Zahl der Förderanträge im LOEWE-Programm gestiegen
In der zweiten Antragsrunde des Forschungsförderungsprogramms "LOEWE – Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz", an der sich hessische Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen beteiligt haben, sind heute erste Vorentscheidungen gefällt worden. Der LOEWE-Programmbeirat und die LOEWE-Verwaltungskommission haben bei ihrer gemeinsamen Sitzung in Wiesbaden sieben Antragsskizzen für LOEWE-Zentren (Förderlinie 1) sowie 23 Skizzen für LOEWE-Schwerpunkte (Förderlinie 2) gesichtet und nach gemeinsamer Beratung entschieden, dass vier Antragsteller für LOEWE-Zentren und acht Antragsteller für LOEWE-Schwerpunkte zur Erarbeitung von Vollanträgen aufgefordert werden. Der Programmbeirat hat zugleich externe Gutachtergruppen eingesetzt, die in dem wettbewerblich organisierten Auswahlverfahren die Antragsprojekte an Ort und Stelle begutachten werden.
11.06.2008 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und KunstDer Vorsitzende der Verwaltungskommission, Staatssekretär Prof. Dr. Ralph Alexander Lorz, und der Vorsitzende des Programmbeirats, Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, hoben die Qualität und die Quantität der eingereichten Antragsskizzen hervor. "Mit insgesamt 30 eingereichten Anträgen von nahezu allen hessischen Hochschulen und zahlreichen außeruniversitären Forschungseinrichtungen lag die Gesamtanzahl leicht über der Antragszahl der ersten Förderstaffel", sagte Staatssekretär Prof. Dr. Lorz.
Der Vorsitzende des LOEWE-Programmbeirats und frühere Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, betonte, dass das LOEWE-Programm in seiner wettbewerblich ausgerichteten Programmatik und in seinem Finanzvolumen bundesweit einzigartig sei. Es werde vom überregionalen Wissenschaftsmanagement mit fachlicher Anerkennung registriert.
Gleichzeitig wiesen Lorz und Einhäupl darauf hin, dass der noch aufzustellende Landeshaushalt 2009 von zentraler Bedeutung für das weitere LOEWE-Wettbewerbsverfahren und die anschließende Finanzierung bewilligter Projekte mit mehrjähriger Förderdauer sei. Beide LOEWE-Gremien hätten sich darauf verständigt, dass die in der Vorauswahl erfolgreichen Antragsteller der zweiten Förderstaffel jetzt zur Einreichung von Vollanträgen aufgefordert werden. Diese sollen Ende 2008 dem Wissenschaftsministerium vorgelegt werden. Die Vor-Ort-Begutachtungen der Vollanträge durch externe Gutachtergruppen soll im Frühjahr 2009 erfolgen. Die endgültigen Bewilligungsentscheidungen in der zweiten Förderstaffel werden auf der Grundlage eines verabschiedeten Landeshaushalts 2009 getroffen, sagten Lorz und Einhäupl. Ebenso sei der genaue Zeitplan für die avisierte dritte Förderstaffel vom Verlauf des Haushaltsaufstellungsverfahrens abhängig.
Nach Angaben von Staatssekretär Lorz befassen sich die jetzt im Rahmen der zweiten Förderstaffel in der Förderlinie 1 vorgelegten Zentrumsanträge mit Themen aus der Medizin, der Biologie und der Ingenieurwissenschaften (Luftfahrt, Materialwissenschaften). Bedauerlicherweise sei diesmal kein geistes- oder sozialwissenschaftlicher Zentrumsantrag eingereicht worden. Hinsichtlich der Förderlinie 2 seien Schwerpunktanträge in den Gebieten Medizin, Biologie und anderen Natur- und Ingenieurwissenschaften, Finanzwissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften gestellt worden. Lorz äußerte sich zufrieden darüber, dass die Fachhochschulen mit insgesamt sieben Anträgen ihre Antragszahl im Vergleich zur ersten Förderstaffel nahezu verdoppelt hätten.
Die große Resonanz zeige, dass die Wissenschaftseinrichtungen in Hessen das LOEWE-Programm des Landes offensiv nutzten, um auf der Basis ihrer vorhandenen wissenschaftlichen Kompetenz ihre Schwerpunkt- und Entwicklungsplanung zielgerichtet voranzutreiben und die Vernetzung zwischen Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen auszubauen. "Diese Entwicklung entspricht voll und ganz dem Ziel der Landesregierung, zur Umsetzung der Lissabon-Strategie mit Hilfe des LOEWE-Programms die Wettbewerbsfähigkeit der Wissenschaftseinrichtungen in Hessen nachhaltig zu stärken sowie ihre Innovationskraft für die Entwicklung der Wirtschaft und damit für die Schaffung zukunftsorientierter Arbeitsplätze zu nutzen", sagte Staatssekretär Lorz. Zugleich wies er darauf hin, dass LOEWE den Hochschulen ausgezeichnete Chancen biete, hochkarätige Wissenschaftler für herausragende Berufungen nach Hessen zu holen.
"Von großer Bedeutung ist außerdem die frühe und konsequente Einbindung der großen überregionalen Forschungsorganisationen. Die Landesregierung hat ein hohes Interesse daran, dass Organisationen wie etwa die Max-Planck-Gesellschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft oder die Leibniz-Gemeinschaft bei ihren eigenen strategischen Planungen LOEWE-Projekte einbeziehen", sagte der Staatssekretär.
Im Hinblick auf die Vorauswahl der zweiten Förderstaffel unterstrich Prof. Einhäupl, dass die Auswahlentscheidung der Antragsskizzen für die beiden LOEWE-Gremien "eine echte positive Herausforderung" gewesen sei. "Das Niveau der 30 Antragsskizzen der zweiten Förderstaffel ist ausgesprochen hoch gewesen. Daher hatten wir im Sinne einer Bestenauslese die Qual der Wahl", sagte Einhäupl. Als zentrale Auswahlkriterien nannte er die Relevanz des Antragsthemas, die Kohärenz des Antrags, die fachliche Kompetenz der beteiligten Wissenschaftler, die insbesondere durch die Drittmitteleinwerbung und Publikationen ausgewiesen seien, sowie die Aussichten, durch das Antragsprojekt nachhaltige Strukturen zu erreichen. Einhäupl wertete es als wichtig für die wissenschaftliche Entwicklung, dass zwei Antragsskizzen, die in der ersten Förderstaffel im November 2007 nicht zum Zuge gekommen seien, in überarbeiteter Form in der zweiten Förderantragsrunde erneut eingereicht und jetzt zur Vollantragstellung zugelassen worden seien.
Im Rahmen der laufenden ersten Förderstaffel des LOEWE-Programms befindet sich das Auswahlverfahren kurz vor dem Abschluss: Der Programmbeirat und die Verwaltungskommission hatten im November 2007 insgesamt 14 der eingereichten Skizzen (fünf Zentren, neun Schwerpunkte) für die Vollantragstellung ausgewählt. Am 24. Juni 2008 wird die LOEWE-Verwaltungskommission auf der Basis der erarbeiteten Vollanträge und der Gutachterberichte sowie unter Berücksichtigung der Empfehlungen des LOEWE-Programmbeirats eine Förderentscheidung treffen.
In der zweiten Förderstaffel sind heute folgende Antragsskizzen von der LOEWE-Verwaltungskommission und dem -Programmbeirat zur Vollantragstellung ausgewählt worden:
I. LOEWE-Zentren
- Materialium – Advanced Materials Centre (AMC)
Technische Universität Darmstadt, Deutsches Kunststoff Institut (DKI) Darmstadt, Deutsches Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR), Fraunhofer Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit (LBF), Hochschule Darmstadt, Institut für Nanotechnologie Karlsruhe (INT), Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden (IFW), Max-Planck-Institut für Festkörperforschung Stuttgart (MPI-FKF)
Mit dem LOEWE-Zentrum Materialium (Advanced Materials Centre (AMC)) soll am Hochtechnologie-Standort Rhein-Main ein international konkurrenzfähiges Forschungszentrum für Materialwissenschaft und Werkstofftechnologie an der TU Darmstadt etabliert werden. Das Materialium schlägt dabei die Brücke von den grundlegenden Naturwissenschaften über die Material- und Werkstoffwissenschaften zu den Ingenieurwissenschaften. Dabei sollen sowohl Impulse von den wissenschaftlichen Grundlagen in die Anwendung gelangen als auch ausgehend von definierten, bisher nicht realisierbaren Anforderungen aus der Anwendung adäquate Werkstofflösungen entwickelt werden. Der Forschungsschwerpunkt des Materialiums Design komplex strukturierter Materialien zur Funktionsintegration in Bauteilen mit vielschichtigen Anforderungsprofilen greift thematische Schwerpunkte auf, die zentrale Herausforderungen für zukünftige Technologiebereiche darstellen und für die an der TU Darmstadt und im industriellen Umfeld Expertise und Bedarf konzentriert ist. - AGORA – Advanced Business and General Aviation Research Agenda
Technische Universität Darmstadt, Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF, Deutsches Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR), Fachhochschule Frankfur am Maint, European Center for Aviation Developement GmbH (ECAD)
Die Allgemeine Luftfahrt führt bisher eher ein Schattendasein. Es handelt sich dabei um ein sehr heterogenes Segment, das von der Hobbyfliegerei mit nicht motorisierten Fluggeräten bis hin zur geschäftlichen Luftfahrt mit hoch entwickelten, turbinengetriebenen Flugzeugen reicht. Das überproportionale Wachstum führt in Zukunft zu einem signifikant erhöhten Verkehrsaufkommen und damit auch vermehrt zu Fluglärm, Emissionen und Kapazitätsengpässen im Luftraum sowie auf den Flughäfen. Die Herausforderung liegt darin, intelligente Lösungen und Optimierungsstrategien für das Luftverkehrsmanagement sowie die zur Implementierung benötigten technologischen Grundlagen zu entwickeln, um bei weiter steigendem Verkehrsaufkommen eine nachhaltige Entwicklung des Luftverkehrs sicherstellen zu können. Das LOEWE-Zentrum AGORA integriert und erweitert die bestehenden Kerne der TU Darmstadt gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Fachhochschule Frankfurt am Main zu einem Zentrum für die Forschung auf dem Gebiet der Business Aviation. Die enge Kooperation mit den Unternehmen der Region stärkt den Luftverkehrsstandort Rhein-Main im internationalen Wettbewerb. - UGLMC – Universities of Giessen and Marburg Lung Center: Entzündliche und hyperproliferative Erkrankungen der Lunge und der Atemwege
Justus-Liebig-Universität Gießen, Philipps-Universität Marburg, Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung Bad Nauheim
Auf der Basis bereits existierender Gruppenförderinstrumente und spezialisierter klinischer Behandlungsstrukturen werden in dem geplanten UGMLC alle relevanten wissenschaftlichen und klinischen Kompetenzen der universitätsmedizinischen Standorte Gießen und Marburg und des MPI für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim auf dem Gebiet der entzündlichen (infektiös, nicht-infektiös) und hyperproliferativen (neoplastisch, nicht-neoplastisch) Erkrankungen der Lunge und Atemwege zusammengeführt und fortentwickelt. Die Entschlüsselung der diesen Krankheitsgruppen zugrunde liegenden molekularen Signalpfade, die vielfache Bezüge zueinander sowie zu den Signalmustern der pulmonalen Organogenese aufweisen, steht im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Konzeption. Übergeordnetes Ziel dieses translational ausgerichteten Zentrums ist es, Grundlagenforschung mit krankheits- und patientenorientierter Forschung zur Erarbeitung verbesserter diagnostischer und therapeutischer Konzepte bei lungenerkrankten Patienten zu verbinden. - Synthetische Mikrobiologie
Philipps-Universität Marburg, Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie Marburg
Stimuliert durch neue technologische Entwicklungen beobachten die Antragsteller die Entstehung einer neuen wissenschaftlichen Disziplin, der Synthetischen Mikrobiologie. In der Synthetischen Mikrobiologie geht die Mikrobiologie über den Schritt des Eingreifens und der Veränderung einzelner Proteine, Biosynthesewege oder Proteinkomplexe hinaus und strebt das gezielte Design größerer Strukturen oder Zellen mit vorgegebenen Eigenschaften an. Die kombinierte Anwendung von synthetischen und analytischen Ansätzen soll grundsätzlich neue Einblicke in die Funktionsweise mikrobieller Zellen versprechen. Ebenso besteht seitens der Antragsteller die Hoffnung, zum Beispiel Mikroorganismen zu entwickeln, die Biowasserstoff produzieren, der als erneuerbare Energie der Zukunft gilt. Darüber hinaus soll das rationale Design synthetischer Zellen für die Produktion von medizinisch und landwirtschaftlich relevanten Wirkstoffen genutzt werden können.
