Minister Pinkwart und Degussa-Vorstand Oberholz: Konsortium "Weiße Biotechnologie NRW" gegründet

50 Unternehmer, Wissenschaftler sowie Vertreter der Regionen und Industrie- und Handelskammern haben in Düsseldorf das Konsortium "Weiße Biotechnologie NRW" gegründet. Partner, Ziele und Arbeitsweise des Zusammenschlusses stellten Dr. Alfred Oberholz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Degussa AG, und NRW-Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart am Donnerstag in Brüssel vor.

21.09.2006 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen

Anlass war der Auftakt der zehnteiligen Veranstaltungsserie "Ideen und Innovationen", mit der Nordrhein-Westfalen seine Kompetenzen in Zukunftstechnologien mit Blick auf das 7. EU-Forschungsrahmenprogramm (2007-2013) präsentiert.

Das Konsortium bündelt sämtliche in Nordrhein-Westfalen vorhandenen Kompetenzen auf dem Gebiet der weißen Biotechnologie. Die Initiative zu diesem Zusammenschluss ergriffen hatten der Verband der Chemischen Industrie (VCI NRW), das NRW-Innovationsministerium und die BioRegionen. Alle fünf großen Chemieunternehmen, die ihren Sitz in NRW haben, beteiligen sich an dieser Forschungs- und Entwicklungsoffensive: Bayer, Cognis, Degussa, Henkel und Lanxess.

Die Partner haben sich zum Ziel gesetzt, "als Gravitationsschwerpunkt nationale sowie europäische Partner und Kompetenzen anzuziehen" und sich mit Projekten sowohl für die Förderprogramme des Bundes als auch für die der EU als förderungswürdig zu erweisen. Daher wurden nach einem ersten Planungstreffen Mitte August in einem ersten Schritt Themenfelder identifiziert, in denen NRW eine wettbewerbsfähige Kompetenz in Wirtschaft und Wissenschaft aufzuweisen hat. Diese Themenfelder werden ab sofort von Projektteams bearbeitet, denen jeweils Vertreter der Industrie, der kleinen und mittleren Unternehmen, Wissenschaft, Investoren und Infrastruktur angehören.

Dr. Alfred Oberholz: "Nordrhein-Westfalen hat als Chemiestandort Nr. 1 in Deutschland hervorragende Chancen, eine Führungsrolle auf dem Gebiet der weißen Biotechnologie einzunehmen." Im März dieses Jahres erfolgte bei der Degussa AG in Marl der erste Spatenstich für ein neues Science-to-Business-Center Bio. In dieses Forschungs- und Entwicklungszentrum für weiße Biotechnologie investiert das Spezialchemieunternehmen 50 Millionen Euro, 12 Millionen Euro steuert zusätzlich das Land NRW bei.

"Kreativität freisetzen und Kräfte bündeln - dieser Ansatz unserer Innovationspolitik spiegelt sich hier beispielhaft wider", sagte Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart. Er betonte, dass sich erstmals in einem zentralen Zukunftsfeld alle Akteure - große wie kleine Unternehmen, Wissenschaftler wie Regionalvertreter - von Beginn an in einem gemeinsamen Projektteam zusammenschließen. "Alle wollen gemeinsam NRW im Bereich der weißen Biotechnologie nach vorne bringen; alle möchten ihre Stärken einbringen. Das stimmt mich sehr optimistisch", sagte Pinkwart in Brüssel.

Hintergrundinformationen zum Thema Weiße Biotechnologie


Die weiße Biotechnologie, die auch als industrielle Biotechnologie bezeichnet wird, gewinnt Vitamine, Antibiotika, Ethanol, Enzyme - zum Beispiel für Waschmittel - und viele andere Produkte durch die Fermentation mit biotechnologisch optimierten Mikroorganismen. Biotechnologische Verfahren und mit Hilfe dieser Verfahren hergestellte Produkte gehören längst zum Alltag. Ziel ist es, umweltschonendere, wirksamere und kostengünstigere Produkte und Verfahren zu finden.

Ein Anwendungsbeispiel sind Enzyme in Waschmitteln. Dass wir heute energieschonend bei 40 Grad statt bei 100 Grad waschen, verdanken wir diesen biotechnologischen Produkten, die in NRW entwickelt werden. Ein weiteres Beispiel sind Aminosäuren für umweltschonende und von Tieren besser verwertbare Futtermittel. Weltweit führende biotechnologische Verfahren wurden in NRW gemeinsam von Industrie, Wissenschaft und Mittelstand entwickelt. Die weiße Biotechnologie ist ein Zukunftsthema, in dem Wissenschaft und Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen als Chemiestandort Nummer 1 stark sind.

Das Interesse an biotechnologischen Verfahren für den Einsatz in industriellen Produktionsprozessen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Ihr Anteil an der chemischen Produktion beträgt zurzeit ca. fünf Prozent und soll in fünf Jahren auf 20 Prozent steigen. Die Gründe dafür liegen zum einen in der steigenden Zahl erfolgreicher Einführungen neuer biotechnologischer Verfahren in traditionellen Bereichen industrieller Produktion, zum anderen aber auch in quantifizierbaren Vorteilen wie etwa:


- Neue Reaktionsmöglichkeiten und Produkte
- Weniger Produktionsschritte
- Geringerer Energieverbrauch
- Reduktion der Schadstoffemissionen
- Einsparungen bei Rohstoffen und Ressourcen
- Neue Energiequellen.

McKinsey schätzt z. B. das gesamte Reduktionspotential für CO2-Emissionen durch den Einsatz biotechnischer Verfahren auf weltweit 65 bis 180 Mio. Tonnen pro Jahr.

Die Weiße Biotechnologie hat sich in einigen Segmenten bereits führende Marktpositionen erobern können. Das Weltmarktvolumen der herausragenden Produktgruppen wie z.B. Aminosäuren, Antibiotika und Enzyme wird bis auf etwa 55 Mrd. ¤ geschätzt. Noch im Jahr 1992 lag das Weltmarktvolumen der gesamten Biotechnologie-Branche bei ca. 9,6 Mrd. ¤. Hierzu einige beispielhafte Schlaglichter:


- Die biotechnische Jahresproduktion von Aminosäuren hat in den letzten Jahren die Millionen-Tonnen-Marke überschritten,
- bei der Herstellung von Vitaminen hat es in der jüngeren Vergangenheit einige Umstellungen von chemischen Syntheseverfahren auf biotechnische Prozesse gegeben, und es sind weitere Verfahrensumstellungen zu erwarten,
- das Marktvolumen für Enzyme ist in den letzten 10 Jahren um 50 % gewachsen und
- mit der erfolgreichen Markteinführung des Polylactid ist erstmals der Einstieg in den Polymer- bzw. Kunststoffbereich in nennenswertem Ausmaß gelungen.

Obwohl keine genauen Zahlen vorliegen, dürften die Umsätze aus industrieller biotechnischer Produktion in deutschen Unternehmen bereits heute im mehrstelligen 100-Mio.-¤-Bereich liegen


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