Hochschulverband

Kempen: "Für ein Promotionsrecht von Fachhochschulen gibt es keinen Grund"

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) lehnt Pläne, Fachhochschulen ein Promotionsrecht zu gewähren, als einen gefährlichen Irrweg ab und warnt vor den Folgen eines politischen Dammbruchs. "Wer den Fachhochschulen das Promotionsrecht überträgt, wird es den außeruniversitären Forschungseinrichtungen nicht verweigern können", erklärte der Präsident des DHV, Professor Dr. Bernhard Kempen. "Das Promotionsrecht für Fachhochschulen birgt das Risiko, die gesamte Architektur des Hochschulsystems zum Nachteil der Universitäten zu zerstören."

26.03.2014 Pressemeldung Deutscher Hochschulverband (DHV)

Kempen erinnerte in diesem Zusammenhang an die unterschiedlichen Aufgaben, die Universitäten und Fachhochschulen in einem arbeitsteilig gegliederten Wissenschaftssystem wahrnehmen. Fachhochschulen profilierten sich vor allem über anwendungsorientierte und praxisbezogene Ausbildung, Universitäten dagegen vornehmlich über Grundlagenforschung und Ausbildung durch Wissenschaft. "Die Verleihung des Promotionsrechts an die Fachhochschulen würde die verschiedenen Hochschularten einebnen. Verlierer wäre das deutsche Wissenschaftssystem als Ganzes, das durch Nivellierung geschwächt würde", so Kempen.

Angesichts begrenzter Finanzressourcen für die Hochschulen stehe zu befürchten, dass mit der Verleihung des Promotionsrechts an Fachhochschulen eine Fehlallokation zu Lasten der unterfinanzierten Universitäten einhergehen werde. International sichtbare Spitzenforschung an Fachhochschulen könne unter den strukturellen Gegebenheiten der Fachhochschulen nur eine seltene Ausnahme sein. Umso schwerer wiege die Vorgabe des Koalitionsvertrages von Union und SPD an die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), ihre Programme für Fachhochschulen zu öffnen. "Die Forschungsmittel der anwendungsorientierten Fachhochschulen sollten vornehmlich aus Auftragsforschung kommen und nicht aus der DFG, deren Bewilligungsquote ohnehin stark rückläufig ist", betonte Kempen.

Eine Notwendigkeit, Fachhochschulen ein institutionelles Promotionsrecht zu verleihen, ist nach Ansicht des DHV-Präsidenten nicht erkennbar. "Für promotionswillige Fachhochschulabsolventen bestehen zurzeit ausreichende Möglichkeiten, ihr Qualifikationsziel an Universitäten zu erreichen", erklärte Kempen.

Kempen fügte jedoch hinzu, dass Universitäten gemeinsame Promotionskollegs mit Fachhochschulen bislang nur zögerlich vorangetrieben hätten. Der DHV-Präsident appellierte daher erneut an die Fakultäten, von den vorhandenen Möglichkeiten kooperativer Promotionsformen stärker Gebrauch zu machen, um qualifizierten Fachhochschulabsolventen die Promotion an Universitäten zu ermöglichen. Wer sich für ein aufgabenspezifisch gegliedertes Bildungssystem einsetze, müsse für Durchlässigkeit Sorge tragen. Das gelte in besonderem Maße für hervorragende, forschungsaffine FH-Absolventen.

Abschließend warnte Kempen vor den Folgeproblemen, die mit der Verleihung des Promotionsrechts an Fachhochschulen verbunden seien. Da nicht alle Bundesländer diesen Schritt nachvollziehen würden, drohten unabhängig von ihrer Forschungsstärke strukturell Fachhochschulen erster und zweiter Klasse zu entstehen. "In der Langzeitperspektive wird das Promotionsrecht einer Fachhochschule Besoldungsdruck erzeugen und die Forderung nach Angleichung der Lehrdeputate befördern. Aus fiskalisch-politischer Sicht verliert die Fachhochschule damit den entscheidenden Vorteil, zu relativ geringen Kosten vom Arbeitsmarkt sehr gut angenommene Absolventen zu generieren. Die staatliche Hochschulpolitik sollte sich sehr genau überlegen, ob sie sich auf diese schiefe Ebene begeben will", gab Kempen zu bedenken.

Der Deutsche Hochschulverband ist die bundesweite Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland mit über 28.000 Mitgliedern.


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