Spatenstich für Biomedizinisches Forschungszentrum in Gießen

"Durch den Neubau des Biomedizinischen Forschungszentrums wird der lebenswissenschaftliche Schwerpunkt der Justus-Liebig-Universität nachhaltig gestärkt." Das hat der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, beim symbolischen ersten Spatenstich für das Projekt hervorgehoben. Er gab damit gemeinsam mit Universitätspräsident Prof. Dr. Stefan Hormuth heute das Startsignal für den 80 Millionen Euro teuren Neubau, der Anfang 2010 fertiggestellt sein soll. "In einer in Deutschland einmaligen Zusammensetzung und Komplexität sind die lebenswissenschaftlichen Disziplinen in Forschung und Lehre an der Universität Gießen vertreten. Die neue Infrastruktur wird dazu beitragen, dass sie ihre Spitzenposition nicht nur behaupten, sondern ausbauen können."

06.06.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Die stark wachsenden Forschungsschwerpunkte der infektiologisch, immunologisch und pharmakologisch ausgerichteten, theoretischen und klinisch-theoretischen Institute sowie deren drittmittelgeförderte klinische Arbeitsgruppen werden erstmalig im Biomedizinischen Forschungszentrum unter einem Dach zusammengeführt. Auf 12.000 Quadratmetern Hauptnutzfläche entstehen unter anderem Labore, Werkstätten, Flächen für die Lagerung und die Entsorgung von Chemikalien und Proben sowie für die Haltung von Versuchstieren auf höchstem technischem Niveau. Im Neubau werden renommierte Forscher ihre Arbeit auf den Gebieten "Infektion-Immunität" sowie "Herz-Lunge" fortsetzen. Gegenstand der Untersuchungen sind Pestviren, Schweinepest, Vogelgrippe, Hepatitis-B und -C-Viren, Sepsis, aber auch Lungen- und Herzkrankheiten. Auch die Veterinärmedizin wird mit Untersuchungen zu einem molekularen Ansatz für das Verständnis von Krankheiten und Heilmethoden bei Tieren vertreten sein. "Durch die enge räumliche Nachbarschaft der zahlreichen, äußerst erfolgreichen Forschergruppen in einem Gebäudekomplex, werden die Kommunikationsmöglichkeiten, die gemeinsame Ressourcennutzung und Synergieeffekte optimiert", sagte Minister Corts.

Das Biomedizinische Forschungszentrum wird nach Plänen des Berliner Architektenbüros Behles & Jochimsen gebaut. "Sie haben einen spektakulären Baukörper entworfen, der in der Universitätsstadt Gießen architektonische Akzente setzen wird", sagte der Minister. Die lange Zeitspanne zwischen dem Abschluss des Architektenwettbewerbs 2003 und dem Baubeginn sei zu einem großen Teil der Komplexität des Bauvorhabens geschuldet. Ein Forschungsbau und Forschungsflächen ließen sich nicht ohne weiteres auf der Basis üblicher Standards planen: "Die Festlegung der räumlich-technischen Anforderungen der Wissenschaftler und deren Umsetzung in konkrete technische Vorgaben an die Architekten und Ingenieure, die das Gebäude letztlich gestalten, erfordern einen intensiven Dialog zwischen den künftigen Nutzern und den anderen an Planung und Ausführung beteiligten Stellen. "Wir legen bei der Steuerung unserer Bauprojekte größten Wert auf eine Einbeziehung der Wissenschaftsseite", betonte der Minister.

Im Fall des Biomedizinischen Forschungszentrums seien darüber hinaus unter anderem Eigentumsfragen und städtebauliche Fragen ebenso zu klären gewesen wie die weitere Nutzung des Hubschrauberlandeplatzes des Klinikums. Das gelte auch für die Finanzierung, weil sich im Lauf der Planungsarbeit gezeigt habe, dass die Baukosten weit über der ursprünglich geschätzten Summe liegen würden. All diese Aufgaben seien dank der intensiven Zusammenarbeit zwischen dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, dem Finanzministerium, der Universität, dem Hessischen Baumanagement und der Gießener Stadtverwaltung gelöst worden. "Sportlich gesehen sind Anlaufschwierigkeiten Bewährungsproben, und insofern hat das Projekt alle Bewährungsproben bestanden."

Die Justus-Liebig-Universität hat in ihrer Entwicklungsplanung besonderen Wert auf eine weitere Stärkung der Lebenswissenschaften und damit der biomedizinischen Fächer gelegt. Das Ministerium hat diese strategisch wichtigen Schwerpunktsetzungen durch Anschubfinanzierungen aus dem Innovationsbudget beträchtlich unterstützt: So wurde der Aufbau des immunologischen und bioinformatischen Schwerpunktes mit 1,3 Millionen und des Schwerpunkts "Mensch-Ernährung-Umwelt" mit 1,4 Millionen Euro gefördert.

Der Neubau des Biomedizinischen Forschungszentrums wird strategisch ideal zwischen dem Campus Veterinärmedizin, dem Campus Humanmedizin und dem Campus Naturwissenschaften platziert. In den nächsten Jahren wird durch Neubauten für das Universitätsklinikum die Nutzung des umgebenden Geländes durch das Klinikum weiter zurückgehen. Dadurch eröffnen sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Biomedizinischen Forschungszentrums neue Chancen für die Entwicklung des Areals im Interesse der Universität.

Minister Corts erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die Landesregierung im Rahmen ihres Hochschulbauprogramms HEUREKA, das bis 2020 Investitionen von drei Milliarden Euro für die zwölf staatlichen Hochschulen vorsieht, für die Justus-Liebig-Universität einen Bedarf von mehr als 400 Millionen Euro kalkuliert habe. Der Schwerpunkt der Investitionen werde hier zunächst bei der Veterinärmedizin und den Naturwissenschaften liegen: Auf dem Programm für die nächsten Jahre stünden Neubauten für die Kleintier- und die Pferdeklinik sowie die Chemie und die Biologie mit einem geschätzten Gesamtvolumen von mehr als 250 Millionen Euro. "Diese Vorhaben werden den lebenswissenschaftlichen Schwerpunkt der Universität weiter fördern." Insofern, so der Minister, sei der heutige Spatenstich gleichzeitig der Auftakt zu einem bisher beispiellosen Investitionsprogramm zur Modernisierung der Justus-Liebig-Universität Gießen.


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