Baden-Württemberg

Umfrage zeigt: Absolventen der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften mit Studium zufrieden - Berufseinstieg meist problemlos

62 Prozent der Befragten Hochschulabsolventen an der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften aus den Prüfungsjahren 2007 und 2010 haben nach Meldung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg unmittelbar nach ihrem Abschluss eine Anstellung im Angestellten- oder Beamtenverhältnis gefunden.

30.10.2013 Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Nach den Ergebnissen der jetzt vorliegenden fünften landesweiten Absolventenbefragung, die das Statistische Landesamt im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst und der beteiligten 18 baden-württembergischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (ehemals Fachhochschulen) sowie einer Kunsthochschule im Jahr 2012 durchgeführt hat, haben 62 Prozent der Befragten aus den Prüfungsjahren 2007 und 2010 1) unmittelbar nach ihrem Abschluss eine Anstellung im Angestellten- oder Beamtenverhältnis gefunden. Der Anteil liegt gleich hoch wie in der Vorjahreserhebung, ist aber um 9 Prozentpunkte geringer als im Befragungsjahr 2010 2), sagte die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner, heute auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Vorsitzenden der Rektorenkonferenz der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften Baden-Württemberg, Prof. Dr. Bastian Kaiser. Die Veränderungen im Laufe der Jahre sind im Wesentlichen durch den steigenden Anteil der Absolventen, die ein weiteres Studium bzw. eine Promotion belegten, zu erklären.

Neben den 62 Prozent mit einem nichtselbstständigen Arbeitsverhältnis, wagten 3 Prozent der Absolventen direkt nach dem Studium den Weg in die Selbstständigkeit. Weitere 5 Prozent machten ein Praktikum. 15 Prozent absolvierten ein weiteres Studium bzw. eine Promotion. 9 Prozent der Absolventen sind direkt bzw. 3 Monate nach dem Studium arbeitslos. Somit hat sich der Anteil der Arbeitsuchenden für das Befragungsjahr 2012 nach einem Anstieg in den Jahren der Wirtschaftskrise (Befragungsjahr 2011 – Prüfungsjahre 2009 und 2006) auf das Niveau von 2010 relativiert. Die verbleibenden 6 Prozent absolvierten eine Berufsausbildung oder befanden sich in einer sonstigen Lebensphase (z.B. Elternzeit).

Dennoch war der Einstieg ins Berufsleben nach dem Studium für die Absolventen des Prüfungsjahres 2010 etwas schwieriger als für die Befragten, die 2007 ihren Abschluss machten. So waren die Absolventen aus dem Prüfungsjahr 2010 nur zu 51 Prozent im Angestellten- und Beamtenverhältnis beschäftigt. 22 Prozent entschieden sich für ein weiteres Studium bzw. eine Promotion und 11 Prozent waren auf Arbeitssuche bzw. arbeitslos. Im Prüfungsjahr 2007 war der Anteil der Absolventen, die einem weiteren Studium bzw. einer Promotion nachgingen, nur etwa ein Viertel so hoch (5 Prozent). Der Anteil der Arbeitsuchenden lag hingegen nur bei 7 Prozent. Dementsprechend lag der Anteil der Absolventen aus dem Prüfungsjahr 2007 im Angestellten- und Beamtenverhältnis direkt nach dem Studium mit 77 Prozent deutlich höher. Erklären lassen sich diese Veränderungen unter anderem durch den Bologna-Prozess und die Wirtschaftskrise, die sich stärker auf das spätere Prüfungsjahr auswirkten.

