Neue Lehrerausbildung in NRW – volles Risiko!

Mit größten Bedenken begleitet der nordrhein-westfälische Philologen-Verband das Vorhaben der Landesregierung, einschneidende Änderungen in der Lehrerausbildung vorzunehmen. Statt wie bisher die Ausbildung auf zwei Säulen fußen zu lassen, der universitären (1. Ausbildungsphase) und der im Referendariat in den Studienseminaren (2. Ausbildungsphase), setzt Nordrhein-Westfalen künftig (fast) alles auf die eine Karte "Hochschule".

25.03.2009 Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)

Der Philologen-Verband kritisiert diese einseitige Ausrichtung. Er warnt mit Nachdruck davor, die bewährte schulpraktische Ausbildungsphase nach der Hochschulausbildung so stark zu schrumpfen, dass die bisher fundierte und von vielen europäischen Ländern hochgeschätzte Lehrerausbildung nachhaltigen Schaden erleidet.

"Es ist ausgesprochen riskant, von den Hochschulen, die sich zur Zeit in einem großen organisatorischen Umbauprozess befinden, zu erwarten, dass sie wesentliche Teile der schulpraktischen Ausbildung noch zusätzlich übernehmen können. Ohnehin sind sie wegen der in Nordrhein-Westfalen einmaligen Hochschulfreiheit nicht bereit, zuzusichern, dass jeder Lehramtsstudierende mit einem Bachelor-Abschluss auch in die Masterphase hineingelassen wird. Dies aber ist die Voraussetzung, für die 2. Ausbildungsphase und damit für den Zugang zum Lehrberuf", erläutert Peter Silbernagel einige der sich konkret ergebenden Probleme.

"Es ist nicht ausgeschlossen, dass statt aufgewerteter und ausgeweiteter Lehrerausbildung an den Hochschulen die Lehrerausbildung letztlich unter die Räder gerät!"

Nicht alle Bundesländer gehen den Weg von Nordrhein-Westfalen mit. Viele halten an der grundständigen Lehrerausbildung fest und übernehmen nicht Bachelor-/Masterstrukturen, da sie die Zerschneidung der Einheitlichkeit des Lehramtsstudiums befürchten.

Probleme sieht der Philologen-Verband auch in der Vielzahl der neu vorgeschriebenen Praktika. Neben dem Assistenzpraktikum, Orientierungspraktikum, Berufsfeldpraktikum gibt es ein Praxissemester, das von Hochschulen und Studienseminare gemeinsam ausgestaltet werden soll.

Die Wahrheit ist konkret! Daher wird der nordrhein-westfälische Philologen-Verband mit größter Akribie darauf achten, dass die fachwissenschaftlichen Inhalte in der universitären Ausbildung nicht zu kurz kommen. Er wird nicht zulassen, dass sich die Rahmenbedingungen für die Fachkräfte an den Seminaren wie auch in den Schulen unzumutbar verschlechtern. Die Leidtragenden bei einer unkalkulierbaren Lehrerausbildung wären langfristig die Schülerinnen und Schüler. Nur eine verlässliche und solide Lehrerausbildung garantiert eine gute Schulqualität.


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