saar, Enseleit und Partner, Berlin

Kenndaten:

Hauptnutzfläche (HNF): 17.838 m² Bruttogeschossfläche (BGF): 30.225 m² Bruttorauminhalt (BRI): 128.676 m³ Gesamtkosten: 70,8 Mio. € Inbetriebnahme zum Wintersemester 2008/2009

Hörsaalzentrum

Planung:

Ferdinand Heide Architekten, Frankfurt Ebert Ingenieure, Nürnberg Sailer Stephan, München

Kenndaten:

HNF: 5.299 m² BGF: 12.000 m² BRI: 63.374 m³ Gesamtkosten: 37,8 Mio. € Inbetriebnahme zum Wintersemester 2008/2009

Anbau Casino

Ca. 400 Speiseplätze; fünffacher Personenumschlag; die Ausgabe von Mittagessen für 2.000 Personen ist möglich

Planung:

Ferdinand Heide Architekten, Frankfurt Ebert Ingenieure, Nürnberg Bollinger und Grohmann, Frankfurt

Kenndaten:

HNF: 2.185 m² BGF: 4.040 m² BRI: 19.428 m³ Gesamtkosten: 13,3 Mio. € Inbetriebnahme zum Wintersemester 2008/2009 Die Außenanlagen sowie der Campusplatz werden von der Arbeitsgemeinschaft Ferdinand Heide Architekten / Landschaftsarchitekturbüro TOPOS, Berlin, geplant

Bauherr:

Land Hessen, vertreten durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Bauausführung

  1. Ausbaustufe: 2006 bis Herbst 2008

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