"Kräftebündelung, wie sie in Deutschland noch nicht üblich ist"
"Hier konzentrieren wir die Geowissenschaften aller hessischen Hochschulen. Dies bedeutet eine Kräftebündelung und Profilschärfung für eine Disziplin, wie sie in Deutschland noch nicht üblich ist." Das hat der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, bei der offiziellen Inbetriebnahme des Neubaus Geowissenschaften auf dem Campus Riedberg der Universität Frankfurt hervorgehoben. Mit der Fertigstellung des Neubaus sei eine langjährige Vision Realität geworden. Südhessen erhalte einen geowissenschaftlichen Lehr- und Forschungsschwerpunkt von bundesweiter Bedeutung, an dem der wissenschaftliche Dialog auf hohem internationalen Niveau vorangetrieben werden solle. Im November 2005 war der Grundstein für den Neubau an der Altenhöferallee mit einer Hauptnutzfläche von rund 7.700 Quadratmetern gelegt worden. Das Land Hessen hat rund 34 Millionen Euro in das Projekt investiert.
11.06.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und KunstUniversitätspräsident Prof. Dr. Rudolf Steinberg wies darauf hin, dass sich die hohen Ansprüche an eine zeitgemäße Infrastruktur nur mit einem Neubau hätten erfüllen lassen: "Das Ergebnis ist ein modernes wissenschaftliches Zentrum, das diese Universität schmückt." Die Fertigstellung, so Steinberg, sei ein wichtiger Schritt zur Arrondierung des naturwissenschaftlichen Campus Riedberg. "Allein schon aufgrund seiner prominenten Lage und seiner markanten Architektur ist dieser Neubau eine Visitenkarte für den Campus Riedberg."
Im Jahr 2000 hatte die Landesregierung die Neustrukturierung der Geowissenschaften in Hessen beschlossen. Das vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst entwickelte Konzept sieht die weitgehende Konzentration der geowissenschaftlichen Disziplinen an der Universität Frankfurt als hessischem Geozentrum vor. Neben Frankfurt ist die Technische Universität Darmstadt zweiter Standort; hier werden die technisch-ingenieuwissenschftlichen Teildisziplinen angeboten. Einige Wissenschaftler aus den aufgelösten Instituten in Marburg und Gießen führen in Frankfurt ihre Arbeiten fort.
Die positiven Effekte des interdisziplinären Umfelds mit den anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen Chemie, Biologie und Physik, mit denen die Geowissenschaften eng zusammenarbeiten, ließen sich schon zum aktuellen Sommersemester ablesen: "So viele Studienanfänger gab es noch nie", sagte Dekan Prof. Dr. Gerhard Brey. Er fügte hinzu, schon jetzt sei außerdem ein Zuwachs an Bachelor-Studierenden zu beobachten. Für zusätzliche Attraktivität sorgten auch die kurzen Wege, die auch in der Forschung neue Impulse erwarten ließen. Auch Synergie-Effekte zwischen den einzelnen geowissenschaftlichen und geographischen Disziplinen seien durch das gemeinsame Forschen und Lehren unter einem Dach zu erwarten, denn die Wege zwischen den zahlreichen bisherigen Standorten am Campus Bockenheim waren häufig lang und Einblicke in andere wissenschaftliche Bereiche begrenzt.
Mit Beginn dieses Sommersemesters waren die drei Institute des Fachbereiches ─ Institut für Geowissenschaften, Institut für Physische Geographie und Institut für Atmosphäre und Umwelt ─ aus den alten Räumen auf dem Campus Bockenheim auf den Riedberg gezogen. Unter anderem 30 Tonnen Gesteinsproben galt es von der Senckenberganlage in die Altenhöferallee zu transportieren.
Das dreigeschossige, klar konturierte Geozentrum wurde nach einem Entwurf des Architektenbüros Kanzler, Broghammer, Jana und Wohlleber aus Waldkirch errichtet. Im Erdgeschoss befinden sich der Hörsaal, in dem die etwa 1.000 Studierenden des Fachbereichs ihre Vorlesungen besuchen, der große Laborkomplex und die Gesteinspräparation. Die Labore sind mit modernster Technik ausgestattet. An hochkomplexen Geräten, wie Massenspektrometern und Rasterelektronenmikroskopen werden winzige Gesteinsproben untersucht oder mit Hochdruckpressen die Verhältnisse des Erdinneren simuliert und Gesteinsbrocken in hauchdünne Scheiben geschnitten. Im ersten Stock befinden sich die Räume der mineralogischen und geophysikalischen Facheinheiten des Instituts für Geowissenschaften, im zweiten Stock diejenigen der Facheinheiten Paläontologie und Geologie sowie Teile des Instituts für Physische Geographie. Im dritten Stock sind das Institut für Atmosphäre und Umwelt, das Dekanat, die Geo-Agentur und weitere Teile der Physischen Geographie angesiedelt. Auf dem Dach befindet sich zudem eine Messplattform des Instituts für Atmosphäre und Umwelt. Sehr grob zeichnet somit die Anordnung der Institute im neuen Gebäude den Aufbau der Erde vom Erdinneren bis zur Atmosphäre nach.
Keine Kommentare vorhanden