Reform statt Zerschlagung der Lehrerausbildung

"Die von der Landesregierung beauftragte Expertenkommission hat in ihrer Expertise deutlich dafür plädiert, dass die Lehrerausbildung in NRW auch künftig aus zwei aufeinander folgenden Phasen bestehen soll. Die Landesregierung sollte sich den Empfehlungen der Wissenschaftler nicht verschließen. Diese machen auch deutlich, dass der von dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Helmut Stahl vorgelegte Vorschlag, die Lehrerbildung ganz in die Hand der Universitäten zu geben, nicht zur Verbesserung der Lehrerbildung geeignet ist", erklärt Udo Beckmann anlässlich der noch laufenden Diskussion der Mehrheitsfraktion über die Eckpunkte für eine zukünftige Lehrerbildung.

05.06.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Die Kommission geht davon aus, dass in der ersten Phase der Ausbildung an den Universitäten nicht die Vermittlung von Handlungsfähigkeit, sondern die Analyse im Vordergrund stehen soll. Dazu gehören von den Universitäten koordinierte und begleitete Praktika an Schulen. Dies setzt bei beiden Institutionen die notwendigen personellen Ressourcen voraus. Die "Ernstsituation Unterricht" kann den Experten zufolge nur in der zweiten Phase erfahren werden. Die Kommission rät davon ab, beide Phasen zu vermischen.

"Dieser Auffassung schließt sich der VBE an", so Beckmann weiter. "Die erste Ausbildungsphase sollte in der Verantwortung der Hochschulen liegen und die zweite in der Verantwortung der Seminare. Wir sind allerdings auch der Ansicht, dass beide Phasen besser aufeinander abgestimmt werden müssen."

Die von der Kommission vorgeschlagene Einrichtung von Lehrerbildungszentren an den Hochschulen befürwortet der VBE. Diese Zentren müssten eng mit den Seminaren zusammenarbeiten. Es sollte aber nicht so aussehen, dass Ausbildungsseminare künftig nur noch an Universitätsstandorten zu finden sind. Die Verteilung der Studienseminare in der Fläche ist ein wichtiges Innovationspotenzial und Grundlage dafür, dass auch die Lehrerversorgung im ländlichen Raum gesichert ist. Deshalb ist es auch wichtig, dass jede Schule Ausbildungsschule ist.

"Die zweite Phase hat in ihrer Ausprägung einen Qualitätsstandard erreicht, um dessen Institutionalisierung sich laut Kommission andere Staaten systematisch und mir großer Anstrengung bemühen", so Beckmann weiter. "Sie aufzugeben, wäre deshalb fatal."

Die Kommission hat weiterhin erklärt, dass den unterschiedlichen Lehrämtern zwar unterschiedliche Kompetenzprofile zuzuordnen sind, sich aber daraus keine kürzere oder längere Studiendauer für ein bestimmtes Lehramt ableiten lässt.

"Der VBE fordert für alle Lehrämter gleichlange Studienzeiten, wenn auch mit stufenspezifischem Schwerpunkt", so Beckmann abschließend. "Die Kommission stellt eindeutig fest, dass sich aus der Differenzierung von Ausbildungsgängen und Lehrämtern keine Unterschiedlichkeit der Studiendauer herleiten lässt, wie es sich einige Vertreter der Regierungsfraktion vorstellen."


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