"Prägend für den Wissenschaftsstandort Hessen"

Nach rund zweijähriger Bauzeit und umfangreichen Sicherheitstests hat der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, das so genannte BSL 4-Labor (Biologischer Sicherheitslevel 4) an die Universität Marburg übergeben. Es handelt sich um das erste Laborgebäude in Deutschland, das der höchsten Sicherheitsstufe nach dem Gentechnikgesetz genügt. Dort sollen gefährliche Viren wie zum Beispiel die Erreger von Ebola, Sars oder Vogelgrippe und deren Varianten erforscht werden, um neue Diagnosemethoden, Impfstoffe und Therapien zu entwickeln. Vergleichbare Einrichtungen gibt es gegenwärtig in Europa nur in Lyon und Stockholm.

05.12.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

"Der Bau und der Betrieb des Hochsicherheitslabors der Klasse BSL-4 ist für den Wissenschaftsstandort Marburg eine prägende Entscheidung und für die Philipps-Universität eine sehr große Herausforderung", sagte Staatsminister Corts bei der Übergabe. "Er unterstreicht die herausragende Rolle der Marburger Virologie und damit der gesamten Universität für die nationale wie internationale Forschung. Gleichzeitig dokumentiert dieses Projekt den Spitzenplatz des Wissenschafts- und Forschungsstandorts Hessen."

Das neue, auf einer Grundfläche von 20 mal 20 Metern errichtete Gebäude verfügt über eine Hauptnutzfläche von 663 Quadratmetern, wovon 285 Quadratmeter Laborfläche sind. Es enthält in vier Geschossen nur die Technik, die zur Forschungsarbeit im fünften Stockwerk unabdingbar ist. Das Laborgeschoss ist faktisch ein Gebäude im Gebäude, ein von den restlichen Stockwerken und von der Außenwelt hermetisch abgekapselter Bereich. Um weder die in dem Labor arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, noch die Umwelt zu gefährden, wurden höchste Sicherheitsanforderungen verwirklicht. Etwa die Hälfte der Baukosten von rund 11,5 Millionen Euro, die von Land und Bund finanziert werden, entfiel auf technische Ausstattung.

Marburg hat eine vierzigjährige Erfahrung mit hochpathogenen Viren. Der Ausbruch eines schweren hämorrhagischen Fiebers unter Mitarbeitern der damaligen Behring Werke, die mit importierten Affen gearbeitet hatten, löste 1967 in der Bevölkerung und in Fachkreisen große Bestürzung aus. Dieser Ausbruch markierte für Deutschland den Beginn eines Phänomens, das heute "Emerging Viruses" genannt wird: hochpathogene Viren, die wie aus dem Nichts auftauchen, schwerste Erkrankungen auslösen und wieder verschwinden. Der Erreger der sogenannten "Marburger Affenkrankheit" wurde damals in sehr kurzer Zeit an der Philipps-Universität entdeckt.

Mitte der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde dann am Institut für Virologie auf Initiative von Prof. Dr. Hans-Dieter Klenk das erste Sicherheitslabor gebaut und betrieben, das nun durch den Neubau ersetzt wird. Die Wissenschaftler, die dort arbeiteten, haben wesentlich dazu beigetragen, etwa das Verständnis von Marburg- und Ebola-Viren zu verbessern und errangen durch ihre Arbeiten international Anerkennung.

Der Bau des BSL 4-Labors wurde ausdrücklich unterstützt durch den Wissenschaftsrat, dessen Stellungnahmen die Leistungen der Marburger Virologie und speziell die Arbeiten auf dem Gebiet hochpathogener Viren als Alleinstellungsmerkmal der Philipps-Universität mehrfach lobend erwähnten. Im Zusammenhang mit den Neubauplanungen für das Biomedizinische Forschungszentrum und der daran angeschlossenen Neubauten für die Institute der Mikrobiologie, der Immunologie und der Virologie auf den Lahnbergen hatte das Wissenschaftsministerium in Abstimmung mit dem Finanzministerium entschieden, in unmittelbarer Nachbarschaft dieser Gebäude das neue Hochsicherheitslabor zu errichten.

Das BSL 4-Labor ist zusammen mit dem Frankfurter Kompetenzzentrum für hochkontagiöse lebensbedrohliche Krankheitserreger in die hessische Infrastruktur zum Infektionsschutz der Bevölkerung eingebunden. Seine Hauptaufgabe liegt jedoch auf dem Gebiet von Forschung und Lehre. "Damit erhalten auch Studierende der Fächer Humanmedizin und Humanbiologie die Möglichkeit, am Institut für Virologie im Rahmen ihrer Diplom- und Doktorarbeiten eine Ausbildung mit Schwerpunkt hochpathogene Viren zu erhalten", hob Staatsminister Corts hervor.


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