Baden-Württemberg

Umfrage zeigt: Absolventen der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften mit Studium zufrieden - Berufseinstieg meist problemlos

Nach den Ergebnissen der jetzt vorliegenden vierten landesweiten Absolventenbefragung, die das Statistische Landesamt im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst und der beteiligten 18 baden-württembergischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (ehemals Fachhochschulen) sowie einer Kunsthochschule im Jahr 2011 durchgeführt hat, haben 62 Prozent der Befragten aus den Prüfungsjahren 2006 und 20091) unmittelbar nach ihrem Abschluss eine Anstellung im Angestellten- oder Beamtenverhältnis gefunden. Das sind 9 Prozentpunkte weniger als im vorherigen Befragungsjahr 20102), sagte die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner, heute auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Dr. Bastian Kaiser, Vorstand der Rektorenkonferenz der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Die Veränderung zu den vorherigen Befragungs- bzw. Prüfungsjahren ist im Wesentlichen durch den steigenden Anteil der Absolventen, die ein weiteres Studium bzw. eine Promotion belegten, und durch die leichte Zunahme der Absolventen, die auf Arbeitssuche bzw. arbeitslos gemeldet waren, zu erklären.

08.10.2012 Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Neben den 62 Prozent mit einem nichtselbstständigen Arbeitsverhältnis, wagten 3 Prozent der Absolventen direkt nach dem Studium den Weg in die Selbstständigkeit. Weitere 5 Prozent machten ein Praktikum. 14 Prozent absolvierten ein weiteres Studium bzw. eine Promotion, das sind 6 Prozentpunkte mehr als noch im Vorjahr. 11 Prozent der Absolventen (2 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr) sind direkt bzw. 3 Monate nach dem Studium arbeitslos. Die verbleibenden 5 Prozent absolvierten eine Berufsausbildung oder befanden sich in einer sonstigen Lebensphase (z.B. Elternzeit).

Für die Absolventen des Prüfungsjahres 2009 war der Einstieg ins Berufsleben nach dem Studium etwas schwieriger als für die Befragten, die 2006 ihren Abschluss machten. So waren die Absolventen aus dem Prüfungsjahr 2009 nur zu 54 Prozent im Angestellten- und Beamtenverhältnis beschäftigt. 20 Prozent entschieden sich für ein weiteres Studium bzw. eine Promotion und 13 Prozent waren auf Arbeitssuche bzw. arbeitslos. Im Prüfungsjahr 2006 war der Anteil der Absolventen, die einem weiteren Studium bzw. einer Promotion nachgingen, nur ein Viertel so hoch (5 Prozent). Der Anteil der Arbeitsuchenden war hingegen nahezu halb so groß (7 Prozent). Dementsprechend lag der Anteil der Absolventen aus dem Prüfungsjahr 2006 im Angestellten- und Beamtenverhältnis direkt nach dem Studium mit 75 Prozent deutlich höher. Erklären lassen sich diese Veränderungen unter anderem durch den Bologna-Prozess und die Wirtschaftskrise, die sich stärker auf das spätere Prüfungsjahr auswirkten.

Rücklaufquote der Umfrage nahezu 28 Prozent

An der freiwilligen Absolventenstudie nahmen rund 5 800 der etwa 22 000 angeschriebenen Absolventen teil, die in den Prüfungsjahren 2006 und 2009 an den beteiligten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und einer Kunsthochschule in Baden-Württemberg einen Abschluss erworben hatten. Von Juli bis September 2011 beantworteten sie dazu freiwillig einen elektronischen Fragebogen im Internet mit rund 60 Fragen. Unter den teilnehmenden Absolventen waren, aufgrund der überwiegend technisch untersuchten Studiengänge, rund ein Drittel Frauen und zwei Drittel Männer. Mit den umfassenden Ergebnissen, so Brenner, sei die Studie nicht nur für die Hochschulen interessant, sondern auch für Studienanfängerinnen und Studienanfänger bei der Wahl des Studienganges eine gute Orientierungshilfe.

Innerhalb von drei Monaten fanden drei Viertel eine Beschäftigung

Nach den Ergebnissen der Absolventenbefragung 2011 hatten 81 Prozent der Absolventen die Absicht, unmittelbar nach Beendigung des Studiums eine Beschäftigung aufzunehmen. Fast drei Viertel der Absolventen (74 Prozent) begannen bereits während des Studiums mit der Beschäftigungssuche. Dabei fanden 33 Prozent der Absolventinnen und Absolventen schon direkt im Anschluss an das Studium eine Beschäftigung. Weitere 42 Prozent hatten nach ein bis drei Monaten Erfolg bei der Suche. Im Durchschnitt benötigten die Absolventinnen und Absolventen für ihre Beschäftigungssuche 2,7 Monate und annähernd 16 Bewerbungsversuche.

Internet erneut die erste Wahl bei der Stellensuche

Von den Absolventinnen und Absolventen, deren Arbeitsplatzsuche erfolgreich war, fanden die meisten ihre Arbeitsstelle über das Internet (37 Prozent)3). 2008 nannten nur 32 Prozent dies als erfolgreichste Suchmethode. Auch Initiativbewerbungen und Praktika während des Studiums waren für jeweils 24 Prozent der Absolventinnen und Absolventen eine aussichtsreiche Bewerbungsmethode. Den Weg über Zeitungsannoncen gingen nur 12 Prozent.