II. LOEWE-Schwerpunkte
- Paul Ehrlich-Zentrum für Translationale Medizin (PEZ-TM)
(ursprünglich als LOEWE-Zentrum beantragt)
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Chemotherapeutisches Forschungsinstitut Georg-Speyer-Haus Frankfurt
Das Paul Ehrlich-Zentrum für Translationale Medizin (PEZ-TM) strebt eine neue Qualität der Medikamentenentwicklung für die Krebsbehandlung an. Es integriert ausgewiesene Experten der Grundlagenwissenschaften, der Arzneimittelforschung und der klinischen Anwendung, um innovative Wirkstoffe zur Bekämpfung von Krebserkrankungen zu entdecken und zu entwickeln. Insbesondere sollen die Einsichten in die Mechanismen der heterotypischen Zell-Zell-Interaktionen innerhalb des Tumorgewebes für die Entwicklung neuer Behandlungsstrategien und Wirkstoffen genutzt werden. Das Zusammenführen der vorhandenen akademischen Expertise ergänzt Aktivitäten regionaler Biotechnologie- und großer Pharmaunternehmen, stärkt deren Entwicklungspotential und wird unmittelbare Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort und die Zahl der Arbeitsplätze hoch qualifizierter Mitarbeiter in Hessen haben. - Finanzmathematik und quantitative Finanzwirtschaft: Numerik, Stochastik, Portfoliooptimierung, Asset Pricing
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Frankfurt School of Finance and Management
Die moderne Finanzwirtschaft ist durch einen starken Trend hin zu mathematisch anspruchsvollen Modellen geprägt. Für international wettbewerbsfähige Forschung ist somit eine enge Kooperation zwischen Finanzwirtschaft und Mathematik unerlässlich. Eine besondere Rolle kommt dabei der Finanzmathematik zu, also dem Bereich der Mathematik, der explizit mit finanzwirtschaftlichen Fragestellungen befasst ist. Inhaltliche Motivation des Schwerpunkts ist die aktuelle Finanzmarktkrise. Die Beinahekonkurse von Kreditinstituten wie Bear Stearns und Sachsen-LB zeigen drastisch, welch fundamentale Bedeutung Liquidität auf Finanzmärkten hat. Auch die Rolle von Zentralbanken und Ratingagenturen wird derzeit intensiv diskutiert, ebenso die Frage, ob die Tatsache, dass viele Akteure auf den Finanzmärkten exakt die gleichen Investitionsstrategien verfolgt haben, die Krise noch verschärft hat. - Urban Energies – Lokale Energienetze im Siedlungsraum
Technische Universität Darmstadt, Institut für Solare Energieversorgungstechnik ISET, Passivhaus Institut, Institut Wohnen IWU Darmstadt
Planen und Bauen haben äußerst langfristige Wirkungen. Sie wirken weit in die Zukunft und bewegen erhebliche Ressourcen. Sie bilden das Grundkapital jeder entwickelten Gesellschaft. Während andere Industriezweige in den vergangenen Jahrzehnten Effizienzsprünge vollziehen konnten, steht diese Entwicklung im Bauen noch aus. Im internationalen Vergleich zeichnet sich aber in Deutschland ein Entwicklungsvorsprung im Bereich Energie ab, den es zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts auszubauen gilt. Dies unterstützt zugleich den gesellschaftlichen Wertewandel und das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung. Besondere Chancen eröffnen sich, sobald die klassische Systemgrenze des Gebäudes überschritten und der Blick auf Potentiale der Interaktion von Gebäuden im Kontext des Quartiers und der Stadt frei wird. Das Nebeneinander Energie gewinnender und Energie verbrauchender Objekte, die Nutzung überschüssiger Energie, die Reduktion von Entropie sowie der gezielte Aktivierung vorhandener Speicher setzen wesentliche zusätzliche Potentiale frei. Die energetische Nutzung städtischer Brachen kommt als Potential ins Spiel. - Environmental Monitoring – by Cooperative Autonomous Vehicles and Dynamic Data Driven Simulations