Rücklaufquote der Umfrage liegt bei 28 Prozent

An der freiwilligen Absolventenstudie nahmen rund 6 500 der etwa 23 000 angeschriebenen Absolventen teil, die in den Prüfungsjahren 2007 und 2010 an den beteiligten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und einer Kunsthochschule in Baden-Württemberg einen Abschluss erworben hatten. Von August bis Oktober 2012 beantworteten sie dazu freiwillig einen elektronischen Fragebogen im Internet mit rund 60 Fragen. Unter den teilnehmenden Absolventen waren, aufgrund der untersuchten, überwiegend technischen Studiengänge, rund ein Drittel Frauen und zwei Drittel Männer. Mit den umfassenden Ergebnissen, so Brenner, sei die Studie nicht nur für die Hochschulen interessant, sondern auch für Studienanfängerinnen und Studienanfänger bei der Wahl des Studienganges eine gute Orientierungshilfe.

Innerhalb von drei Monaten fanden drei Viertel eine Beschäftigung

Nach den Ergebnissen der Absolventenbefragung 2012 hatten 80 Prozent der Absolventen der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften die Absicht, unmittelbar nach Beendigung des Studiums eine Beschäftigung aufzunehmen. Fast drei Viertel der Absolventen (71 Prozent) begannen bereits während des Studiums mit der Beschäftigungssuche. Dabei fanden 32 Prozent der Absolventinnen und Absolventen schon direkt im Anschluss an das Studium eine Beschäftigung. Weitere 45 Prozent hatten nach ein bis drei Monaten Erfolg bei der Suche. Im Durchschnitt benötigten die Absolventinnen und Absolventen für ihre Beschäftigungssuche 2,4 Monate und 13 Bewerbungsversuche.

Internet erneut die erste Wahl bei der Stellensuche

Von den Absolventinnen und Absolventen, deren Arbeitsplatzsuche erfolgreich war, fanden die meisten ihre Arbeitsstelle über das Internet (40 Prozent) 3). Im Befragungsjahr 2008 nannten hingegen nur 32 Prozent dies als erfolgreichste Suchmethode. Auch Initiativbewerbungen waren für 24 Prozent und Praktika während des Studiums für 22 Prozent der Absolventinnen und Absolventen eine aussichtsreiche Bewerbungsmethode. Den Weg über Zeitungsannoncen gingen nur 10 Prozent.

Weiteres Studium gewinnt an Bedeutung

Von den Absolventen, die Auskunft über ihre verschiedenen Berufsphasen gaben, machten insgesamt 19 Prozent entweder direkt nach dem Studium oder zum Zeitpunkt der Erhebung ein weiteres Studium. Im Befragungsjahr 2011 lag dieser Anteil bei 16 Prozent, 2010 nur bei 9 Prozent. Insbesondere die Absolventen des späteren Prüfungsjahres – in dieser Erhebung Absolventen aus dem Prüfungsjahr 2010 – sind für diesen Anstieg verantwortlich. 60 Prozent der Absolventen der beteiligten Hochschulen besuchten für das weitere Studium eine Hochschule für Angewandte Wissenschaften. 33 Prozent der Absolventen wählten hierfür eine Universität und insgesamt 7 Prozent eine Duale Hochschule, eine Pädagogische Hochschule, eine Kunst- bzw. Musikhochschule oder eine sonstige Hochschule.

27 Prozent mit Bruttoeinstiegsgehalt zwischen 40 000 und 50 000 Euro im Jahr

Beim Berufseinstieg nach dem Studium haben 45 Prozent angegeben, ein Bruttojahreseinkommen von bis zu 40 000 Euro zu erhalten. 27 Prozent verdienten im Jahr zwischen 40 000 und 50 000 Euro; etwa jeder Fünfte (22 Prozent) zwischen 50 000 und 70 000 Euro. Rund 5 Prozent erreichten ein Bruttogehalt von mehr als 70 000 Euro. Dabei ergeben sich beim Bruttoeinstiegsgehalt Einkommensunterschiede zwischen den Fächergruppen. Während unter den Männern und Frauen mit einer naturwissenschaftlichen Ausbildung oder Ingenieurausbildung 31 Prozent zwischen 40 000 und 50 000 Euro und 24 bzw. 27 Prozent zwischen 50 000 und 70 000 Euro jährlich verdienten, beziehen die Kunstwissenschaftler direkt nach dem Studium nur zu 10 Prozent ein Jahreseinkommen zwischen 40 000 und 50 000 Euro bzw. zu 5 Prozent zwischen 50 000 und 70 000 Euro.