Weiteres Studium gewinnt an Bedeutung

Von den Absolventen, die Auskunft über ihre verschiedenen Berufsphasen gaben, machten insgesamt 16 Prozent entweder direkt nach dem Studium oder zum Zeitpunkt der Erhebung ein weiteres Studium. Im Befragungsjahr 2010 lag dieser Anteil bei nur 9 Prozent und hat sich in der aktuellen Umfrage deutlich erhöht. Insbesondere die Absolventen des Prüfungsjahres 2009 sind für diesen Anstieg verantwortlich. Fast alle Absolventen strebten beim weiteren Abschluss einen Masterabschluss (94 Prozent) an. Diplom- und Bachelorabschlüsse kamen prozentual gemessen hingegen nur selten vor (4 bzw. 2 Prozent). Fast zwei Drittel (65 Prozent) der Absolventen der beteiligten Hochschulen besuchten für das weitere Studium eine Hochschule für Angewandte Wissenschaften. 29 Prozent der Absolventen wählten hierfür eine Universität und insgesamt 5 Prozent eine Duale Hochschule, eine Pädagogische Hochschule, eine Kunst- bzw. Musikhochschule oder eine sonstige Hochschule.

27 Prozent mit Bruttoeinstiegsgehalt zwischen 40 000 und 50 000 Euro im Jahr

Beim Berufseinstieg nach dem Studium haben 47 Prozent angegeben, ein Bruttojahreseinkommen von bis zu 40 000 Euro zu erhalten. 27 Prozent verdienten im Jahr zwischen 40 000 und 50 000 Euro; etwa jeder Fünfte (22 Prozent) zwischen 50 000 und 70 000 Euro. Rund 4 Prozent erreichten ein Bruttogehalt von mehr als 70 000 Euro. Dabei ergeben sich beim Bruttoeinstiegsgehalt Einkommensunterschiede zwischen den Fächergruppen. Während unter den Männern und Frauen mit einer naturwissenschaftlichen Ausbildung oder Ingenieurausbildung 32 bzw. 30 Prozent zwischen 40 000 und 50 000 Euro und 24 bzw. 27 Prozent zwischen 50 000 und 70 000 Euro jährlich verdienten, beziehen die Kunstwissenschaftler direkt nach dem Studium nur zu 11 Prozent ein Jahreseinkommen zwischen 40 000 und 50 000 Euro bzw. zu 4 Prozent zwischen 50 000 und 70 000 Euro.

Hohe Zufriedenheit im Beruf – Nachholbedarf bei Aufstiegsmöglichkeiten

Während 88 Prozent der Befragten mit den Tätigkeitsinhalten und 84 Prozent mit dem Betriebs- und Arbeitsklima im Beruf zufrieden oder sehr zufrieden sind, waren relativ viele Absolventinnen und Absolventen im derzeitigen Beruf mit ihrem Gehalt (20 Prozent), den Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten (18 Prozent) und Aufstiegsmöglichkeiten (21 Prozent) unzufrieden bzw. sehr unzufrieden.

Fast neun von zehn Absolventen mit Studium zufrieden bzw. sehr zufrieden

Mit dem Studium im Allgemeinen ist der Großteil (89 Prozent) der Absolventen zufrieden bzw. sehr zufrieden und bewertet diesen Aspekt rückblickend positiv. Besonders die Zugänge zu erforderlichen Praktika/Übungen (83 Prozent) und die Zugänge zu EDV-Diensten (81 Prozent) wurden positiv bewertet. Fast 71 Prozent waren mit der fachliche Beratung und Betreuung während des Studiums zufrieden. Weniger positiv – allerdings mit deutlichen Abstufungen – fallen dagegen die Bewertungen zur Vorbereitung auf den Beruf (60 Prozent), zu den Angeboten berufsorientierender Veranstaltungen (45 Prozent) und zur Unterstützung bei der Stellensuche (29 Prozent) aus. Folglich äußerten die Absolventinnen und Absolventen bei Angeboten zur Berufsorientierung und zu Bewerbungsstrategien den meisten Verbesserungsbedarf (54 Prozent)4). Bei der Frage, welche Ausbildungsinhalte oder Fähigkeiten im Studium besser gefördert werden sollten, nannten 52 Prozent interdisziplinäres Denken und 39 Prozent die Personalerfahrung bzw. Mitarbeitermotivation. Jeweils etwa ein Drittel würde gerne die Aspekte wissenschaftliche Methoden (34 Prozent), rhetorische Fähigkeiten (33 Prozent), eigene Organisation (31 Prozent) und Fremdsprachenkenntnisse (36 Prozent) verbessern. Wesentliche Unterschiede bei der Studienbewertung sowie der Bewertung verschiedener Teilbereiche oder der Verbesserungsvorschläge liegen im Zeitverlauf von 2008 bis 2011 jedoch nicht vor. Generell besteht jedoch eine leichte Tendenz zur Verbesserung einzelner Aspekte.

95 Prozent der Absolventen würden rückblickend eher wieder studieren

87 Prozent der Absolventen würden wieder studieren und 8 Prozent ihre Entscheidung rückblickend ähnlich treffen und somit eher wieder studieren. 3 Prozent sind sich nicht sicher, ob sie diese Entscheidung rückblickend noch einmal treffen würden und der verbleibende Rest könnte sich dies nicht bzw. eher nicht vorstellen.

1) Ein Prüfungsjahr umfasst die Absolventen aus dem Wintersemester, zum Beispiel 2008/2009, und dem darauf folgenden Sommersemester, zum Beispiel 2009 (=Prüfungsjahr 2009).
2) Im Befragungsjahr 2010 wurden die Prüfungsjahre 2005 und 2008 untersucht.
3) Mehrfachnennungen waren bei dieser Fragestellung möglich.
4) Mehrfachnennungen waren bei dieser Fragestellung möglich.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden