Philologen-Verband NW: Kritik am Qualitätsrückbau in der Lehrerausbildung!
Die Pläne der Landesregierung, die Lehrerausbildung in der universitären Phase deutlich zu verlängern und gleichzeitig im praxisorientierten Vorbereitungsdienst massiv zu kürzen, stößt auf heftige Kritik des nordrhein-westfälischen Philologen-Verbandes.
11.09.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)Das Vorhaben ist unausgewogen und extrem risikobehaftet. Alle Erfahrungen zeigen, dass die Bachelor/Master-Konzeption erhebliche Mängel für die Lehrerausbildung aufweist. Nun wertet die Landesregierung gerade diese konsekutive Lehrerausbildung auf. Entgegen allen früheren Ankündigungen werden die Ausbildungszeiten nicht verkürzt sondern in der 1. Phase um bis zu 1,5 Jahren (!) verlängert. Der fundierten, effizienten und hoch anerkannten 2. Ausbildungsphase im Vorbereitungsdienst versetzt man den Todesstoß, indem man sie von 24 Monaten auf 12 Monate zusammenstreicht.
"Das ist aus Qualitätssicht ein eindeutiger Rückschritt. Keinesfalls wird die Verstärkung der Praxisphasen an den Universitäten die unproportionale Kürzung im Vorbereitungsdienst auffangen können", kritisiert Peter Silbernagel das Vorgehen der Landesregierung. "Nordrhein-Westfalen koppelt sich mit diesem Schritt von den Qualitätsstandards anderer Länder ab. Während nur zwei Bundesländer einen 18-monatigen Vorbereitungsdienst vorsehen, bieten zur Zeit 13 Bundesländer ein 24-monatiges Referendariat an. Dieser Qualitätsverlust provoziert die Frage, ob andere Bundesländer diese Ausbildung anerkennen werden".
Der Philologen-Verband befürchtet, dass die Verlängerung der 1. Ausbildungsphase nicht zur Attraktivität der Lehramtsausbildung beitragen wird. Ärgerlich sei zudem, dass die Schulzeitverkürzung umgesetzt wurde, um junge Menschen früher in das Berufsleben eintreten zu lassen. Jetzt geht man genau den umgekehrten Weg einer unkalkulierbaren und pädagogisch fragwürdigen Verlängerung der Ausbildungszeiten an den Hochschulen.
Lange hat man um diesen ´Kompromiss´ in der Landesregierung gerungen. Die jetzt vorliegenden Eckpunkte sind aus Sicht des Philologen-Verbandes weder pädagogisch belastbar noch konzeptionell überzeugend. "Da die Lehrerausbildung die entscheidende Voraussetzung für Unterrichtsqualität darstellt, werten wir den Qualitätsrückbau in der Lehrerausbildung als folgenreichen Rückschritt im Bemühen um mehr Schulqualität", so Peter Silbernagel.
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