OECD-Studie zu Förderung von Unternehmertum an ostdeutschen Hochschulen

Universitäten in den neuen Bundesländern bieten ihren Studierenden vergleichsweise gute Unterstützung, wenn es um die Gründung eigener Unternehmen geht. Unternehmerisches Denken wird dagegen noch unzureichend gefördert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die am Freitag in Halle vorgestellt wurde.

12.06.2009 Pressemeldung OECD Centre Berlin

So unterstützen etwa zwei Drittel (40 von 65) der ostdeutschen Universitäten (Kunstakademien ausgenommen) aktiv unternehmerische Initiativen ihrer Studenten. Jede zweite hat bereits, oder ist dabei, einen Lehrstuhl für Unternehmertum bzw. eine entsprechende Professur einzurichten. Einen solchen Trend lässt sich auch in anderen OECD-Staaten beobachten: Die Mehrheit der Universitäten bietet ihren Studierenden mittlerweile bei der Unternehmensgründung eine direkte Unterstützung an, sei es durch Beratung, Zuschüsse oder Räumlichkeiten.

Universitätsstudenten und Absolventen verfügen über ein enormes Leistungspotenzial für Innovation und wirtschaftliche Entwicklung. Sie für eine unternehmerische Karriere zu mobilisieren, ihre unternehmerischen Fähigkeiten zu erweitern oder sie bei der Gründung zu unterstützen sind wichtige, zumeist neue Aufgaben der Universitäten.

Die Stärken der Ostdeutschen Universitäten

Bildung einer Gründungsinitiative

Die Aufstellung eines Gründungsteams wird von einigen Universitäten anerkannt und unterstützt. Gründungszentren und einzelne Professoren versammeln junge Leute mit innovativen Ideen, technischem Know-How und kaufmännischem Geschick und helfen somit, neue Unternehmen mit Wachstumspotenzial zu schaffen. Die Technische Universität Berlin betreibt z.B. eine Online-Datenbank, die bei der Vernetzung innerhalb von Stadt und Region helfen soll.

Unterstützung bei der Unternehmensgründung und dem Aufbau von Netzwerken

Die Zusammenarbeit von Universitäten und externen Akteuren funktioniert gut, da die Rollen klar definiert wurden. Interuniversitäre Koordination ist gut organisiert und man kann mit Hilfe der Hochschulen bei der Gründung von Unternehmen sämtliche Unterstützung aus einer Hand bekommen.

Ein Beispiel ist UNIVATIONS, ein in der Martin-Luther Universität in Halle ansässiges Netzwerk von vier Universitäten in Süd-Sachsen-Anhalt. UNIVATIONS kombiniert verschiedene Forschungsschwerpunkte und hilft, diese in neue unternehmerische Aktivitäten umzusetzen.

Ausbaufähige Bereiche

Gründerlehre

Die Gründerlehre an den Universitäten befindet sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Unternehmerisches Denken wird noch nicht so gut gefördert, wie an den führenden Universitäten der OECD-Länder. Dies spiegelt sich im geringeren Umfang und der geringeren Qualität von auf unternehmerisches Handeln ausgerichteter Angebote wider. Auch das Engagement der Studierenden ist noch immer schwach ausgeprägt. An vielen Einrichtungen befindet sich die Gründerlehre allerdings noch im Aufbau, so dass die Untersuchung noch nicht vollständig die Ergebnisse der entsprechenden Programme erfassen kann.

Systematische Evaluierung der Aktivitäten zur Unterstützung von Unternehmertum

Ein Großteil der von den Universitäten angebotenen Unterstützung wurde in den vergangen fünf Jahren etabliert. Dennoch gibt es noch immer nur wenig systematische Selbsteinschätzung und Beurteilung dieser Maßnahmen. Wichtige Bestandteile einer Evaluation, etwa zum Wissensstand der Studierenden oder zu deren Einstellung, werden derzeit noch nicht vollständig erhoben. Auch die Tatsache, dass der familiäre Hintergrund die Einstellung zu unternehmerischer Tätigkeit prägt, wird bisher noch nicht ausreichend berücksichtigt.

Ausbildung der Lehrenden

Bislang gibt es zu wenige ausreichend qualifizierte Lehrkräfte um Unternehmensführung umfassend zu unterrichten. Es fehlt das entsprechende Personal sowie Weiterbildungsmöglichkeiten durch Training, Erfahrungsaustausch und Praxis.

Finanzielle und andere Anreize

Um das Engagement von Hochschullehrern zur Förderung von Unternehmensgründungen, etwa im Rahmen der Lehre oder durch Beratung und Teilhabe an Forschungsergebnissen, zu erhöhen, könnten finanzielle Anreize sinnvoll sein. Bisher werden solche Aktivitäten fast ausschließlich universitätsintern oder im Rahmen lokaler Medienberichterstattung gewürdigt. Wer sich in dem strategisch wichtigen Bereich der Förderung von Unternehmertum engagiert, könnte auch von regulären Aufgaben entlastet werden. Innovative und qualitativ hochwertige Lehre, die Bereitstellung entsprechender Materialien oder Organisation von Praxiserfahrung für die Studierenden sollte unterstützt werden.

Hintergrund

Das OECD-Programm Local Economic and Employment Development (LEED) befasst sich seit 25 Jahren mit dem internationalen Informationsaustausch zur lokalen Wirtschaftsentwicklung. 2005 wurde LEED vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung – Aufbau Ost – eingeladen, um gemeinsam mit den sechs neuen Bundesländern innovative und erfolgversprechende Projekte an Universitäten zu erarbeiten und den internationalen Informationsaustausch zu unterstützen. Der Abschlussbericht zu diesem Projekt soll Ende 2009 vorliegen.

Weitere Informationen unter: OECD

Ansprechpartner

OECD Centre Berlin

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