Philologen-Verband: Zerschlagung der Studienkollegs benachteiligt ausländische Studienbewerber
Mit Unverständnis nimmt der Philologen-Verband die Absicht der Landesregierung zur Kenntnis, die Entscheidung über die Zukunft der Studienkollegs aus dem Landtag herauszunehmen und in das Kabinett zu verlagern. Nachdem es noch bei der Abfassung des Schulgesetzes hieß, nunmehr sei die gesetzliche Grundlage für die Studienkollegs geschaffen, behauptet man nun das Gegenteil.
21.05.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Philologenverband NRW (PhV NRW)In dem Diskussionsprozess der letzten Monate war deutlich geworden, dass nur eine Minderheit der Hochschulen die Kollegs abschaffen möchte nicht zuletzt, um deren Stellen zu nutzen. Zugleich wurde den Abgeordneten der große politische und wirtschaftliche Nutzen der Kollegs deutlich und auch, dass mit deren Wegfall vielen jungen Menschen aus Entwicklungsländern nachweislich die Zukunftschance genommen wird. Vor mehr als 40 Jahren wurden bereits Studienkollegs gegründet, deren Aufgabe darin besteht, ausländischen Studienbewerbern mit unterschiedlichster Ausgangssituation eine qualifizierte Befähigung zum Studium in Deutschland zu ermöglichen.
"In keinem anderen Bundesland wird eine so unvernünftige, ethisch bedenkliche und dem Land schädliche Diskussion geführt," zeigt sich der PhV-Vorsitzende Peter Silbernagel verärgert. Noch im letzten Jahr hatte eine Hochschuluntersuchung bestätigt, dass Studienkolleg-Absolventen besser im Studium abschneiden als die übrigen Ausländer.
Mit der Entscheidung im Kabinett versucht nun Wissenschaftsminister, Prof. Pinkwart (FDP), die Minderheitenposition einiger Hochschulen durchzusetzen. Dabei haben weder der Minister noch die Ministerialbeamten den Kontakt zu den Studienkollegs gesucht und mit den Studierenden gesprochen. Der Philologen-Verband sieht daher der Kabinettsentscheidung mit großer Sorge entgegen.
Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers ist nun aufgefordert, einzugreifen und eine einvernehmliche Lösung zusammen mit den Studienkollegs zu finden. Dabei verschließen sich diese keineswegs Reformen. Auf keinen Fall sollte aber das Signal lauten, dass das Studium von Ausländern aus Entwicklungsländern erschwert wird oder gar politisch unerwünscht ist.
Der Philologen-Verband jedenfalls ist nicht an einer Verschärfung, sondern an einer kooperativen Sachdiskussion interessiert. Die Landesregierung hoffentlich auch!
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