Technische Universität Darmstadt
Mit Hilfe eines adaptiven und reaktiven Netzwerks von heterogenen, mobilen und mit Sensoren ausgestatteten Fahrzeugen in möglicher Verbindung mit stationären Sensorsystemen sollen instationäre Umweltphänomene analysiert werden. Konkret sollen die Ausbreitungsparameter (zum Beispiel Geschwindigkeiten, Ränder) von (chemischen, biologischen, radioaktiven) Schadstoffen in der Luft oder im Wasser oder die Lage der verursachenden Quellen bestimmt werden. Als mobile Plattformen werden vor allem frei navigierbare, kleine, autonome Boden-, Luft- und Wasser-Fahrzeuge betrachtet. Mit Sensoren ausgestattete öffentliche oder private Fahrzeuge können auch berücksichtigt werden. Die Schadstoffausbreitung wird in der Regel durch komplexe, multi-physikalische (vor allem strömungsdynamische in Verbindung etwa mit reaktionskinetischen) Simulationsmodelle beschrieben. Mit Hilfe von Simulationsmodellen, die nicht monolithisch auf einem Supercomputer sondern auf verteilten, heterogenen Rechenplattformen ausgeführt werden, sind die Messdaten der mobilen und stationären Sensorplattformen zu analysieren (zum Beispiel Schätzung der Lage der Quellen, der Anfangsbedingungen, Schätzung der momentanen Ausbreitungseigenschaften sowie eine Vorhersage des weiteren Verlaufs). - AmbiProbe – Massenspektrometrische in-situ-Analytik für die Problembereiche Gesundheit, Umwelt, Klima und Sicherheit
Justus-Liebig-Universität Gießen, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, DKFZ Heidelberg
Es soll ein Hochtechnologieschwerpunkt zur Entwicklung von bio- und nanoanalytischen in-situ-Methoden und Instrumenten für die Bereiche Gesundheit, Umwelt, Klima und Sicherheit (GUKS) entstehen. Als selbständige Einheit soll dieser Schwerpunkt neue, dringend benötigte Verfahren entwickeln, die sich an aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen orientieren. In seiner Konzeption soll der Schwerpunkt von physikalisch-chemischer Grundlagenforschung vorangetrieben und gesteuert werden. Im GUKS-Bereich sind neue Methoden erforderlich, die vor Ort und unmittelbar eingesetzt werden können und sich nicht auf teils schwerfällige Labor- und Probengewinnungs-Verfahren stützen müssen. Solche in-situ-Methoden sollen entwickelt werden für verschiedene Anwendungsfelder, wie die Gewebetyp-Identifizierung während chirurgischer Eingriffe, für die bodenchemische Verfolgung von Umweltgift-Einträgen, für den Bereich der Terrorabwehr an Flughäfen, die Vor-Ort-Untersuchung mikroklimatischer Veränderungen oder die Aufklärung und Nutzung immunologischer Kommunikationsmuster, Biomarker und Metabolite. Hierzu sind neue Analysemethoden erforderlich, die einen hohen Informationsgehalt besitzen, unter Umgebungsbedingungen ohne vorherige Probenbehandlung einsetzbar sowie flexibel und mobil sind. - Gestaltung technisch-sozialer Vernetzung in situativen ubiquitären Systemen (VENUS)
Universität Kassel
