"Wissenschaft als Beruf muss attraktiver werden"
Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat Bund und Länder aufgefordert, die Attraktivität von "Wissenschaft als Beruf" zu erhöhen. "Auf Grund von Förderprogrammen wie der Exzellenzinitiative ist die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiterstellen auf derzeit über 163.000 gewachsen, ohne dass in Zeiten des Studierendenbooms die Zahl der Universitätsprofessuren mit derzeit knapp 25.500 proportional mitgewachsen wäre", erklärte der Präsident des DHV, Professor Dr. Bernhard Kempen, anlässlich der hochschulpolitischen Konferenz "Attraktivität des Beschäftigungssystems Wissenschaft sichern" in Rostock.
23.11.2012 Pressemeldung Deutscher Hochschulverband (DHV)"Für junge Menschen, die hoch motiviert den Traumberuf Wissenschaftler anstreben, gehören außertarifliche Arbeitszeiten, kurze Zeitverträge, lange Wartezeiten und spärliche Finanzen leider zum Alltag. Statt W2 oder W3 droht ihnen Hartz IV. Das muss sich ändern."
Zum Nulltarif sei dies allerdings unmöglich. Bund und Länder müssten daher endlich Prioritäten zugunsten von zusätzlichen Universitätsprofessuren setzen. Allein um die gegenwärtige ungünstige Relation von 60 Studierenden pro Universitätsprofessor zu halten, müssten bundesweit angesichts der für 2013/14 prognostizierten 2,7 Millionen Studierenden zu den vorhandenen 25.500 Universitätsprofessuren 7.000 zusätzliche Professuren geschaffen werden. "Wissenschaftler, die im Zuge der Exzellenzinitiative bestenfalls auf befristeten Stellen verharren, oder Privatdozenten, die mit unter- oder unbezahlten Lehraufträgen ein Nischendasein fristen, stehen als vollwertiger Ersatz bereit", erklärte Kempen.
Bei der globalen Konkurrenz um Spitzenkräfte, so der DHV-Präsident weiter, müssten deutsche Universitäten mit dem sogenannten "Tenure Track" attraktive Karriereperspektiven auch anbieten können. Kempen plädierte dafür, Nachwuchswissenschaftlern frühzeitig größere Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu ermöglichen und dafür deutlicher zwischen Qualifizierungsaufgaben und wissenschaftlichen Dienstleistungsaufgaben zu unterscheiden.
"Aus seiner täglichen Beratungspraxis weiß der DHV, dass es nicht nur ein Nebeneinander von sachgrundloser Befristung in der Qualifizierungsphase und Drittmittelbefristung gibt, sondern dass auch Drittmittelbefristungen innerhalb der Qualifizierungsphase zum Hochschulalltag gehören", ergänzte Kempen. Die Zeiten, in denen wissenschaftliche Mitarbeiter aus Drittmitteln beschäftigt werden, sollten nur noch zur Hälfte auf die Befristungsdauer von in der Regel zwölf Jahren angerechnet werden. Dadurch könnten Staueffekte beim Übergang von wissenschaftlich er Mitarbeiterstelle zur Professur abgemildert werden. Vielen qualifizierten wissenschaftlichen Mitarbeitern, die auf einem engen Berufungsmarkt trotz nachgewiese-ner Qualifikation erhebliche Probleme hätten, eine unbefristete Stelle in der Wissenschaft zu erreichen, ermögliche die Neuregelung einen längeren Verbleib im Wissenschaftssystem. Sie erhielten außerdem mehr Zeit für eine Umorientierung zu Berufen außerhalb der Wissenschaft.
Der Deutsche Hochschulverband ist die bundesweite Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit über 27.000 Mitgliedern.
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