Studie

Studienbedingungen für Lehramtsstudierende verbessern

Wer wirksam den Lehrkräftemangel beseitigen will, muss am Lehramtsstudium ansetzen und schnellstmöglich bessere Rahmenbedingungen dafür schaffen.

11.07.2019 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung GEW Nordrhein-Westfalen
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Die Ergebnisse der von der GEW NRW geförderten Studie „Studiensituation und soziale Lage von Lehramtsstudierenden in NRW“ zeigen, an welchen Stellen es dringlichen Handlungsbedarf seitens der Landesregierung und der Universitäten des Landes gibt.

„Die Zahlen unserer Studie sind alarmierend. Zu viele Studierende unterbrechen aus finanzieller oder sozialer Not ihr Studium oder müssen es sogar komplett abbrechen, weil die Studienbedingungen nicht mit den individuellen Voraussetzungen in Einklang zu bringen sind. Wir bekommen aber nur dann genügend gut ausgebildete Lehrkräfte für unsere Schulen, wenn die Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches und zügiges Studium gegeben sind“, sagte GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern bei der Vorstellung der Studie, die vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) im Rahmen einer Sonderauswertung der Daten der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) durchgeführt wurde.

Als Konsequenz fordert die GEW-Landesvorsitzende von der Landespolitik, in zentralen Handlungsfeldern initiativ zu werden: „Es geht in erster Linie darum, Studienunterbrechungen und Studienabbruch durch bessere Rahmenbedingungen und Beratungsstrukturen zu vermeiden. Die Bedarfsprognose des Schulministeriums zeigt das Missverhältnis von Angebot und Nachfrage in der Lehrkräfteausbildung. Deshalb muss flächendeckend an allen NRW-Universitäten für alle Lehrämter ausgebildet werden. Ganz oben auf der Agenda steht für uns:  Die Diversität unserer Gesellschaft muss unter den Lehramtsstudierenden besser abgebildet werden, wir müssen mehr Migrant*innen für das Lehramtsstudium gewinnen.“

Zentrale Ergebnisse der Studie

DZHW-Forschungsleiter Ulf Banscherus analysierte für die Studie Datensätze von rund 13.000 NRW-Studierenden aus dem Sommersemester 2016, darunter circa 1.800 Lehramtsstudierende. Im Ergebnis entstand dabei ein spezifisches Profil dieser Gruppe. Demnach ist der Anteil weiblicher Studierenden in den Lehramtsstudiengängen mit 66,2 Prozent deutlich höher als bei den Studierenden in NRW insgesamt, während Studierende mit Migrationshintergrund noch stärker unterrepräsentiert sind als bei der Gesamtzahl der NRW-Studierenden (21,8 Prozent). Während die Mehrzahl der Lehramtsstudierenden ihre Situation durchaus positiv einschätzte, beurteilten die Studierenden mit Migrationshintergrund und/oder niedriger Bildungsherkunft ihre individuelle Lage weniger optimistisch. Insgesamt gab es viele Klagen bezüglich der inflexiblen Studienstrukturen und damit korrespondierenden Problemen mit der Arbeitsorganisation und dem Zeitmanagement, sowie der Vereinbarkeit von Studium und Erwerbstätigkeit. Ein Großteil der Lehramtsstudierenden war parallel zum Studium erwerbstätig, etwa ein Drittel studierte faktisch in Teilzeit, wobei allerdings nur ein marginaler Anteil der Studierenden (2,4 Prozent) in einem Teilzeitstudiengang eingeschrieben war. Rund ein Fünftel (20,7 Prozent) der Studierenden gab an, das Lehramtsstudium mindestens einmal unterbrochen zu haben. Hierfür waren existenzielle Probleme – von gesundheitlich-psychischen bis zu finanziellen und sozialen – ausschlaggebend.

GEW NRW fordert Konsequenzen

Maike Finnern sieht insgesamt einen umfassenden Reformbedarf in der Lehrkräfteausbildung: „Die Studienstrukturen müssen flexibilisiert werden, um den differenzierten Lebenswirklichkeiten der Studierenden gerecht zu werden. Dabei müssen auch die Studieninhalte insgesamt, eine übergreifende Studiengangberatung, wie auch die Studienkapazitäten und die Infrastruktur des Studiums an den einzelnen Universitäten in den Blick genommen werden. Unabdingbar ist eine deutliche Verbesserung der Studienfinanzierung. Um ein zügiges Studium zu gewährleisten und damit Studienzeiten zu verkürzen, braucht es eine weitere Reform des BAföG. Dringend zu verbessern, sind auch die Praxisanteile im Studium und die Möglichkeiten, während des Lehramtsstudiums auch ein Auslandssemester zu absolvieren. “


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