Hohe Zufriedenheit im Beruf – Nachholbedarf bei Aufstiegsmöglichkeiten

Während 88 Prozent der Befragten mit den Tätigkeitsinhalten und 84 Prozent mit dem Betriebs- und Arbeitsklima im Beruf zufrieden oder sehr zufrieden sind, waren relativ viele Absolventinnen und Absolventen im derzeitigen Beruf mit ihrem Gehalt (19 Prozent), den Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten (17 Prozent) und Aufstiegsmöglichkeiten (19 Prozent) unzufrieden bzw. sehr unzufrieden.

Fast neun von zehn Absolventen mit Studium zufrieden bzw. sehr zufrieden

Mit dem Studium im Allgemeinen ist der Großteil (89 Prozent) der Absolventen zufrieden bzw. sehr zufrieden und bewertet diesen Aspekt rückblickend positiv. Besonders die Zugänge zu erforderlichen Praktika/Übungen (84 Prozent) und die Zugänge zu EDV-Diensten (81 Prozent) wurden positiv bewertet. Fast 72 Prozent waren mit der fachlichen Beratung und Betreuung während des Studiums zufrieden und 64 Prozent mit den fachlichen Fertigungsmöglichkeiten. Weniger positiv – allerdings mit deutlichen Abstufungen – fallen dagegen die Bewertungen zur Vorbereitung auf den Beruf (58 Prozent), zu den Angeboten berufsorientierender Veranstaltungen (46 Prozent) und zur Unterstützung bei der Stellensuche (30 Prozent) aus. Folglich äußerten die Absolventinnen und Absolventen bei Angeboten zur Berufsorientierung und zu Bewerbungsstrategien den meisten Verbesserungsbedarf (53 Prozent) 4). Bei der Frage, welche Ausbildungsinhalte oder Fähigkeiten im Studium besser gefördert werden sollten, nannten 54 Prozent interdisziplinäres Denken und 39 Prozent die Personalerfahrung bzw. Mitarbeitermotivation. Jeweils etwa ein Drittel würde gerne die Aspekte wirtschaftliches Denken (37 Prozent), Anwendung von wissenschaftlichen Methoden (34 Prozent), rhetorische Fähigkeiten (33 Prozent), Fremdsprachenkenntnisse (33 Prozent) und Selbstorganisation (31 Prozent) verbessern. Wesentliche Unterschiede bei der Studienbewertung sowie der Bewertung verschiedener Teilbereiche oder der Verbesserungsvorschläge liegen im Zeitverlauf von 2008 bis 2012 jedoch nicht vor. Generell besteht jedoch eine leichte Tendenz zur Verbesserung einzelner Aspekte.

94 Prozent der Absolventen würden rückblickend eher wieder studieren

87 Prozent der Absolventen würden wieder studieren und 7 Prozent ihre Entscheidung rückblickend ähnlich treffen und somit eher wieder studieren. 3 Prozent sind sich nicht sicher, ob sie diese Entscheidung rückblickend noch einmal treffen würden und der verbleibende Rest könnte sich dies nicht bzw. eher nicht vorstellen.


1) Ein Prüfungsjahr umfasst die Absolventen aus dem Wintersemester, zum Beispiel 2009/2010, und dem darauf folgenden Sommersemester, zum Beispiel 2010 (=Prüfungsjahr 2010).
2) Im Befragungsjahr 2010 wurden die Prüfungsjahre 2005 und 2008 untersucht.
3) Mehrfachnennungen waren bei dieser Fragestellung möglich.
4) Mehrfachnennungen waren bei dieser Fragestellung möglich.

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