Informations- und Vernetzungstechnik durchdringen immer mehr unseren Alltag. Sie haben das Wesen unserer sozialen Netze stark beeinflusst und um neue Formen der Kommunikation und Interaktion bereichert. Weitere technische Neuerungen sind bereits klar erkennbar: Ubiquitäre Systeme und damit einhergehend kontextsensitive, selbst-adaptive Anwendungen, die ihre Verarbeitung benutzerspezifisch an die Dynamik der Umgebung anpassen und dem Benutzer automatisch den für die jeweilige Situation besten Dienst bieten. Ziel des VENUS-Forschungs¬programms ist, die sozial akzeptable, ökonomisch sinnvolle und rechtlich mögliche technische Gestaltung solcher Systeme unter Berücksichtigung der Wechselwirkungen zwischen Technik, Nutzern und sozialen Netzen zu erforschen. Mit VENUS sollen die erwiesenen Kompetenzen der beteiligten Wissenschaftler kooperativ zu einem bundesweit führenden und international sichtbaren Forschungsschwerpunkt gebündelt werden, um eine nachhaltige Stärkung der Universität Kassel und der nordhessischen Region zu erzielen. - Präventive Biomechanik (PräBionik)
Fachhochschule Frankfurt am Main, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Philipps-Universität Marburg, Berufsakademie Mosbach – University of Cooperative Education
Ziel des geplanten LOEWE-Schwerpunkts PräBionik ist das bessere Verständnis und in der Folge die Reduktion der Gefährdung von Weichgewebsregionen durch Stützkonstruktionen beziehungsweise Hilfsmittel. Der Zusammenschluss von Wissenschaftlern stellt nach Ansicht der Antragsteller einen Kompetenz-Cluster zur Erforschung biomechanischer Eigenschaften humaner Weichgewebe und deren pathologischer Veränderungen in Hessen dar. Der stark anwendungsbezogene Ansatz soll zu einem Schwerpunkt mit überregionaler Wirkung ausgebaut werden. Fragestellungen zu gesundheitsgefährdenden Interaktionen zwischen humanen Weichgeweberegionen und Stütz-Konstruktionen (Hilfsmittel) aus dem klinischen Alltag sollen mit interdisziplinären Ansätzen aus Ingenieurwissenschaften, Biologie und Medizin bearbeitet werden. - Optische Technologien und Systeme
Fachhochschule Gießen-Friedberg, Hochschule Darmstadt, Fachhochschule Wiesbaden, Universität Kassel
Optische Technologien werden nach neuen Studien als Innovationsmotor der europäischen Wirtschaft mit gesichert hohen Wachstumsraten angesehen. Im beantragten Schwerpunkt soll durch die Vernetzung der Forschungskompetenzen der Partner eine Technologie-Wertschöpfungskette "Optische Technologien für die industrielle Anwendung" geschaffen werden. Innerhalb des Schwerpunkt-Netzwerks soll die Technologiebasis insbesondere in der optischen Messtechnik, der Entwicklung optischer Komponenten und Systeme und zur Strahl-Stoff-Wechselwirkung erweitert werden. Hierzu sind Forschungsarbeiten auf den Gebieten der auflösungsverbesserten Messung von Signalen und der Messung stark verrauschter Signale vorgesehen. In Vorbereitung der Entwicklung neuer optischer Komponenten werden grundlegende Untersuchungen zu diffraktiven / holographischen optischen Elementen ebenso durchgeführt wie zu mikrostrukturierten Fasersystemen. In der Strahl-Stoff-Wechselwirkung sollen insbesondere Phänomene zur Kurzzeitwechselwirkung und Prozessdynamik bei Hochgeschwindigkeitsprozessen erfolgen. Die Erweiterung der Technologiebasis in Verbindung mit interdisziplinär benachbarten Gebieten soll im Sinne der Wertschöpfungskette für anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung ein Kompetenznetzwerk schaffen, welches der Industrie als Systemanbieter zum Technologietransfer zur Verfügung steht und zukünftig der Erweiterung der technologieorientierten Grundlagenforschung dient.
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