Nachhaltiger HCU Neubau - Startschuss der europaweiten PPP-Ausschreibung

Das Thema Nachhaltigkeit ist an der HafenCity Universität Hamburg (HCU) nicht nur Teil des Curriculums: Die Public Private Partnership-Ausschreibung für den Neubau der "HafenCity Universität Hamburg – Universität für Baukunst und Metropolenentwicklung" wurde heute unter dem Aspekt der ökologischen Verträglichkeit gestartet. Der Bau des HCU- Gebäudes soll ein Musterbeispiel für nachhaltiges, energieeffizientes und urbanes Bauen werden. Über 740 Tonnen CO2-Ausstoß können auf diese Weise jährlich eingespart werden. Aufgrund des vorbildlichen ökologischen Gesamtkonzepts hat die Behörde für Wissenschaft und Forschung (BWF) für den HCU Neubau das Umweltzeichen in Gold der HafenCity GmbH für "Nachhaltigkeit am Bau" beantragt.

10.01.2008 Hamburg Pressemeldung Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung Hansestadt Hamburg

Heute wurde mit der europaweiten Bekanntmachung des Teilnahmewettbewerbs der Startschuss für die Public Private Partnership-Ausschreibung für den Neubau der HCU gegeben. Der private Partner wird die Finanzierung, den Bau und Betrieb des Universitätsbaus übernehmen, der bis spätestens zum Jahr 2011 am Magdeburgerhafen errichtet werden wird.

Die Grundidee des HCU-Neubaus ist ein "Low-Tech"-Gebäude. "Lowtech" steht in der Architektur und Baubranche dafür, Mittel und Wege zu finden Gebäude und Siedlungen als Gesamtkonzept so zu gestalten, dass sie, mit natürlichen und ökologischen Ressourcen zu betreiben und zu bewohnen sind. So wird für den HCU Neubau bei Kühlung und Lüftung größter Wert auf die Ausnutzung natürlicher Ressourcen gelegt. Großflächige maschinelle Kühlung wird vermieden, um sowohl die Energiekosten als auch die langfristigen Wartungs- und Betriebskosten gering zu halten. Ressourcenschutz und Wirtschaftlichkeit gehen Hand in Hand.

Der Neubau für die Universität für Baukunst und Metropolenentwicklung erfüllt daher sowohl städtebaulich, architektonisch als auch auf dem Gebiet der Ressourceneffizienz höchste Ansprüche. Die Behörde für Wissenschaft und Forschung wird als Bauherrin deshalb zeitgleich zur PPP-Ausschreibung bei der HafenCity GmbH die Verleihung des Goldstandards des Umweltzeichens "Nachhaltigkeit am Bau" beantragen.

Für das von dem Architektenbüro CODE UNIQUE aus Dresden entworfene Universitätsgebäude ist ein ökologisches Gesamtkonzept geplant worden: Der Gesamtenergieverbrauch des Gebäudes wird die gültige Energieeinsparverordnung (ENEV2007) um mindestens 30 % unterschreiten. Ziel der Planung ist ein Primärenergiebedarf von maximal 100 kWh/m² pro Jahr, wohingegen heutige moderne Bürogebäude und Bestandsgebäude mit 200 bis 300 kWh/m² pro Jahr einen mindestens 50 % höheren Energiebedarf haben. Dem Hochschulneubau liegt ein Klimakonzept zugrunde, wodurch das Gebäude weitgehend natürlich belüftet und die betriebskostenintensive Lüftungstechnik auf das Minimum reduziert wird. Das Klimakonzept setzt sich aus folgenden Maßnahmen zusammen:

  • Geothermie: Nutzbarmachung der Erdwärme / Erdkühle zur Reduzierung der herkömmlichen Energiezufuhr der Teilklimaanlagen
  • Nachtauskühlung: Natürliche Wärmeabfuhr über gesteuerte nächtliche Fensterlüftung
  • Betonkernaktivierung: Aktivierung der Betondecken zum Kühlen mit niedrigen Vorlauftemperaturen
  • Hybride Lüftung: Reduzierung der Lüftungsanlagen durch zusätzliche natürliche Lüftung
  • Windlüfter: Ersatz einer strombetriebenen Lüftungsanlage durch windangetriebene Lüfter
  • Energie- und Wärmeeinsparung: 3-fach Verglasung, gesteuerte Abschaltung der Heizkörper bei geöffneten Fenstern, tageslichtabhängige Steuerung der Energiesparlampen und Solarthermie (Ausnutzung solarer Energie zur Wärme- und Kälteerzeugung)
  • Fassadengestaltung: In der Südfassade werden in die Brüstungen Photovoltaikanlagen integriert, die der autarken Versorgung aller haustechnischen Aggregate dienen. Das Material der Nordfassade wird aus Altglas hergestellt.

Das ökologische Gesamtkonzept wird abgerundet durch ressourcenschützende Maßnahmen wie den Einbau von wassersparenden und wasserlosen Sanitäreinrichtungen, den weitestgehenden Verzicht auf Verbundwerkstoffe und andere schwer recyclingfähige Baumaterialien, die Verkleidung von Teilflächen der Bürobereiche mit Lehmbauplatten und die Begrünung der Dachflächen. Gegenüber der herkömmlichen Bauweise trägt das Klimakonzept des HCU-Neubaus insgesamt zu einer Reduktion von jährlich minimum 760 Tonnen des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO2) bei. Die Kosten für die 12 unterschiedlichen Maßnahmen zur Nachhaltigkeit belaufen sich auf knapp vier Mio. Euro, die Amortisierungsraten betragen zwischen sechs und 20 Jahren.

Wissenschaftssenator Jörg Dräger: "Der Neubau der HafenCity Universität Hamburg wird ein Vorbild für einen nachhaltigen Universitätsbau werden. Das Konzept für den Neubau zeigt, dass anspruchsvolle Architektur und Nachhaltigkeit keinen Widerspruch bildet. Der HCU Neubau als Bestandteil des hamburgischen Klimaschutzkonzeptes wird Vorbildfunktion – auch über die Landesgrenzen hinaus – bekommen."

Prof. Steven Spier, Präsident der HafenCity Universität Hamburg: "Der Neubau der HCU verkörpert die Ansprüche unserer neuen Universität für Baukunst und Metropolenentwicklung. Er bringt die komplexen Herausforderungen unserer gebauten Umwelt ökologisch, wissenschaftlich, sozial, kulturell und gestalterisch zu einer Art Gesamtkunstwerk zusammen. Der Neubau unterstützt so ganz wesentlich unser Ziel neue Wege und Disziplinen durch Interdisziplinarität in Lehre und Forschung zu entwickeln."

Niels Helle- Meyer, Kanzler der HafenCity Universität Hamburg: "Um dem speziellen Charakter und den hohen Ansprüchen der HCU gerecht zu werden, muss das Gebäude in seiner Raumstruktur- auch zu Zwecken der Organisationsentwicklung- hochgradig flexibel sein. Es ist ein "lernendes" Gebäude- ein Labor für unsere Studierenden und Professoren, daher sucht die HCU für ihre PPP- Ausschreibung auch einen Investor, der mit viel Inspiration und Würdigung dieses Charakters an die Umsetzung unseres Neubaus gehen möchte."

Martin Boden, Architekturbüro CODE UNIQUE: "Der Bau einer Universität für Baukunst und Metropolenentwicklung ist für uns als Architekten eine besondere Herausforderung. Zusammen mit den zukünftigen Nutzern haben wir es geschafft, Ressourcenschutz, Wirtschaftlichkeit des Gebäudes und ein anspruchsvolles Raumprogramm für eine junge, innovative Universität zu entwickeln."


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